Wie geht es weiter?

Magdalena berichtet

Chapter 131 by Filiusfiliae

„Ich kenne Jens, weil wir mal ein paar Jahre in unseren Zwanzigern Tür an Tür wohnten und zudem unsere Arbeitsplätze in Sichtweite zueinander waren: ich Zivilangestellte bei der Bundeswehr, er Behördensachbearbeiter in einem Bürogebäude direkt neben dem Kasernengelände. Und es gab mal, als ich 25 war, eine Phase von vier Monaten, in der ich zumeist die Nächte nackt unter ihm verbracht habe. Was ich vielleicht noch täte, wenn mein Vater das nicht spitzgekriegt hätte. Einige von euch kannten ja Wladimir, und dass sich Jens nachhaltig einschüchtern ließ, kann ich ihm nicht vorwerfen, leere Drohungen gab es bei Papa nie.

Interessant für uns ist, wie er zur Tankstelle gekommen ist und was er mir darüber erzählt hat. Detailliert wird er uns berichten, wenn es ihm bessergeht. Im Moment nur so viel. Als das Virus-Chaos hereinbrach, schloss er sich einer Gruppe junger Männer an, die sich A.Ü.F. nennt, heißt Allgemeine Überlebenden Fraktion. Da sind wohl einige unschöne Dinge vorgefallen, und Frauen sollten besser nicht in deren Hände geraten, mehr hat Jens nicht erzählt bislang. Das wird er wohl, wenn es ihm besser geht. Für uns interessant ist, dass sie vor einigen Wochen Gefechte mit der Ü.A.D. hatten, deren Gebiet nicht weit von uns beginnt. Und dass ihre Spähtrupps sich nach und nach der Gegend, in der wir uns aufhalten, nähern und uns irgendwann unweigerlich entdecken werden. Zu so einem Spähtrupp gehörte Jens mit drei anderen. In der Tankstelle ist er böse gestürzt, und in der A.Ü.F. gilt die gnadenlose Regel: Wer sich nicht eigenständig bewegen kann, wird zurückgelassen. Das Entgegenkommen bestand darin, dass seine Kumpels ihn mit heruntergelassener Hose auf dem Klo platziert haben und in Griffweite Wasser und Essbares aufgeschichtet haben. Seinen Rucksack, seine Waffe haben sie mitgenommen.“

Betretenes Schweigen macht sie breit. Dann ergreift Viktoria das Wort: „Ich habe ihn gründlich untersucht. Guter Allgemeinzustand, athletisch. Das Bein ist zu meiner größten Überraschung gar nicht gebrochen, sondern nur massiv geprellt. Bei seiner guten Konstitution würde ich sagen: In zwei bis drei Wochen sollte er damit durch sein, in einer Woche kann er vielleicht schon aufstehen und das Gehen üben.“

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