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Chapter 2 by SecretLab SecretLab

Traut sich Johanna, in den Laden zu gehen?

Das Mädchen startet einen neuen Anlauf in neuem Styling

Natürlich traute sich die brave Brillenschlange mit ihrem langweiligen Pagenschnitt NICHT in den Laden, kehrte unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück, wo sie sich in ihr Zimmer verkroch. Sie flüchtete sich mit ihren Gedanken in einen Fantasy-Liebesroman. Darin wurde eine einfache Bauernmagd von hilfreichen Feen in eine sexy Frau umgestylt, um den Prinzen erobern zu können. Was für eine banale Geschichte. Doch etwas in ihr schien Gefallen an dieser Idee zu finden.

Eine Woche später, wieder in der Stadt. Die Sonne schien und ließ das Herbstlaub in den Alleen rotgolden leuchten. Eine völlig veränderte Johanna lief die Straße entlang.

Sie hatte sich beim City-Friseur einen etwas flippigeren Look verpassen lassen (inklusive einiger pinker Strähnchen) und sie trug Lippenstift, schwarzlackierte Fingernägel, ja sogar etwas Eyeliner. Ihre ältere Cousine hat ihr zum Glück etwas geholfen, sich herauszuputzen. Die Brille hatte sie einfach durch Kontaktlinsen ersetzt, die schon längerem unbenutzt in der Schublade lagen.

„Wird endlich mal Zeit, dass du dich in eine hübsche Frau verwandelst!“, war der wohlgemeinte Kommentar ihrer Cousine dazu. Johanna bewunderte sich selbst im Spiegel, konnte nicht glauben, dass sie das war. Wie wunderschön und sexy! Sie hatte sich von einem hässlichen Entlein in einen sexy Schwan verwandelt, fast wie im Märchen.

Heute hatte sie sich dazu spontan noch eine knallenge weiße Jeans gekauft, in den sie ihren runden, leicht ausladenden Hintern gleich hineingepresst hatte. Dazu ein durchscheinendes, fast schon transparentes Top, durch den ihr schwarzer BH durchschimmerte. Es hatte sie all ihren Mut gekostet, das Teil zu kaufen und auch noch anzuziehen. Alle in den Straßen schienen auf ihre üppigen C-Körbchen zu glotzen, was sie zum Erröten brachte. Das dünne Westchen ließ sie absichtlich offen, obwohl es sie etwas fröstelte.

Irgendwie war es erregend, mal von anderen auf diese aufregende Art und Weise angegafft zu werden. Nicht nur die Vorzeigestreberin zu sein. Von ihrem kribbeligen Schoß stieß Wärme nach oben, die sie etwas über das kühle Herbstwetter hinwegtröstete.

Nun wurde es spannend: hat sie sich erfolgreich in den sexy Vamp verwandelt, der es wert war, eingeladen zu werden in den ominösen „weißen Salon von Madeleine“? Johanna ging es gar nicht mehr nur um die rote Gummiwäsche, nein sie wollte es einfach nur für sich selbst wissen. Einfach etwas Selbstbestätigung für ein Mauerblümchen. War sie denn nicht auch eine hübsche junge Frau, die von anderen auch als das wahrgenommen werden sollte?

Erneut stellte sie sich demonstrativ vor das Schaufenster mit dem roten Gummischatz. Die Tür zum Laden stand offen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schlenderte sie vorbei, um gesehen zu werden. Nichts passierte. Oh Mann! Sie wartete an einer Straßenecke fast schon dämlich ein paar Minuten, dann erneut zurück, an der Türe vorbei. Nichts. Schien wohl heute nicht ihr Glückstag zu sein. Naja, jeder darf mal von was träumen. Also zurück zu ihren Büchern, die ihr plötzlich langweilig und trist erschienen.

Gerade als sie am Gehen war, hörte sie die Frauenstimme hinter sich, die in ihre Richtung rief.

„Hey Hübsche! Warum gehst du weg?“ Wie elektrisiert blieb Johanna stehen. Es hatte funktioniert! Sie fühlte sich plötzlich - nur nach diesen schier magischen Worten - wie ein neuer Mensch. Losgelöst von allem kindlichen und braven zuvor.

Sie drehte sich um, versuchte dabei möglichst elegant rüberzukommen.

Die rothaarige ältere Dame funkelte sie geradezu an. „Gibst du etwa schon auf? Meinst du, ich hätte nicht bemerkt, wie du schon seit Wochen um das Schaufenster herumschleichst? Du kleine süße Maus!“ Dann ging die Ladenbesitzerin wieder hinein, verschwand ohne ein weiteres Wort.

Nun stand Johanna ratlos da, mitten auf der Straße, mutterseelenallein.

Traut sie sich jetzt in den Laden hinein oder wird sie wieder das Weite suchen?

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