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Chapter 6 by kokosmilch kokosmilch

What's next?

Unglück oder Glücksfall?

Noch ehe Julia sich entscheiden konnte, ging eine Tür in der gegenüberliegenden Wand des Flurs auf.

"Ah, da bist du ja. Wie lange soll ich denn noch warten?"

Ein großer, breitschultriger Mann griff nach ihrem Handgelenk und zog sie in den Raum zu sich. Der Akzent in seiner ungeduldig klingenden Stimme, sein schwarzer Dreitagebart und die dunkle Färbung seiner Haut - viel Haut, denn er hatte nur ein schmales Handtuch um die Hüften geschlungen - wiesen darauf hin, dass er aus Südosteuropa stammte.

Julia stolperte auf ihn zu.

"Halt! Sie verw...", wollte sie protestieren. Doch die Worte bleiben ihr im Hals stecken, als der Fremde das Handtuch fallen ließ. Ihre Augen schnappten sofort dorthin, wo sein Ding baumelte, das sie sich in dieser gewaltigen Größe bisher nicht hatte vorstellen können. Wow.

Er legte sich bäuchlings auf die Liege, die mitten im Raum stand.

"Nun mach schon! Ich habe für eine ganze Stunde gezahlt und will den vollen Service."

Hastig ließ Julia Stift und Block hinter ihrem Rücken verschwinden. Der Mann schien sie für eine Angestellte des Salons zu halten. Vielleicht war dieser Irrtum ja gar kein Unglück, sondern ein außerordentlicher Glücksfall? Wenn sie einen Kunden quasi inkognito befragen konnte, dann wäre das noch viel authentischer, als wenn sie als Reporterin auftrat. Sie könnte Aussagen und Eindrücke direkt und ungefiltert sammeln; aus erster Hand sozusagen.

"Entschuldigen Sie die Verzögerung. Ich fange sofort an. Was genau kann ich für Sie tun?"

"Stell dich nicht so blöd an. Full Service, so wie gebucht natürlich", knurrte er.

"Ja, natürlich."

Julia schluckte eine scharfe Antwort herunter. Sie musste in ihrer Rolle bleiben und durfte den Kunden nicht zusätzlich verärgern. Aber in ihrem Bericht würde sie ganz bestimmt darauf eingehen, wie herablassend die Masseusen behandelt wurden. Ein wenig Sozialkritik in den Artikel einzubauen, würde zu Diskussionen führen und die Aufmerksamkeit steigern. So könnte sie sich schnell einen Namen machen und vielleicht bald bei einem renommierteren Blatt anheuern.

Rasch orientierte sie sich mit den Augen im Raum. Auf einem Regal aus hellem Bambus standen mehrere Fläschchen mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten. Das mussten die Massageöle sein. Sie schnappte sich eines davon zufällig und goss eine großzügige Menge des Öls in ihre Hand. Während es sich langsam erwärmte, erfüllte sein intensiver Duft nach Jasmin und Moschus die Luft. Julia atmete tief ein.

Sie legte ihre Hände auf den breiten Rücken des Gasts und fing an, die Flüssigkeit zu verreiben. Beeindruckt erfühlte sie die kräftigen Muskeln unter der Haut. Auch ein paar verhärtete Stellen bemerkte sie und bearbeitete diese intensiver.

Als sich ihr Klient unter der Behandlung zu entspannen schien, wagte sie eine erste Frage.

"Sind Sie zum ersten Mal in einem Massagesalon?"

"Bist du zum Quatschen hier oder zum Massieren?", motzte er und drehte sich auf den Rücken.

Julia blieb bei dem Anblick der Mund offen stehen.

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