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Chapter 10 by Reyhani Reyhani

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Aufbruchsstimmung

„Du bist der Nachbar von Frank, nicht?! Komm doch rein“, empfing mich Nicole an der Tür des kleinen Reihenhauses. „Hast du gestern auf der Party was vergessen?“

In ihrem flauschigen, pinken Bademantel sah sah sie mich aus verquollenen Augen an. Offensichtlich hatte sie keine Ahnung, wer ich wirklich war und warum ich vor ihr stand.

„Äh ... ich müsste mal Fabi sprechen, aber sie ist nicht ans Telefon gegangen. Da dachte ich, ich komme persönlich vorbei.“

Nicole drehte die Augen zur Decke „Versuch mal dein Glück. Sie hat sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert, nachdem sie über mich hergefallen ist. Wegen eines harmlosen Scherzes. Ich dachte, jetzt wäre sie ein bisschen lockerer. Hab ich mich wohl getäuscht.“

Ich war sprachlos über Nicoles unsensible Art. Ich setzte zu einem Monolog darüber an, wie wichtig eine eigene Privatsphäre für die Entwicklung von Kindern war. Aber da hatte sich Nicole schon umgedreht und schlurfte zurück in Richtung Wohnzimmer. Sie müsse sich dringend noch mal auf die Couch legen, Fabis Zimmer wäre oben, erste Tür rechts. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich das schon wusste.

Zögerlich trat ich ein, als ich auf mein Klopfen keine Antwort bekam. Fabi saß an ihrem Schreibtisch und beäugte mich misstrauisch.

„Schickt dich meine Frau Mutter?“, schlug sie einen ironischen Ton an. “Sag ihr, ich will nicht mit ihr reden. Ich nehme jetzt mein Leben selbst in die Hand und rechtfertige mich für gar nichts mehr.“

„Nein, ich ...“ Ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht herauszuplatzen, dass mich meine eigene Frau geschickt hatte. „... ich habe nur ihre verrückte Nachricht gelesen und wollte fragen, wie es dir geht. Das muss ein ganz schöner Schock gewesen sein. Für mich war es jedenfalls einer. Was hat sie sich nur dabei gedacht. Ich verstehe es immer noch nicht.“

Fabi zuckte nur mit den Schultern. „So ist sie halt. Ich habe beschlossen, mich ab heute nicht mehr über so was zu ärgern. Ich mache jetzt auch einfach, was ich will, und nehme keine Rücksicht mehr auf sie.

„Ich hoffe nur, du hast keinen Ärger gekriegt“, fügte sie ein wenig versöhnlicher hinzu. „Aber dein Name ist ja zum Glück auch gar nicht in der Nachricht aufgetaucht.“

Ich beschloss, mit offenen Karten zu spielen. „Das stimmt. Aber trotzdem habe ich keine Geheimnisse vor meiner Frau.“

Fabi zog einen Augenbraue hoch. „Ich wusste ja gar nicht, dass du verheiratet bist.“

„Und ich wusste nicht, dass du noch Jungfrau warst.“

Fabi runzelte ihre Stirn. Vielleicht hatte sich das doch etwas zu sehr nach einem Vorwurf angehört.

„Aber es ist auch nicht negativ aufgefallen“, schob ich schnell hinterher, worauf sich ihre Gesichtszüge entspannten.

Dann erinnerte ich mich an meine Mission. „Schau mal, Fabi, ich habe unser Erlebnis gestern sehr genossen. In jeglicher Hinsicht. Die Frage ist, was machen wir jetzt, nachdem deine Mutter es an die große Glocke gehängt hat. Wenn du etwas von mir brauchst, dann sag es ruhig. Das Gerede in den nächsten Wochen ist wahrscheinlich alleine nicht so gut auszuhalten. Aber ich kann auch einfach verschwinden. Du hast ja gesagt, dass du ein neues Leben anfangen willst. Vielleicht kannst du mich darin gar nicht gebrauchen. Dann ist es auch gut.“

Ob das erwachsen genug war? Ich hätte meine Ansprache mitschneiden sollen, falls Andrea einen Beweis wollte, dass ich mein Bestes gab.

Fabi mustere mich aufmerksam. Sie schien in ihrem Kopf mehrere Optionen abzuwägen. Welche, konnte ich beim besten Willen nicht sagen.

„Da wäre vielleicht was“, sagte sie vorsichtig, so als wäre sie noch nicht ganz sicher, ob sie mich einweihen wollte. Dann bat sie mich, am Schreibtisch Platz zu nehmen und einen Blick auf den Brief zu werfen, den sie auf ihrem Laptop schrieb. Es war die Kündigung bei der Bank. Es waren nur ein paar Kommas zu korrigieren, sonst war alles korrekt, soweit ich das beurteilen konnte. Sie meinte das mit dem neuen Leben wirklich Ernst.

Ich war ehrlich beeindruckt und fragte sie, wie es denn jetzt weiterginge. Sie würde erst mal Pause machen, ein paar alte Freunde besuchen und sich dann was überlegen. Genau darüber wollte sie mit mir auch noch sprechen. Wegen des Vertrauens war ich geschmeichelt und ich fühlte mich auch sofort verantwortlich, war ich doch nicht ganz unbeteiligt an ihrem Entschluss.

Ich war grade dabei, ihr meine uneingeschränkte Hilfe zu versichern, da wurden wir durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen.

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