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Chapter 4 by Meister U Meister U

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Café 'La Cigale'

Der Rest des Tages verging wie in Nebel. Lena stand vor ihrem Kleiderschrank, als hinge ihr Leben von dieser Wahl ab. Sie entschied sich für ein dunkelgraues Kleid – schlicht, doch es schmiegte sich an ihre Figur, als verriete es mehr, als sie wollte. Kein berufliches Statement mehr, sondern ein Eingeständnis. Sie **** sich zur Ruhe. Es ist nur ein Geschäftstreffen, redete sie sich ein. Aber die Szenen aus Symbiosis flackerten wie Brandmale hinter ihren Lidern.

Das Café La Cigale dufte es herrlich. Samtene Sessel, gedämpftes Licht. Ein Ort, der Vertraulichkeit einatmete. Lena war zu früh. Sie bestellte Tee, klammerte sich an die Tasse wie an einen Anker und starrte doch unaufhörlich zur Tür. Jedes Klingeln ließ sie zusammenzucken.

Wer wird eintreten? Ein ganz normaler Autor? Oder das Schattenwesen ihrer Fantasie? Vielleicht gar eine Frau?

Dann öffnete sich die Tür, und sie wusste sofort: Er war es. Kein Suchen, kein Zögern – er kam, als hätte er den Raum schon lange gekannt. Groß, dunkelhaarig, ein schlichtes Hemd über breiten Schultern. Und diese Augen: nicht einfach grau, sondern das ruhige, drohende Grau eines aufziehenden Gewitters. Ein schiefes Lächeln spielte um seine Lippen, als gehöre ihr Erschrecken längst ihm.

„Lena.“ Seine Stimme – tief, dunkel, vibrierend – ließ ihre Haut prickeln. „Ich wusste, dass Sie hier sein würden. Ich bin Tom.“

In diesem Moment, unter seinem durchdringenden Blick, erkannte sie zwei Dinge mit schmerzhafter Klarheit: Dies war der gefährlichste Augenblick ihres Lebens. Und sie wollte sich ihm hingeben.

Tom lächelte wie ein Jäger, der das Wild längst sicher wähnte. Er setzte sich, bestellte nichts, lehnte sich nur zurück und sah sie an – als müsse er sie nicht kennenlernen, sondern nur lesen.

„Und?“ fragte er schließlich. „Hat Sie die Geschichte verstört?“

Seine Direktheit traf sie wie ein Schlag. „Sie ist … intensiv“, erwiderte sie, ihre Lektorinnen-Stimme ein hastig errichtetes Schild. „Die psychologische Tiefe ist ungewöhnlich. Beinahe unheimlich.“

Er lachte leise, ohne Freude. „Alles, was ich schreibe, ist Wahrheit. Nur manchmal verkleidet als Lüge.“ Sein Blick glitt von ihren Augen zu ihren Lippen, hinab zu den Fingern, die sich krampfhaft um die Teetasse klammerten. „Dieses Kleid – Sie haben es gewählt, um Ihre Erregung zu verbergen. Aber es verrät sie. Es macht sie nur … edler.“

Lena spürte, wie Hitze in Wellen durch ihren Körper rollte. Scham und Lust, untrennbar verschlungen. Er hatte sie durchschaut. Dieses Gespräch war keine Verhandlung mehr über Literatur. Es war ein Duell – und er las jede ihrer Bewegungen, noch bevor sie sie selbst kannte.

Draußen prasselte Regen, verdunkelte die Scheiben, löschte die Welt. Tom sprach ruhig, als sei die Entscheidung längst gefallen. „Meine Hütte. Eine Stunde von hier, im Wald. Absolute Stille. Keine Ablenkungen. Wir können über das Finale des Manuskripts sprechen. Das Ende ist immer das Schwierigste. Finden Sie nicht?“

Jede Faser ihres rationalen Ichs schrie Nein. Sie hatte gelesen, was da passieren würde. Doch die andere Stimme – die, die er geweckt hatte – wisperte unaufhörlich Ja. Und so hörte sie sich selbst antworten, kaum mehr Herrin ihrer Zunge:

„Ja. Das Ende ist entscheidend.“

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