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Chapter 3 by Meister U Meister U

What's next?

Die Auktion

Das Rouge auf meinen Lippen brennt wie ein Versprechen, das ich nicht aussprechen darf. Mein rotes Seidenkleid schmiegt sich enger als jede zweite Haut, während ich mich zwischen den Smaragdlichtern des Stadtsaals auflöse. Niemand bemerkt mich hier, am Rand der schimmernden Menge. Niemand erkennt die Frau, die sonst lächelnd über Konferenztische hinweg Kompromisse zerschmettert, Doch das rede ich mir gerade nur ein. Natürlich kennt mich jeder in der Stadt. Deswegen das Pseudonym.

Auf der Bühne strahlt Sue. „Nächste Lot: Die schwarze Perle“, verkündet ihre Stimme, metallisch durch die Mikrofone gezähmt. Meine Fingernägel graben sich in die Satinhandtasche. Irgendwo in diesem Saal liegt mein zukünftiger Atem, versteckt hinter den Gesichtern der Männer, die jetzt aufstehen müssen, um zu bieten.

Erster. Mittvierziger, Grauhaar in Maßanzug. „Fünfhundert.“ Zu sicher. Zu satt. Ich beiße mir auf die Unterlippe, als Sues Lachen ihn wegwischt. „Fünfhundert für eine Perle? Wir wissen beide, was sie wirklich wert ist.“

Gelächter. Dann Stille.

Ein zweiter erhebt sich – ****, trainierte Schultern unter dem Hemd. „Zweitausend.“ Seine Augen glitzern wie ein Messer, das sich schon im Ziel wähnt. Doch dann, von links, eine Hand, die sich ohne Eile hebt.

„Fünftausend.“

Die Stimme zerschneidet den Raum. Dunkel. Rauchig. Ich spüre sie im Nacken, lange bevor ich ihn sehe: hochgewachsen, schmale Hüften in einem Anzug, der nicht leuchtet, sondern frißt. Sein Profil ist scharf wie ein Schattenriss, als er sich zu den Bietern dreht. „Zehntausend.“ Kein Zögern.

Das Publikum atmet aus. Sue klopft mit dem Hammer. Einmal. Zweimal.

„Zehntausend an Herrn…?“

„Reznik.“

Sein Name fällt wie ein Stein in Wasser. Ich zähle die Sekunden, bis er sich umdreht. Bis seine Augen mich finden, obwohl ich doch unsichtbar sein sollte. Aber er sieht. Ich spüre es im Knistern der Luft, im plötzlichen Zucken meiner Oberschenkel.

Als ich zum Ausgang schwebe, bleibt der Duft meines Parfüms wie ein Pfand zurück. Er wird wissen, wo er mich findet. Er wird die Spur verfolgen.

Und ich… ich zittere nicht. Nicht wirklich.

Denn das hier ist das Spiel, oder?

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