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Chapter 2
by
Meister U
Wie geht es weiter?
Die erste Stunde
Das Summen in der Klasse verstummte schlagartig, als der Direktor zusammen mit Frau Schmidt das Klassenzimmer betrat.
„Liebe Klasse “, begann der Direktor mit gellender Stimme. „Es sind mir beunruhigende Gerüchte über eine… eine Praktik zu Ohren gekommen, die sich auf unserem Schulhof ausbreitet. Diese sogenannten Sex-Armbänder.“ Ein aufgeregtes Gemurmel ging durch die Reihen. „Ruhe! Der verbreiteten Unwissenheit bei diesem unkoordinierten Treiben wird sofort ein Riegel vorgeschoben. Zur Aufklärung wird Frau Schmidt mit Ihnen nun eine… eine demonstrative Unterrichtsstunde abhalten.“
Der Direktor nickte Frau Schmidt ermutigend zu und verließ schnell den Raum. Frau Schmidt, eine rundliche Frau mit Brille und einem stets leicht verwirrten Ausdruck, räusperte sich. In ihrer Hand hielt sie zittrig einen Zettel.
„So, liebe Schüler…“, begann sie mit ihrer piepsigen Stimme. „Wie wir eben hörten, geht es heute um… ähm… Armbänder. Und wie der große Goethe schon in den ,Wahlverwandtschaften‘ schrieb: ,Gewisse Dinge wandeln sich nicht im Wesen, nur im Namen.‘ Vielleicht sollten wir also zunächst einmal…“ Sie brach ab, unsicher, wie sie fortfahren sollte. Dann schien sie einen Entschluss zu fassen. „Wir werden das gemeinsam… entzaubern. Ich bitte nun nacheinander die Mädchen, die ein solches Armband in einer bestimmten Farbe tragen, nach vorne. Und dann…“ Sie schluckte. „…wird ein Junge es ihnen… abnehmen. Und wir werden… die Konsequenz besprechen.“
Jonas warf Niklas einen bedeutungsvollen Blick zu. Niklas grinste breit. Das wurde besser als jeder Biologieunterricht.
„Fangen wir an“, sagte Frau Schmidt und zwinkerte nervös. „Gelb. Welche junge Dame trägt ein gelbes Armband?“
Zögerlich meldete sich die schüchterne Mia und ging nach vorne. Sie hatte ein dünnes, gelbes Silikonband am Handgelenk.
„Sehr gut. Und nun… ein junger Mann. Freiwillig?“
„Ich mach’s!“, rief Niklas sofort, sprang auf und riss Mias Armband mit einem schnellen Zug durch. Ratsch.
Mia zuckte zusammen.
„So“, sagte Frau Schmidt erleichtert. „Gelb bedeutet… eine Umarmung. Wie bei einer Begegnung in Stifter, Bergkristall‘, wo es heißt: Und sie umarmten sich fest.‘ Also… bitte.“
Mia und Niklas umarmten sich flüchtig und steif. Die Klasse kicherte.
„Weiter“, sagte Frau Schmidt, etwas mutiger geworden. „Lila. Für… einen Zungenkuss.“
Lena, eine selbstbewusste Brünette, schlenderte mit einem herausfordernden Lächeln nach vorne. Jonas meldete sich und riss ihr das lila Armband ab.
„Nun, bei Shakespeare heißt es: Küss mich, küss mich immerzu!‘“, zitierte Frau Schmidt hochrot.
Jonas und Lena führten einen übertrieben langen, schmatzenden Zungenkuss vor, bis die Klasse johlte und Frau Schmidt entsetzt „Danke, das genügt!“ rief.
„Äh, Rosa bitte. Für… die Brüste zeigen.“
Stille. Dann stand Jennifer auf, das Mädchen aus dem Schulhof, und ging mit einem Siegeslächeln zur Tafel.
„Niklas?“, fragte Jennifer direkt und hielt ihm ihr Handgelenk hin. Ihre Augen funkelten.
Niklas riss es sofort entzwei. Denn er konnte seinen Blick kaum von ihrem Dekolleté lassen.
„Na, da bin ich aber gespannt, was die große Literatur dazu sagt“, sagte Jennifer mit einer Stimme, die spöttisch und verführerisch zugleich war. Sie warf ihre langen blonden Haare zurück und legte die Hände in die Hüften. Ihr Lächeln war herausfordernd auf Niklas gerichtet, der wie gebannt wartete.
Frau Schmidt rang nach Worten. „Wie gesagt, in der Literatur wird dies… äh… diskret behandelt. Vielleicht sollten wir einfach zur nächsten…“
What's next?
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