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Chapter 10 by Reyhani Reyhani

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Alm-Picknick

Der Sonntag brachte ein wenig Abwechslung in den Alltag der Alm-Bauern. Für Annika wurde es ein schöner Ausklang ihres an neuen Erfahrungen so reichen Aufenthalts. Die Bauersleute waren bereits vor dem Morgengrauen zur Messe ins Dorf aufgebrochen. Nach dem Frühstück erledigten Karl und sie die absolut notwendigen Arbeiten und machten sich dann selbst rasch auf den Weg. Es ging zum Schwaighof, wo sich die unverheirateten Mägde und Knechte zu einem Picknick trafen. Der etwa eine Stunde entfernte, große Hof wurde ganzjährig bewirtschaftet, da er etwas tiefer gelegen war.

Karl hatte sich für den Anlass herausgeputzt und trug neben seinem guten Filzhut mit der breiten Krempe einen geprägten Ledergürtel, der zusätzlich mit Silbernieten verziert war. Die Bäuerin hatte Annika einen Strohhut geliehen und ein moosgrünes Seidentuch, das sie sich um die Taille band.

Bevor sie losmarschierten, legte Karl ihr noch eine einfache, rote Schnur mit einem kleinen Eichhörnchen als Anhänger um den Hals. Die Figur hatte er selbst geschnitzt. Das sei sein Willkommens- und Abschiedsgeschenk zugleich. Annika würde sie ja in zwei Tagen schon wieder verlassen, bevor man sich überhaupt richtig kennengelernt hätte. Vielleicht würde sie so mal an ihn denken. Annika war gerührt und überlegte ****, wie sie sich für das Geschenk und die Gastfreundschaft angemessen bedanken könnte.

Als sie zum Schwaighof hinabstiegen, sahen sie schon von Weitem den Schwarm junger Leute, die sich zum Sonntagspicknick auf einer Wiese niedergelassen hatten. Hutbänder, Tücher und das eine oder andere Mieder leuchteten in allen Farben – es sah aus wie eine bunte Schmetterlingswiese. Beim Näherkommen wurde das Summen der Gespräche immer lauter, dass Annika zuletzt den Eindruck hatte, einen Bienenstock zu betreten.

Karl war hier allseits bekannt. Jeder grüßte ihn höflich aber auch zurückhaltend, denn als Veteran gehörte er nicht mehr ganz dazu. Und zusätzliche die Fremde an seiner Seite, die alle beäugten. Zu Annikas Erleichterung waren Greta und Antonia auch da und schlossen sie in die Arme. Sie quetschten Annika über jede Einzelheit ihres Aufenthalts aus und waren von nicht geringem Heimatstolz erfüllt, dass es ihr hier so gut gefiel.

„Es ist aber wirklich auch nicht schwer unser Land zu lieben“, resümierte Greta, „wenn man mit dem besten Küsser von der Alm zusammen wohnt.“

Karl, der bei ihnen stand, grinste stolz und etwas verlegen zugleich und auch Annika musste schmunzeln. Ob Greta hier aus eigener Erfahrung sprach? Oder war das ein Wink mit dem Zaunpfahl an Karl?

„Wie geht es eigentlich deinem Po, Greta?“, fragte Annika mit möglichst unschuldiger Mine.

Während Karl verständnislos dreinblickte, musste Antonia kichern. Greta selbst meinte spitz, sie habe ihre Lektion fürs erste gelernt und sei jetzt genauso keusch wie Toni.

„Aber ausgezahlt hat sich das bis jetzt noch nicht. So hübsche Verlobungsringe habe ich noch nicht geschenkt bekommen.“

Greta spielte auf Antonias roten Gürtel an, an dem vorne, hinten und an den Seiten vier goldene Ösen glänzten.

Antonia ignorierte Gretas Sticheleien und lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema, während sie sich weiter die mitgebrachten Leckerbissen teilten. Nur Annika ließ das neues Schmuckstück nicht los, das locker auf Antonias schmalen Hüften lag. Als Greta und Karl sich kurz entschuldigten, traute sie sich nachzufragen.

Antonia strahlte. „Greta hat recht, es ist tatsächlich ein Geschenk meines Verlobten, Georg. Er kann leider nicht zu mir hinaufkommen, da er seinen Eltern im Wirtshaus helfen muss. Sonntag eben ... Aber er hat mir ja den Gürtel geschickt und sie trage ihn zu besonderen Anlässen wie heute. Zum Zeichen, dass ich schon gebunden bin. Die Alm ist ja der reinste Heiratsmarkt.“

Antonias Armbewegung folgend, ließ Annika ihren Blick über die Wiese schweifen. Richtig, überall hatten sich Pärchen aus den zusammensitzenden Gruppen herausgelöst und steckten die Köpfe zusammen, um sich zu unterhalten. Auch den einen oder anderen verstohlenen Kuss konnte Annika beobachten.

„Und die wollen alle heiraten?“, fragte Annika ungläubig.

„Ach wo, viele probieren nur mal was aus, Burschen wie Madeln. Aber einige Paare finden sich tatsächlich hier und bleiben dann auch zusammen, besonders wenn sie ein Alm-Baby gemacht haben.“

Annikas Augen wurden immer größer. „Du meinst die schlafen gleich hier auf der Wiese miteinander?“

Antonia fing wieder an zu kichern. „Natürlich nicht, auf der Alm ist es doch nur zum Vergnügen. Da kann man sich ein bisschen Privatheit gönnen. Wenn der Ernst des Lebens losgeht, ist damit schon früh genug Schluss.“

Und jetzt bemerkte Annika, dass so mancher Bursche seine Freundin an der Hand von der Wiese führte, wohl um sich ein ruhiges Plätzchen zu suchen.

„Sag mal, Toni, wo sind eigentlich Greta und Karl?“, fiel Annika da ein.

„Na, wahrscheinlich zum Küssen in irgendeinem Heustadel.“

„Aber das hätten sie doch auch hier machen können.“

Antonia schmunzelte nur wissend. „Du Dummerl, du hast wohl noch nicht gehört, wofür der Karli berühmt oder auch berüchtigt ist?! Also, wie sag ich es ... der küsst dir auch die anderen Lippen.“

Antonia erklärte Annika in verschwörerischen Ton und mit gesenkter Stimme wie verrucht das sei. Das sei eigentlich nur was für Freundinnen zum Zeitvertreib. Ganz selten lasse sich ein Bursche mal auf sowas ein.

„Für einen ernst zu nehmenden Mann“, schloss sie leicht arrogant, „gibt es doch bessere Wege eine Frau zu unterwerfen. Und eine echte Frau gibt sich mit solchen Kinderspielen erst recht nicht zufrieden.“

Annika war irgendwie enttäuscht von Antonias Haltung. Ob das mit ihrer Verlobung zu tun hatte? Jetzt verstand Annika besser, warum Greta so gereizt reagiert hatte. Es war schade, denn gerne hätte sich Annika noch mit Antonia darüber unterhalten, wie Freundinnen sich hier so die Zeit miteinander vertrieben.

Annika hatte Antonia schon bei ihrer ersten Begegnung an der Jungfrauenquelle bewundert. Heute trug sie ihre langen, blonden Haare zur Feier des Tages offen und sah damit noch toller aus. Ihre makellose Haut, die festen Brüste und die langen Beine gefielen Annika mehr, als sie vor sich selbst zugeben wollte. Und dazwischen dieser elegante Schlitz, der kaum vom Schamhaar – so blond, dass es fast unsichtbar war – verdeckt wurde. Dazu trug Antonia auch noch den Gürtel. Annika hoffte nur, dieser Georg war ein anständiger Mann.

Ihr Gespräch verlief danach stockender und Annika freute sich, als Greta wieder zu ihnen stieß. Sie war quirlig wie immer und offenbar sehr zufrieden mit ihrem kleinen Intermezzo. Nur Antonia schaute vorwurfsvoll und klaubte ihrer Freundin einen trockenen Grashalm aus den kurzen Haaren. Aber das ignorierte Greta geflissentlich. Nach einer Zeit kam auch Karl wieder dazu, und drängte zum Aufbruch.

Der Rückweg war viel mühsamer, denn es ging nun ständig bergauf. Bei einer Rast hielt es Annika nicht mehr aus, sie musste mehr über Karls Verhältnis zu Greta herausfinden.

„Greta ist nett, nicht wahr?!“, fragte Annika möglichst unschuldig.

„Mmmmm.“

„Aber Antonia sieht viel besser aus. Findest du nicht auch?!“

„Kann schon sein. Aber mir gefallen die neugierigen Madln besser. Die Greta ist lustig, mit der kann man schon was anfangen.“

Jetzt wollte es Annika aber genau wissen. „Aber zum Heiraten taugt sie nicht?“

„Ach, weißt du, Annerl, ich brauch kein eigenes Weib. Ich bin viel zu gerne Knecht bei unserer Herrin. Aber ich helfe gerne, wenn mich eine fragt. Gilt auch für dich, hab ich so gemeint.“

Das Gespräch hatte Annikas Neugier eher angestachelt als befriedigt. Karl war schon ein ganz eigener Typ. Wenn sie ihn besser kennenlernen wollte, blieb ihr nur noch eine kurze Zeit. Ihre Woche hier oben auf der Alm würde bald vorbei sein.

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