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Sonnenbaden am Strand
Lieber Daheimgebliebener,
ich schreibe dir direkt vom Strand. Falls zwischen den Zeilen also ein paar Sandkörner stecken, betrachte sie als kostenloses Souvenir.
Mein Bikini erfüllt hier exakt zwei Aufgaben: Erstens sorgt er dafür, dass ich nicht vom Strand verwiesen werde - FKK oder auch nur Oben-ohne betrachten die Einheimischen offenbar als Hexerei – und zweitens hinterlässt er nach dem Sonnenbaden lustige, geometrisch präzise Abdrücke.
Das Meer sieht aus wie im Reisekatalog. Türkis, glasklar und herrlich kühl – zumindest sieht es so aus. Geht man hinein, erinnert es eher an frisch aufgebrühten Kräutertee.
Links von mir versucht ein Vater seit einer Stunde, einen Sonnenschirm so in den Boden zu rammen, dass der nicht sofort wieder umkippt, sobald er ihn loslässt. Rechts von mir baut ein kleines Mädchen eine Sandburg, die schon mehr Schatten wirft als der Sonnenschirm. Ich habe beschlossen, mich aus beiden Bauprojekten herauszuhalten.
Denn meine ganze Aufmerksamkeit gilt stattdessen der wahren Attraktion an diesem Strand: dem Rettungsschwimmer.
Groß, braun gebrannt. Das rote Shirt sitzt unverschämt knapp an seinem Oberkörper, sodass man anatomische Studien von Delta-, Trapez- und was sich da sonst noch im Oberkörper an ausgeprägten Muskeln findet, anstellen könnte. Die verspiegelte Sonnenbrille wirkt so lässig, als wäre sie ihm mit der Dienstkleidung ausgehändigt worden, um alle Frauen am Strand damit zu beeindrucken. Und dabei thront er so fotogen auf seinem erhöhten Sitz, als hätte der Tourismusverband ihn eigens zur Dekoration bestellt.
Normalerweise hätte ich längst versucht, mich möglichst unauffällig in seine Nähe zu legen, und eine besonders elegante Variante erfunden, ihn zu fragen, ob er mich mit Sonnencreme einreiben möchte. Überall.
Doch bei dieser Hitze reicht meine Energie gerade noch aus, ihm mit halb geöffneten Augen zuzulächeln und zu hoffen, dass niemand tatsächlich gerettet werden muss. Nicht, weil er das nicht könnte – sondern weil ich ihn dann nicht mehr ansehen könnte.
Wenn du also weiter in deiner Dachgeschosswohnung schmorst, tröste dich mit dem Gedanken: Auch das Paradies hat seine Tücken. Der Sand ist überall, die Sonnencreme klebt an allem und der Sand klebt wiederum an der Sonnencreme.
Trotzdem schicke ich dir eine Portion Meeresrauschen, eine salzige Brise und einen sonnigen Gruß. Den Sonnenbrand behalte ich lieber selbst ;-)

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