What's next?
Eve, Schreibkraft
„Eve, unter der Aufsicht von Staatssekretär Herbert Moneypenny, Washington, erhält hiermit die Erlaubnis sich frei ... bla bla bla ...“
Der Sheriff hörte auf vorzulesen und begann, verächtlich schnaubend zu lachen. Dabei konnte Eve das Wackeln seines Bauches deutlich an ihrem Po spüren. Das Schwein hatte sie gezwungen, sich über die Motorhaube des Polizeiwagens zu beugen. Eingeklemmt von seinem fetten Wanst hatte er sie langsam und genüsslich einer Leibesvisitation unterzogen.
Das Gefühl der Hilflosigkeit ließ sie erstarren. Sie erinnerte sich und ihr Körper ging auf Autopilot: das Richtige Maß von Spannung und flacher Atmung. Sie fokussierte ihren Blick auf die Motorhaube. Dreck auf einer spiegelnden Oberfläche. Sofort waren all die Techniken wieder präsent, mit denen frau hoffte, die täglichen Demütigungen auszublenden.
In Washington waren solche Situationen äußerst selten. Im Handelsministerium, wo Eve arbeitete, wimmelte es nur so von jungen, langbeinigen Blondinen, an denen sich der Minister, seine Staatssekretäre und Referenten schadlos halten konnten. Als Frau über vierzig mit einem breiten Hintern und Brüsten, die noch nie der Schwerkraft getrotzt hatten, war sie dort quasi unsichtbar. Selbst für die Fahrer und Wachmänner.
Hier in der Provinz war das offenbar anders. Erst hatte der Sheriff rüde ihre Brüste aus dem Ausschnitt gezogen, damit er sie besser begrapschen und an ihren empfindlichen Nippeln ziehen konnte. Dann hatte er ihren Rock hochgeschoben. Schneller Zugriff – genau so war die Dienstkleidung, die natürlich ohne Unterwäsche getragen wurde, gedacht. Mit der breiten Pranke von hinten einmal herzhaft an die bloße Muschi gefasst. Nicht einmal die äußerst nachlässige Enthaarung hatte den Sheriff davon abgehalten.
Zum Abschluss der obligatorische Klatscher auf den Hintern. Erst dann war der Brief dran, mit dem Eve die ganze Zeit verzweifelt gewedelt hatte. Für solche Notfälle hatte sie ihn vorbereitet. Dafür hatte sie unter größtem Risiko einen Bogen Briefpapier aus dem Büro ihres Chefs mitgehen lassen und seine Unterschrift gefälscht.
In der Hauptstadt hätte das vielleicht noch eine Wirkung gehabt. Zumindest bei einem privaten Sicherheitsdienst, so hatte sie spekuliert. Aber hier, etliche hundert Meilen entfernt, ließ der Brief den Sheriff völlig kalt. Eine Frau allein unterwegs und dann auch noch am Steuer eines Autos – das war mit einem Stück Papier wirklich nicht zu erklären.
„Weißt du, Schlampe, wofür ich das halte? Für einen Witz. Gelacht habe ich schon. Was soll ich jetzt machen?“
Der Traum ist aus. Meine Mission ist endgültig gescheitert. Ich komme hier nie raus.
Spätestens morgen hätte der Sheriff sie mit dem Vorfall im Handelsministerium in Verbindung gebracht. Grade als sie die Dateien kopiert hatte, war dummerweise der Sicherheitsdienst aufgetaucht. In ihrer Panik hatte sie wild um sich getreten. Im Gerangel war ein Schuss gefallen. Einer der Typen war weggerannt, den anderen hatte sie genau zwischen den Beinen erwischt. Es hatte ein häßliches Geräusch gegeben, dann war er umgekippt.
Das war nicht nur Widerstand gegen die Staatsgewalt sondern ein Attentat auf die Männlichkeit. Da reagierte das Regime äußerst sensibel. Bestimmt hatte man sie längst zur Fahndung ausgeschrieben.
Sie hatte nur noch vage Erinnerungen, was dann geschehen war. Sie war gerannt, so schnell sie die hohen Absätze trugen. Nach draußen. Hatte sich irgendein Auto geschnappt und war losgefahren. Instinktiv hatte sie sich erinnert, wie man fuhr. Auch das hatte sie seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht.
Ihre einzige Chance war die Grenze. Kontakt mit dem Auftraggeber aufnehmen und die Daten für ein neues Leben in Kanada eintauschen. Aber würde sie es bis dahin schaffen? Fuhr sie überhaupt in die richtige Richtung?
Erst nach Stunden hatte sie sich getraut, vom Highway abzufahren. Das Adrenalin war verflogen und sie musste sich ausruhen. Sie war eingenickt und erst aufgeschreckt, als der Sheriff ans Fenster geklopft hatte.
„Was soll ich jetzt machen? … Ich denke, wir behalten dich. Irgendwas sagt mir, dass du nicht dahin zurück willst, wo du hergekommen bist. Wo auch immer das ist ... so genau muss ich da nicht nachforschen.“
Der Sheriff machte eine Pause und ließ seinen Satz zwischen unterschwelliger Drohung und großzügigem Angebot hängen. Jetzt war er es, der Witze machte. Eve war in keiner Position, irgendetwas abzulehnen oder anzunehmen. Sie saß in Handschellen auf dem Rücksitz des Polizeiwagens. Ihre Frisur war zerstört, sie hatte von der Aufregung häßliche rote Flecken am Hals und der oberste Knopf ihrer weißen Bluse war abgerissen.
Sie sah, wie der Sheriff sie im Spiegel musterte. Dann fuhr er fort:
„Ich mag dein Gesicht. Du Passt nach Springfield. Nicht wie die braunen Schlampen, die uns die Regierung schickt. Wenn du mich fragst, ist die Rationierung eine Abzocke. Die da oben behalten das beste Material für sich und bei uns kommt nur zweite oder dritte Wahl an.“
„Ja, Sir, natürlich, Sir, eine Abzocke.“
„Du kannst helfen, den Country Club wieder auf Vordermann zu bringen. Zu viel Fluktuation da. Kaum haben wir einen Jahrgang eingearbeitet, sind sie auch schon wieder alle wegverteilt. Und außerdem haben die jungen Dinger doch von Tuten und Blasen keine Ahnung ... na ja, von Blasen vielleicht ...“
Automatisch fiel Eve in das dreckige Lachen des Sherifs ein. Als sie es merkte, wurde ihr schlecht. Ein dumpfes Gefühl der Verzweiflung überkam sie. Ihr Leben würde genauso weitergehen, wie es gestern morgen begonnen hatte, als sie das Ministerium betreten hatte.
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