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Chapter 4 by kokosmilch kokosmilch

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Auf der Kanzel

In der Kirche roch es nach Kerzenwachs, Weihrauch und Frömmigkeit. Die Gemeinde saß bereits in den Bänken. Vertraute Gesichter, fromme Gewohnheit, erwartungsvolle Stille. Jasmin nickte hier und da, lächelte mechanisch. In ihrem Kopf aber raste alles. Niemand darf es wissen, dachte sie. Niemand. Nicht diese Menschen, die ihr vertrauten. Nicht Gott, der sie hoch oben vom Altarbild herab anzusehen schien.

Jeder Schritt schmerzte durch den Plug in ihrem Hintern. Jeder Atemzug war mühsam durch die Verschnürung ihrer Brust.

Das Geheimnis klebte an ihr wie feuchte Kleidung. Sie trug es unter dem schwarzen Talar, dicht am Körper, unsichtbar und doch überdeutlich. Sie meinte, jeder der Gottesdienstbesucher müsse es ihr ansehen. Unter der schlichten Kutte war sie nackt bis auf Schuhe und Strümpfe. Ein dicker Analplug steckte in ihrem bis heute noch jungfräulichen Arsch. Und ein Seil band stramm und grob ihren Busen ab, so dass er steil und rund nach vorne stand und sich deutlich unter dem Stoff abzeichnete.

Die Worte der Erpressung hatten sich in ihr festgesetzt, wiederholten sich wie ein böses Gebet: Wenn du schweigst, bleibt alles beim Alten. Sie wusste, dass das eine Lüge war. Nichts blieb beim Alten nach dem, was geschehen war. Er würde sie immer in der Hand haben.

Als sie die Stufen zur Kanzel hinaufstieg, zitterten ihre Knie. Das Holz knarrte unter ihrem Gewicht, als würde es protestieren. Jedes mal, wenn sie einen Fuß hob, um den nächsten Schritt nach oben zu machen, spürte sie überdeutlich, wie sich der Fremdkörper in ihrem Hintern bewegte. In ihrem Geist formte sich das Bild, dass er sich lösen und mit lauten Geklapper hinter ihr die Stufen hinabrollen könnte. Jeder würde es sehen. Jeder würde verstehen, was vor sich ging. Bei dem Gedanken schoss ihr die Hitze ins Gesicht und im Magen wurde es flau.

Oben angekommen, legte sie die Hände an den Rand; krampfhaft hielt sie sich fest, als wäre die Kanzel ein Floß, das sie vor dem Ertrinken retten müsste. Sie atmete ein und versuchte sich an den Text zu erinnern, den sie für die Predigt vorbereitet hatte. Sie wollte über Psalm 28:7 "Der HERR ist meine Stärke und mein Schild" reden. Aber in diesem Moment schien das so falsch.

Für einen Moment glaubte sie, ihre Stimme würde versagen. Doch dann begann sie zu sprechen. Sie predigte von Wahrheit und Last, von der Dunkelheit, die Menschen mit sich trügen, und von der Versuchung zu schweigen, wenn Reden ein Geheimnis offenbaren könnte, das zu schrecklich war, als dass der Mensch es ertragen konnte. Ihre Worte klangen dabei ruhig, beinahe klar. Niemand hörte das Pochen ihres Herzens, das in ihren Ohren hallte. Niemand sah die Bilder, die sich ihr aufdrängten, die Angst, die ihr fast den Atem nahm.

Während sie sprach, klammerte sie sich an einen einzigen Gedanken: Solange sie hier stand, solange sie predigte, war das Geheimnis noch bei ihr. Noch war es sicher. Doch tief in ihr wusste sie, dass jede Predigt irgendwann endet – und dass in der Sakristei ein Schicksal auf sie wartete, das ihr alles abverlangen würde.

Hinten in der letzten Bankreihe saß der Fremde, halb im Schatten verborgen, aber sein böses Grinsen ist unverkennbar.

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