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Chapter 2 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Auf der Schwelle

Am späten Vormittag war das Haus still. Die wenigen Kartons waren schnell ausgepackt gewesen. Kiste für Kiste. Ein Karton pro Raum. Kontrolle durch klare Struktur.

Lukas stand am Fenster und schaute in den Garten, ohne wirklich etwas zu sehen. Seine Aufmerksamkeit richtete sich nicht nach außen.

Er atmete ein und aus. Ein und aus. Ruhig. Gleichmäßig.

Die Anspannung war unnötig. Das wusste er. Doch sie war da. Gefühle ließen sich nur schwer kontrollieren.

Zumindest die eigenen.

Lukas schloss die Augen. Äußerlich konnte man nichts von dem erkennen, was ihn innerlich aufwühlte. Kein Zittern. Keine Aufregung. Nur Ruhe.

Ein Klopfen durchbrach die Stille.

Lukas hielt den Atem an. Niemand wusste, dass er hier war. Wenn er nicht reagierte, würde der Besucher vielleicht wieder verschwinden.

Ein zweites Klopfen, begleitet von einer weiblichen Stimme. „Lukas?“

Sie. Natürlich.

Er atmete langsam aus, ging zur Tür und öffnete.

Hannah stand vor ihm, jetzt vollständig angezogen und hübsch zurechtgemacht, aber mit diesem unangestrengten Auftreten, als wäre sie einfach so vorbeigekommen – obwohl sie ganz offensichtlich genau wusste, was sie tat.

In der einen Hand hielt sie eine Thermoskanne, in der anderen einen Teller, sorgfältig mit einem Tuch abgedeckt.

„Ich dachte mir, du hast bestimmt deine Küche noch nicht eingerichtet““, sagte sie, als wäre das die selbstverständlichste Erklärung der Welt. „Also hab ich Kaffee mitgebracht. Und…“ – sie hob den Teller leicht an – „ein bisschen was Süßes.“

Der Duft umwehte ihn.

Warm. Frisch.

Verführerisch.

Hannah machte einen Schritt nach vorne auf die Schwelle zu.

Sie war dabei, eine Grenze zu überschreiten, die alles verändern konnte.

Lukas lehnte sich in den Türrahmen. Seine Mundwinkel zuckten. Er wartete ein paar Sekunden, bis er sicher war, seine Stimme unter Kontrolle zu haben.

"Das wäre doch nicht nötig gewesen."

Sie lächelte, als hätte sie mit dieser Antwort gerechnet und wäre entschlossen, eine Zurückweisung nicht zu akzeptieren.

„Ich weiß, aber ich backe gerne.“

Sie sah ihn an. Offen. Direkt. Nicht aufdringlich – aber auch nicht bereit, einfach wieder zu gehen. Sie strahlte eine Beharrlichkeit aus, die nicht mehr ganz harmlos war.

Lukas konnte es in sich fühlen. Diese Anspannung. Nicht körperlich. Tiefer. Eine fast automatische Reaktion, die sich begann, in ihm zu formieren.

Es wäre so leicht.

Nur ein kleiner Impuls.

Sie würde sich entschuldigen, sich vielleicht sogar für ihre Aufdringlichkeit schämen, vermutlich verlegen lachen – und gehen.

Die Situation wäre geklärt. Schnell. Einfach. Sauber. Verlässlich.

Oder…

Sie würde hereinkommen. Den Teller abstellen. In Gedanken spann er weiter, wie sich alles ergeben würde. Er konnte es sehen.

Lukas zwinkerte schnell ein paarmal hintereinander und biss sich auf die Wange, um sich im Hier und Jetzt zu verankern.

Sein Blick glitt über ihr Gesicht, blieb einen Moment zu lange am Schwung ihrer Lippen hängen und wanderte dann tiefer. Das Kleid schmiegte sich an ihre Figur, ohne etwas zu verbergen. Weibliche Rundungen an all den richtigen Stellen.

Genau wie er es mochte.

Sie war so hübsch.

Ein Gedanke würde ausreichen.

Ein Schweißtropfen rann ihm kalt den Nacken hinunter. Die Welt ringsum schien den Atem anzuhalten.

Hannah rührte sich nicht. Sie wartete mit einer zur Schau gestellten Geduld, die ihn ****, eine Entscheidung zu treffen.

Er löste sich vom Türrahmen.

„Gut. Komm rein.“ Seine Stimme klang heiser.

Ihr Lächeln veränderte sich; sie hatte gewusst, dass er nachgeben würde.

Sie trat an ihm vorbei, ohne zu zögern. Streifte ihn fast. Nah genug, dass er den Duft wahrnahm. Kaffee. Süßes. Und sie.

„Du bist noch nicht wirklich weit gekommen“, stellte sie fest, während sie sich umsah auf der Suche nach einer ebenen Fläche, auf der sie den Teller abstellen konnte.

Sie fand die Küche mit einer Sicherheit, als wäre es ihr Haus. Selbstverständlich öffnete sie Schränke. Nahm zwei Tassen heraus.

„Der Möbelwagen hat wohl Verspätung?“, fragte sie über die Schulter hinweg, während sie einschenkte.

„Das ist alles. Da kommt nichts mehr.“

Sie drehte sich zu ihm um, die Thermoskanne noch in der Hand. Ihre Augen suchten seine, als wolle sie darin eine Bestätigung für seine Aussage finden.

Er hielt ihrem Blick stand. Und bemerkte dabei, wie wenig Abstand zwischen ihnen blieb, obwohl genügend Platz in der Küche gewesen wäre.

Kaffeeduft breitete sich aus.

„Hm.“ Das Geräusch, das sie von sich gab, hätte alles bedeuten können. Hannah hob die Augenbrauen, die Fältchen um ihre Augen glätteten sich.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, mit so wenig zu leben. Wie machst du das?“

Er zog es vor, nicht direkt darauf zu antworten.

„Du bist neugierig.“

Sie errötete und lachte laut auf. Der Versuch, eine Verlegenheit zu überspielen, die er längst durchschaut hatte.

Das Kleid schwang locker um ihre Beine, als sie sich umdrehte und nach dem Teller griff. Sie wirkte unbekümmert oder war eine gute Schauspielerin.

Dabei wusste sie noch gar nicht, wie dünn das Eis war, auf das sie sich begab.

Lukas wusste es genau. Es wäre so leicht, diesen Moment zu verändern.

Er kannte den Ablauf nur zu gut.

Der Impuls kam schneller diesmal, stärker.

Für einen Sekundenbruchteil war er versucht, es zuzulassen.

Er spürte, wie sich seine Wahrnehmung schärfte, wie etwas in ihm einrastete.

Seine Finger schlossen sich fester um die Tasse.

Draußen hupte ein Auto. Stimmfetzen von Passanten. Kinderlachen. Hundegebell in der Ferne.

Ganz normale Geräusche.

Eine ganz normale Welt.

Da draußen.

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