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Chapter 2 by Papas_Liebling Papas_Liebling

Hier kommen die einzelnen Geschichten

Amalia von Hohenried

Der Morgen lag still über dem alten Gut Hohenried, als Freifräulein Amalia von Hohenried am Fenster ihres Gemachs stand und hinaus auf die weiten Felder blickte. Ein zarter Nebelschleier hing über den Wiesen, und die alten Linden entlang der Zufahrt zum Hofgut bewegten ihre Zweige kaum merklich im kühlen Hauch des frühen Tages.

Amalia war eine junge Dame von einundzwanzig Jahren, schlank von Gestalt und mit einer Anmut von stiller Eleganz. Ihr hellbraunes Haar trug sie gewöhnlich in kunstvoll geflochtenen Zöpfen, wie es sich für eine Tochter aus gutem Hause geziemte. Samtene Kleider in gedeckten Farben umspielten ihre Gestalt; ihre Mutter achtete mit unerbittlicher Sorgfalt darauf, dass jeder Saum, jede Schleife und jede Geste der Tochter den Regeln einer wohlerzogenen jungen Adligen entsprach, deren Lebensaufgabe es sein würde, einen Herrn von Stand zu ehelichen und ihm viele **** zu gebären.

Doch hinter der wohlanständigen Fassade des Fräuleins regte sich in Amalias Gemüt eine Unruhe, die für eine Person ihres Geschlechts an Rebellion grenzte.

Seit ihrer Kindheit war ihr Leben ein Hort stiller Ordnung und strenger Grenzen gewesen: Unterricht durch Gouvernanten, umsorgt von Zofen und Dienstmädchen, einsame Spaziergänge im abgeschirmten Park des Gutes, die Gesellschaft ihrer Mutter und einiger betagter Tanten.

Männer? Abgesehen von alten Verwaltern, ungeschlachten Knechten oder ehrwürdigen Geistlichen – waren sie aus ihrer Welt beinahe gänzlich verbannt. Ihre Mutter, eine Frau von strenger Tugend und unerschütterlicher Vorsicht, regierte das abgelegene Landgut wie eine uneinnehmbare Festung der Anständigkeit. Und Amalia war ihre Gefangene.

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