Mit welchen Gefühlen liegt Sonja im Bett
Schlaflose Nacht
Ich lag im Bett und konnte einfach nicht einschlafen.
Es war schon halb drei, und meine Gedanken rasten wie verrückt. Je mehr ich versuchte, zur Ruhe zu kommen, desto wilder wurden sie. Der Abend mit Lukas hatte etwas in mir ausgelöst, das ich nicht mehr abschalten konnte.
Einerseits fühlte ich eine massive Anziehung zu ihm. Wenn ich an seinen Blick dachte, an seine vorsichtige, aber intensive Art, wie er mit mir gesprochen hatte, an die Wärme in seiner Stimme — dann wurde mir ganz warm im Bauch. Es knisterte wirklich zwischen uns. Das war nicht nur Einbildung. Da war etwas Echtes. Etwas, das ich lange nicht mehr gespürt hatte.
Aber genau das machte mir auch Angst.
Ein Single ohne richtige Beziehungserfahrung… kommt das gut?
Ich drehte mich auf die andere Seite und starrte an die Decke. Die Zweifel kamen in Wellen.
Bei Bernd war die Ausgangslage ähnlich gewesen. Er war auch eher ruhig und zurückhaltend. Am Anfang hatte ich das als angenehm empfunden — jemand, der nicht drängte, der respektvoll war. Und dann? Dann wurde es langweilig. Mechanisch. Er hatte nie wirklich Initiative gezeigt, nie etwas riskiert. Und ich hatte mich angepasst, hatte meine eigenen Wünsche zurückgestellt, bis ich irgendwann nur noch leer war.
War Lukas auch so?
Am Teamabend war er gut gewesen. Sehr gut sogar. Aber war das nur, weil er so extrem herausgefordert wurde? Weil die Situation so aufgeladen war, dass selbst ein zurückhaltender Mensch wie er nicht anders konnte, als mutig zu sein? Würde er im Alltag wieder in seine Schüchternheit zurückfallen? Würde ich wieder diejenige sein müssen, die alles vorantreibt? Würde ich mich wieder anpassen müssen, bis ich mich selbst nicht mehr spüre?
Ich zog die Decke enger um mich.
Die Erinnerungen an die Nacht kamen hoch. Wie er mich angeschaut hatte, als er in mir war. Wie er gefragt hatte, ob es okay für mich sei. Das war nicht nur Lust gewesen. Da war echte Sorge in seinem Blick. Das war kein „schneller Fuck“ gewesen. Das war… mehr.
Aber reichte das?
Ich drehte mich wieder auf den Rücken und seufzte tief.
Warum mache ich mir überhaupt so viele Gedanken?
Es war nur ein Abendessen. Ein sehr schönes Abendessen. Kein Heiratsantrag.
Und trotzdem… spürte ich, wie wichtig mir das werden könnte. Wie sehr ich mir wünschte, dass es mit ihm klappt. Gleichzeitig hatte ich Angst, wieder enttäuscht zu werden. Angst, dass ich mich wieder in etwas hineinsteigere, das am Ende nur mittelmäßig wird.
Die Zweifel und die Anziehung kämpften in mir. Mal gewann die Vorfreude, mal die Angst. Mal dachte ich: Er ist anders als Bernd. Er hat Tiefe. Mal dachte ich: Genau das habe ich bei Bernd auch gedacht.
Irgendwann gegen halb fünf schlief ich endlich ein — mit einem Wirrwarr aus Gefühlen im Kopf und einem leisen, hartnäckigen Hoffnungsfunken im Herzen.
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