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Die Schankstube

Chapter 16 by vaelinalsorna

Am Ende gab Darian nach.

„Na gut“, sagte er leise.

Corvin grinste zufrieden und erhob sich sofort.

„Dann komm.“

Gemeinsam verließen sie ihr kleines Lager und folgten den schmalen Wegen zwischen den Zelten. Je näher sie den improvisierten Schankhäusern kamen, desto lauter wurde das Stimmengewirr.

Schon von draußen drang Gelächter auf die Straße.

Jemand sang ein altes Soldatenlied.

Anderswo stritt man lautstark über Würfel oder Karten.

Vor der Tür einer Schankstube standen mehrere Männer mit Bierkrügen in der Hand, während aus dem Inneren warmes Licht auf den matschigen Boden fiel.

Corvin schob die Tür auf.

Sofort schlug Darian eine Welle aus Geräuschen entgegen.

Lachen.

Rufe.

Das Klappern von Krügen.

Das dumpfe Poltern von Stühlen.

Dazu kam ein schwerer Geruch aus verschüttetem Bier, Holzrauch, nassen Mänteln und den vielen Menschen, die sich auf engem Raum drängten.

Für einen Moment blieb Darian einfach stehen.

Nach den langen Wochen im Lager wirkte dieses Stimmengewirr beinahe fremd.

Es erinnerte ihn an die Tavernen Nordwachts.

An Abende, die inzwischen einem anderen Leben anzugehören schienen.

Corvin bahnte sich einen Weg durch die Menge.

„Hier!“

An einem freien Tisch in der Ecke fanden sie zwei Plätze.

Eine müde Schankmagd stellte wenig später zwei einfache Tonkrüge vor ihnen ab.

Das Bier war dünn und warm.

Doch Darian störte das kaum.

Er nahm einen Schluck und ließ den Blick durch den Raum schweifen.

An einem Tisch würfelten mehrere Fuhrleute.

In einer anderen Ecke diskutierten Flüchtlinge mit erhobenen Stimmen über den König.

Ein alter Barde spielte auf einer verstimmten Laute, doch kaum jemand hörte ihm zu.

Die Menschen lachten.

Sie tranken.

Sie stritten.

Vielleicht gerade deshalb.

Für ein paar Stunden versuchten sie zu vergessen, dass draußen ein Lager voller Heimatloser lag.

Corvin stieß ihn leicht an.

„Warte kurz.“

Er war bereits aufgestanden.

Darian folgte seinem Blick.

Am anderen Ende des Raumes unterhielt sich eine junge Frau mit zwei Gästen. Ihr blondes Haar fiel offen über ihre Schultern. Das einst wohl schöne Kleid war an mehreren Stellen ausgebessert worden, wirkte jedoch sorgfältig gepflegt. Der tiefe Ausschnitt schien ebenso bewusst gewählt wie ihr freundliches Lächeln.

Als sie Corvin bemerkte, hellte sich ihre Miene auf.

„Da bist du ja wieder.“

Sie trat zu ihm und legte ihm kurz eine Hand auf den Arm.

„Ich habe mich schon gefragt, ob du noch einmal vorbeischaust.“

Corvin lachte leise.

„Ich hatte zu tun.“

„Das sagen sie alle.“

Ihre Antwort klang spielerisch, doch in ihren Augen lag eine Müdigkeit, die Darian inzwischen bei vielen Menschen im Lager erkannt hatte.

Sie wandte sich ihm zu.

„Und wer ist dein Freund?“

„Darian.“

„Freut mich.“

Sie nickte ihm höflich zu.

„Ich bin Lene.“

Die drei wechselten einige Worte. Dabei wurde Darian schnell klar, dass Corvin und Lene sich bereits kannten. Ihre Unterhaltung wirkte vertraut, beinahe selbstverständlich.

Schließlich lächelte Lene.

„Schön, dich wiederzusehen.“

Sie sah erst Corvin, dann Darian an.

„Falls ihr heute Abend Gesellschaft sucht, sagt einfach Bescheid.“

Corvin erwiderte das Lächeln und hob leicht seinen Bierkrug.

„Das klingt verlockend.“

Dann warf er Darian einen fragenden Blick zu.

„Was meinst du?“

Lene sagte nichts mehr.

Sie wartete lediglich ruhig auf seine Antwort, während um sie herum das Stimmengewirr der Schankstube unvermindert weiterging.

Und Darian spürte, dass die Entscheidung allein bei ihm lag.

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