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Chapter 3 by Daemony Daemony

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Der Auftrag

Dr. Simone Keller, Psychologin, Sachverständige zur Beurteilung der Diensttauglichkeit von Polizeibeamten mit traumatischen Belastungen. Martin kannte das Dossier auswendig, obwohl er es nur einmal gelesen hatte. Man verdächtigte sie, vertrauliche Informationen, die sie im Rahmen der Sitzungen von den Polizisten bekam, an eine kriminelle Organisation weiterzugeben. Martin sollte ihr bewusst Falschinformation zuspielen. Wenn diese dann im Umlauf kamen, wusste man sicher, dass Dr. Keller die Verräterin war.

Martins Gedanken wanderten vier Wochen zurück in die Vergangenheit. Natürlich wollte er den Auftrag ablehnen. Zu viele schlechte Erinnerungen kamen dabei hoch. Die Legende, die Scheinidentität, unter der er in Dr. Kellers Praxis eingeschleust werden sollte, war zu nah an seiner eigenen Vita. Als ob sie ihm auf den Leib geschrieben worden war.

Psychiater waren ein rotes Tuch für ihn seit der Reha nach seiner Schussverletzung. Einer von diesen Hirndoktoren bescheinigte, dass Martin durchdrehen könnte, wenn er erneut in eine Klemme käme. Im Gutachten klang das alles natürlich viel wissenschaftlicher und gehobener, aber das änderte nichts am Ergebnis. Innendienst kam für Martin nicht in Frage. Er war ein Mann der Straße, ein Schnüffler. Er musste den Tätern nahekommen, sie sehen und eigenhändig dingfest machen. Alles andere war für ihn keine Polizeiarbeit.

Also quittierte er den Dienst. Immerhin ließ man ihm die, wenn auch geringen Pensionsansprüche. Allerdings musste er bis zur Rente von irgendetwas leben. Was lag näher, als Privatdetektiv zu werden? Diesen Job konnte er. Damit fühlte er sich wohl.

Voller Liebe dachte er an seine Frau Karin, die ihn in der Entscheidung, sich selbständig zu machen, bestärkt hatte, trotz der finanziellen Unsicherheit, die damit einherging. Sie übernahm auch die Büroarbeiten und die Buchhaltung in seiner Ein-Mann-Detektei, neben ihrer Halbtagsstelle, die zumindest ihr ein regelmäßiges Gehalt garantierte. Seine Honorare kamen unregelmäßig und waren alles andere als üppig. Meistens waren es miese Jobs, das Überwachen von untreuen Ehepartnern und das Sammeln von Fotobeweisen. Nächte voller Thermoskannen mit starkem Kaffee und einem lichtstarken Teleobjektiv.

Dieser Undercover-Einsatz wäre da ein anderes Kaliber. Und dazu während normaler Arbeitszeiten. Trotzdem…

„Karin, diesen Auftrag kann ich nicht annehmen“, hatte er gesagt, „Du weißt warum. Ich…“

Seine Stimme erstarb.

Karin, die hinter ihm stand, legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter.

„Ich weiß. Aber wir brauchen das Geld. Tu es für uns. Für mich.“

Martin ließ den Kopf hängen. Er wusste, dass es vernünftig wäre, für die Polizei zu arbeiten. Aber er fürchtete den ****, wenn alte Wunden aufgerissen würden.

„Deine ehemaligen Kollegen haben dich nicht vergessen. Darum sind sie mit dem Angebot auch heimlich auf mich zugegangen, weil sie wussten, dass du sofort ablehnen würdest. Sag Ja. Bitte.“

Ihre Stimme klang ungewohnt drängend. Das ließ ihn hellhörig werden. Ansonsten verlangte sie nie etwas von ihm, von dem sie wusste, dass es gegen seine Überzeugungen war. Ihr gemeinsamer Kontostand musste niedriger sein, als er geahnt hatte.

Martin nickte. „In Ordnung, Schatz. Ich mach’s.“

„Danke.“

Sie drückte ihm die Schulter, eine aufmunternde, bestärkende Geste, doch auch irgendwie distanziert. Er hätte erwartet, dass sie ihn umarmte.

Vermutlich steht sie unter Stress. Kein Wunder. Sie hält mir die ganze Zeit den Rücken frei und hat zusätzlich auch noch ihren eigenen Beruf. Sie sorgt sich um uns. Das Mindeste, was ich tun kann, ist, diesen Job zu erledigen.

Martin **** seine Aufmerksamkeit zurück in die Gegenwart.

Simones Gesicht war dem seinen ganz nah. Er spürte ihre Wärme auf seinen Wangen. Ihr süßer Atem kitzelte seine Lippen.

Es wäre so einfach. Ein Kuss. Eine Umarmung. Im vermeintlichen Liebesgeflüster die falschen Fährten legen. Falle schnappt zu. Auftrag erledigt.

Doch er zögerte. Betrüge ich damit Karin? Ist es Untreue, wenn ich eine Frau küsse, um mit dem Honorar, dass ich dafür bekomme, unseren Familienunterhalt zu sichern?

Ich muss es tun. Karin wird es verstehen, überzeugte er sich selbst. Und im selben Augenblick wusste er schon, dass es nicht bei einem Kuss bleiben würde.

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