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Chapter 4
by
Mercadus
What's next?
Wackelige Sicht
Die Brille beschlug sofort, als Michelle in das überfüllte Zugabteil stieg – Hitze, Menschen, Bieratem. Alles ein einziger verschwommener Dunst aus Stimmen, die sich wie Rauchschwaden durch ihre Ohren drängten. Das Glas vor ihren Augen: ein beschmierter Spiegel. Ihre Welt: weichgezeichnet.
Sie hielt sich an der Stange fest. Ihre Finger fanden sofort einen klebrigen Fleck. Unidentifizierbar. Vielleicht Cola. Vielleicht Körperflüssigkeit.
Neben ihr gröhlte ein Mann in Vereinsfarben irgendwas über Abseits. Noch einer trug ein Megafon, aber der nutzte einfach seine Lunge. Michelle sah nur Silhouetten. Farbkleckse. Geräusch in Bewegung. Alles zu nah. Alles zu laut.
Sie blinzelte. Wieder. Nur ein paar Umrisse. Kappen, Bärte, Schweiß. Der Zug roch nach Maskulinität und Frust, und Michelle fühlte sich wie ein Fremdkörper aus Glas – leicht zu übersehen, leicht zu zerbrechen.
Einer der Fans rempelte sie an. Entschuldigte sich nicht. Grinste vielleicht. Oder fletschte die Zähne. Schwer zu sagen. Seine Stimme war ein raues „Na, Prinzessin?“ in ihr Ohr. Sie fühlte Hände und Arme überall. Ein Fuß drängte sich zwischen ihre Sneaker. Dann das Knie, dicht. unbekannt.
Dann war’s wieder weg. Schleier drüber. Schleier bleibt.
Sie stand still. Die Menge bewegte sich, vibrierte, lebte wie ein einziges, verschwitztes Tier. Und Michelle war drin. Gefangen. Unsichtbar. Und doch mitten im Blickfeld. Von hinten etwas Hartes an ihrem Po. Etwas bewegte sich wie eine große Spinne an ihrem Oberschenkel aufwärts unter den Saum ihres kurzen Rocks aus alten Hippie Stoffresten, bequem und niedlich. Blumen im Wind. Sie konnte kaum atmen in dieser Enge. Jeder Kontakt übergriffig, beabsichtigt, geplant.
Sie hätte schreien können, hätte sich wehren können. Aber irgendwas in ihr mochte dieses Gefühl. Dieses Gesehenwerden, ohne zu sehen. Dieses Wissen, dass man sie musterte wie ein Schaufenster – und sie nicht zurückstarren konnte.
Ein Fan gröhlte ein Lied direkt hinter ihr. Seine Stimme vibrierte an ihrer Wirbelsäule. Ein Finger kroch in den Saum ihres Slips, oder war es ein irrer Streich, gespielt allein in ihrem Kopf. Ihre Knie fühlten sich weich an. Nicht vor Angst. Nicht ganz. Eine große Hand auf ihrer Hüfte, eine unter dem leichten selbstgemachten Häckeltop, mit großen Maschen, die ihre frechen Brustwarzen genug bedeckten um nicht nackt zu sein. Jetzt bohrten sich die kleinen Nippel durchs Gran, rieben sich an einem Arm oder war es ein wasimmeresseinkönnte
Sie lächelte. Ganz leicht. Kein Grund. Nur Reflex. Die verschwommenen Gestalten, dieses unerreichbare Scharfstellen der Augen.
Und irgendwo zwischen Rausch und Restlicht schien es ihr, als würde die Brille endlich das zeigen, was wirklich war
What's next?
6 Optische Täuschung
Michelle bekommt eine neue Brille
Die neue Brille war wie ein Filter aus Vaseline und Panik. Michelle blinzelte. Wieder. Nichts wurde schärfer. Nur die Ahnung von Rändern, die sich bewegten wie Schatten mit Absicht. „Das braucht ein bisschen Gewöhnung“, sagte Thomas
Updated on Aug 12, 2025
by Mercadus
Created on Apr 30, 2025
by Mercadus
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