Chapter 14
by
Meister U
What's next?
Maja erstarrte unter seiner Berührung
Die Hand auf ihrer Schulter war plötzlich da. Warm. Schwer. Ein Kontaktpunkt in dem Wirbelsturm ihrer Scham.
Dann sprach er. Die Worte klangen hart, unbeholfen, als würden sie gegen seinen Willen durch einen Fleischwolf gedreht.
„Duu ähr wackehr.“
Es dauerte einen Moment, bis ihr Gehirn die verstümmelten Laute entschlüsselte. Du är vacker. Du bist schön.
Die Absurdität traf sie mit voller Wucht. Hier stand sie, nackt, gedemütigt, in der grellen Realität ihrer eigenen Unzüchtigkeit, und dieser nackte Deutsche, dessen Zunge offenbar aus Granit war, versuchte ihr auf Schwedisch zu sagen, dass sie schön sei.
Ein ersticktes Schnauben entfuhr ihr. Dann ein Kichern. Es war kein hysterisches Lachen, sondern ein Blubbern der puren, unerwarteten Erleichterung. Die schreckliche Spannung in ihrem Nacken, die ihr das Atmen schwer gemacht hatte, löste sich in diesem einen, blöden, wunderbar falsch ausgesprochenen Satz.
Sie drehte den Kopf, nur ein wenig, um ihn über die Schulter anzusehen. Sein Gesicht war ernst, konzentriert, als hätte er gerade eine schwierige Gleichung gelöst. Kein spöttisches Grinsen. Kein triumphierender Blick. Nur diese seltsame, ehrliche Bemühung.
Das Lachen auf ihren Lippen erstarb zu einem leisen, zittrigen Lächeln. Die Scham war nicht weg. Aber sie wurde überlagert von etwas anderem. Etwas viel Aufregenderem.
Es war keine plumpe Anmache. Es war… eine Feststellung. Eine, die er offenbar mühsam einstudiert hatte. Für sie? Für diesen Moment?
Die Wärme seiner Hand auf ihrer Schulter schien sich auszubreiten, jagte ihr einen Schauer über den Rücken, der nichts mit Kälte zu tun hatte. Ihr Blick wanderte von seinem Gesicht hinunter zu seiner Hand, dann zu ihrem eigenen nackten Körper im grauen Morgenlicht. Plötzlich fühlte sich ihre Nacktheit nicht mehr wie eine Bloßstellung an. Sie fühlte sich… gesehen. Nicht als Objekt in einem peinlichen Missverständnis, sondern einfach als Körper. Der Körper, den er für schön befunden hatte. Mit diesen steinernen Worten.
„Tack“, hauchte sie schließlich, ihr eigenes Schwedisch klang plötzlich auch fremd auf ihrer Zunge. Danke. „Det var… det snällaste någon någonsin sagt till mig efter att ha…“ Sie brach ab, errötete wieder, aber diesmal war es ein wärmeres, weniger schmerzhaftes Rot. Das war… das Netteste, das mir jemand je gesagt hat, nachdem er…
Sie wandte sich ganz zu ihm um, immer noch nackt, aber jetzt hielt sie seinen Blick aus. Die Verlegenheit war noch da, aber sie war durchzogen von einem neuen, prickelnden Strom der Neugier. Wer war dieser Mann, der sie so brutal nehmen und dann so unbeholfen trösten konnte?
„Din uttal suger“, sagte sie, und ein echtes, wenn auch wackeliges Lächeln spielte um ihre Lippen. Deine Aussprache ist scheiße.
Ein winziges Zucken erschien um seinen Mund. Kein Lächeln. Aber eine Art von Resonanz. „Jag lär mig“, sagte er, und diesmal klang es schon ein kleines bisschen besser. Ich lerne.
Die Hand ließ ihre Schulter los, aber die Stelle, wo sie gelegen hatte, brannte weiter. Ein unsichtbares Brandmal der seltsamsten, aufregendsten und verwirrendsten Begegnung ihres Lebens. Sie bückte sich, hob ihr Kleid vom Boden auf, zog es über den Kopf. Die Bewegung fühlte sich nicht mehr wie eine Flucht an. Sie fühlte sich wie ein Neuanfang. Ein sehr, sehr seltsamer Neuanfang.
Als sie wieder aufblickte, hatte er seine Jeans angezogen und stand am Fenster, blickte hinaus. Das Bild war anders als vorher. Nicht mehr die konfrontative Nacktheit des Richters. Sondern die nachdenkliche Stille eines Komplizen in einer absurden Situation.
„Jag heter Bernd“, sagte er, ohne sich umzudrehen.
„Maja“, antwortete sie. Und irgendwie, in diesem verwirrten, aufgewühlten, lächerlichen Moment, fühlte sich dieser Austausch von Namen an wie das Einzige, was wirklich echt war in diesem ganzen verrückten Haus.
Maja stand mit dem Kleid in der Hand da, die Arme schon durch die Ärmel geschoben, als sie innehielt. Seine Worte hallten noch in ihr nach. Nicht die falsche Aussprache, nicht das Lächerliche daran. Sondern die Tatsache, dass er es überhaupt gesagt hatte. Dass er sie ansah – immer noch, immer noch mit diesem ruhigen, abschätzenden Blick – und nichts an ihr zu bereuen schien.
Sie zog das Kleid nicht weiter runter. Stattdessen zog sie es zurück und sie es fallen, bis es als kleiner Stoffhaufen auf dem Boden lag. Sie stand wieder nackt vor ihm, aber diesmal anders. Diesmal war es ihre Entscheidung. Morgenlicht umspülte jede Kurve, jede Unebenheit, jede Stelle, die er in der Nacht berührt hatte.
Er hatte sich inzwischen fertig angezogen. Jeans, Hemd, alles zugeknöpft, die Ärmel bis zu den Unterarmen hochgekrempelt. Er war vollständig bekleidet. Sie war vollständig nackt.
„Warum?“, fragte er. Kurz. Direkt.
Maja zuckte mit den Schultern, eine Bewegung, die ihre Brüste leicht zum Schwingen brachte. „Ich weiß nicht. Es fühlt sich… richtiger an. Jetzt.“ Sie suchte nach Worten. „Im Dunkeln war es… egal. Aber jetzt… jetzt will ich, dass du siehst, was du… was wir…“ Sie verstummte, verwirrt von ihrer eigenen Offenheit.
Er trat einen Schritt näher. Seine bekleidete Gestalt war ein fester, dunkler Kontrast zu ihrer blassen, nackten Verletzlichkeit. Er hob eine Hand, berührte mit den Fingerknöcheln ganz leicht ihre Wange, strich dann eine Strähne ihres wilden Haares zur Seite.
„Du bist schön“, wiederholte er, und diesmal klang das Schwedisch nicht besser, aber die Absicht dahinter war so klar, dass es keine Rolle spielte.
Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Sie spürte ihre Brustwarzen hart werden unter seinem Blick, spürte die feuchte Wärme zwischen ihren Beinen, die nicht von der vergangenen Nacht kam, sondern von diesem Moment, dieser stillen, hellen Inspektion.
„Darf ich dich ansehen?“, fragte sie leise.
Er nickte.
Sie ließ ihren Blick langsam über ihn wandern. Über das Hemd, das seine schmale Brust mit den sichtbaren Rippen noch ahnen ließ. Über die Jeans, die seine langen Beine umschloss. Über seine Hände.
Der Gedanke, dass sie hier stand, völlig nackt, während er bekleidet war, ließ ihr Blut schneller fließen. Das war eine andere Art von Macht – die Macht der vollständigen Exposition, der freiwilligen Verletzlichkeit.
Sie hob die Arme, drehte sich langsam vor ihm. Eine stille Vorführung. Sie zeigte ihm ihren Rücken, die Linie ihrer Wirbelsäule, die Rundung ihres Pos. Sie drehte sich weiter, präsentierte sich von der Seite, die Kurve ihrer Hüfte, die weiche Linie ihres Bauches. Sie hielt inne, als sie wieder vor ihm stand, die Arme sinken lassend.
Seine Augen waren dunkler geworden. Ein leichtes Heben und Senken seiner Brust verriet, dass ihre Schau nicht wirkungslos blieb.
„Du gefällst mir“, sagte sie plötzlich. Es kam aus ihr heraus, ohne Nachdenken. „Diese… Klarheit. Du versteckst nichts.“
Er trat wieder näher, so nah, dass der Stoff seines Hemdes ihre nackte Brust berührte. Ein elektrisierender Kontrast: kaltes Leinen auf heißer Haut. Er beugte den Kopf, seine Lippen streiften ihr Ohr.
„Dann zeig mir mehr“, flüsterte er. Sein Atem war warm an ihrer Stelle, die noch immer von seiner Berührung prickelte. „Zeig mir, was du willst. Jetzt. Im Licht.“
What's next?
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Der Komplize
[Bernd vögelt sich durch Stockholm | Johanna spinn-off]
Berlin liegt hinter ihm. Vor ihm: Liv. Kühl, berechnend, schwanger von ihm. Ihre Einladung nach Stockholm ist kein Neuanfang, sondern die nächste Stufe eines perfiden Spiels. Liv, die Meisterin der Inszenierung, hat das Spielfeld vorbereitet. Bernd, der stille Stratege, soll es besetzen.
Updated on Mar 19, 2026
by Meister U
Created on Jan 11, 2026
by Meister U
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