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Chapter 90 by gha93 gha93

What's next?

Verdammt beschissenes Timing

Frau Müller:

Wütend folgte ich Jennifer und ihrem Freund ins Haus.

Die Worte dieses unverschämten Jungen halten mir noch immer durch den Kopf.

War das zu fassen?! Er hatte mir tatsächlich gesagt, ich solle die Klappe halten.

Am liebsten hätte ich ihn gepackt und laut gefragt, was ihm einfiel, so mit mir zu reden ...

Aber irgendwas hielt mich davon ab.

Vermutlich meine Selbstbeherrschung.

Wahrscheinlich war es sowieso besser zu warten, bis wir drinnen waren. Ich wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregen.

Nicht, dass die Nachbarn noch anfingen zu tratschen.

Aber trotzdem ... Was dachte sich dieser Junge nur?!

So mit mir zu reden.

Pia ließ ihren Kindern und deren Partnern viel zu viel durchgehen.

Kein Wunder, dass mein armer Felix durch die ... Sachen, die sie gemacht hatten, verwirrt war...

Zum Glück hatte ich ihn mitgenommen.

Ich hatte ihm zwar schon ausführlich erklärt, wie abstoßend und verwerflich sein Verhalten gewesen war, aber zu hören, wie die beiden für ihre Taten ihr Fett wegbekamen, würde das Ganze sicher noch vertiefen.

Und wenn dann Pia davon erfuhr ...

Ich begann zu grinsen.


Als ich ins Wohnzimmer kam, saß Jennifers Freund - seinen Namen wusste ich nicht - wie ein kleiner Pascha breitbeinig auf dem Sofa.

Er trug noch immer nur Boxershorts.

Einfach unglaublich.

Neben ihm saß Jennifer.

Er hatte seinen Arm um sie gelegt und streichelte zärtlich ihre nackten Beine.

Ich betete zu Gott, dass das Mädchen unter dem T-Shirt etwas anhatte.

"Sie sind also Frau Müller ...", stellte Jennifers Freund fest.
"Ja", antwortete ich knapp und warf ihm einen herablassenden Blick zu.

Das schien ihn nicht zu beeindrucken.

"Als erstes möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Tom und ich bin, wie Sie bereits wissen, Jennifers Freund. Wir hatten zwar noch nicht das Vergnügen uns persönlich kennenzulernen, aber ich habe schon viel von Ihnen gehört. Leider wenig Erfreuliches."

Bitte was?!

"Außerdem muss ich mich bei Ihnen entschuldigen. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass ihr Mann und nicht ihr Sohn unser heimlicher Beobachter ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden."

Ich schaute ihn verdutzt an.

Hatte er das gerade wirklich gesagt?

Ich holte tief Luft, um diesen kleinen Mistkerl endlich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, als er mich unterbrach.

"Pscht. Ich sehe, Sie sind aufgeregt. Sie werden später noch genug Zeit haben mich zu verfluchen. Aber jetzt möchte ich erst einmal reden. Also bleiben Sie beim Thema."

Ich schnaubte vor Wut. Aber er hatte recht.

Ein Thema nach dem anderen.

"Wie heißt du eigentlich mit Vornamen?"
"Ich wüsste nicht, dass ich dir das Du angeboten hätte! Für dich bin ich immer noch Frau Müller", wies ich Tom zurecht.

Er schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen.

"Du sagst mir jetzt deinen Vornamen und akzeptierst, dass ich dich duze."

Ich seufzte.

Von mir aus. Dann duzte er mich eben.

"Mein Name ist Xenia."
"Schön dich kennenzulernen, Xenia", sagte Tom mit einem selbstgefälligen Lächeln, für das ich ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben hätte.
"Und dein Sohn heißt ...?"
"Felix", fiel mir Jennifer ins Wort. "Er geht auf dieselbe Schule wie Ben."

Während Tom nachdenklich nickte, sah ich zu Felix, der in der Tür zum Wohnzimmer stand und mich verwirrt ansah.

Ich konnte ihn verstehen. Irgendetwas an diesem Gespräch war merkwürdig.

Warum waren wir überhaupt hier?

Ich wollte doch mit Pia reden ... und dann ...

"Also ...", begann Tom. "Wahrscheinlich fragt ihr euch, warum ihr hier seid."

Felix nickte.

"Die Antwort ist: Verdammt beschissenes Timing."

Ich verdrehte die Augen und seufzte.

Diese Ausdrucksweise.

"Was meinst du damit?", fragte ich genervt.
"Ich meine damit, dass ich Kräfte habe ..."
"Kräfte?", unterbrach ich ihn spöttisch.
"Ja, Kräfte ... Ich kann Menschen dazu bringen, Dinge zu tun."

Ich schnaubte skeptisch, doch Tom sprach unbeirrt weiter.

"Dinge, die sie sonst nie tun würden ... Und bisher habe ich mich damit einigermaßen ... okay ... etwas ... zurückgehalten."

Der Kerl war doch verrückt.

"Aber gerade als Jennifer mir gesagt hat, dass sie gar nicht will, dass ich mich zurückhalte. Dass sie will, dass ich mich austobe und meine Kräfte öfter und rücksichtsloser einsetze. Dass es ihr gefällt, wenn ich das tue ..."

Ich verdrehte die Augen.

"Genau in dem Moment, als wir das feiern wollten ... tauchst du hier mit deinem Sohn auf und behandelst meine Freundin wie Dreck.

Wie gesagt: Verdammt beschissenes Timing."

Ich schüttelte den Kopf.

"Willst du etwas zu deiner Verteidigung sagen?"

Das war doch nicht sein Ernst ... Verteidigung?

"Hast du noch alle Tassen im Schrank?! Dinge tun lassen?! Sag mal spinnst du?! Was soll der Blödsinn?! Hältst du uns für dumm?!", fuhr ich Tom wütend an.
"M... Mama!", rief Felix beschwichtigend und kam einen Schritt näher.
"Was ist los?", fauchte ich ihn an und er blieb stehen.
"Irgendwas hier ist komisch ... Du bist komisch ... Was machen wir hier? Du wolltest doch mit Jennifers Mutter reden. Siehst du sie hier irgendwo?"
"N... nein, ich ..."
"Warum sind wir dann hier?"

Ja, warum eigentlich?

Ich wusste es nicht.

"W... weil ich es wollte!", schnaubte ich Felix schließlich genervt an. "Du glaubst dem Kerl doch nicht etwa. Das ist doch alles Quatsch!"
"Ist das so?", fragte Tom grinsend.
"Ja!", fauchte ich ihn an. "Ich wollte reinkommen, damit nicht die halbe Nachbarschaft mitbekommt, was ihr hier treibt. Schlimm genug, dass mein armer Junge das mit ansehen musste ..."
"Du glaubst also nicht, dass ich dich zu etwas bringen kann, dass du nicht willst?"
"Nein. Natürlich nicht."

Tom beugte sich vor und begann zu grinsen.

"Okay Wenn du das sagst ... Küss deinen Sohn."

Ich drehte mich zu Felix um und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

Mein Sohn sah mit entgeistert an.

"Warum ...?", stammelte ich, bevor ich mich wieder zusammenreißen konnte. "Das beweist gar nichts."

Tom seufzte.

"Wenn du das sagst ... Dann küss ihn so, wie du deinen Mann küssen würdest, wenn du es mal wieder ganz ... dringend ... von ihm brauchst."

Das war doch lächerlich. Ich ...

Ich sah gerade noch, wie Felix mich erschrocken ansah.

Im nächsten Augenblick hatte ich mich schon auf ihn geworfen. Die Wucht des Aufpralls hatte ihn gegen die Wand geschleudert und ein Bilderrahmen war zu Boden gefallen.

Ich hatte es nur scheppern gehört und nicht weiter darauf geachtet.

Zu sehr war ich damit beschäftigt, meinem Sohn - meinem braven Jungen - die Zunge in den Rachen zu schieben.

Ich konnte einfach nicht aufhören. Es war so ... so ...

"Stopp!"

Und dann war es so schnell vorbei, wie es gekommen war.

Ich wich einen Schritt von Felix zurück, der mich mit großen Augen ansah.

Seine Haare waren zerzaust und seine Brille hing nur noch an einem Ohr.

Was hatte ich getan?!

"Es ... es ... es tut mir so leid! I... ich wollte das nicht", versuchte ich mich zu entschuldigen.

Felix rührte sich nicht.

"Glaubst du mir jetzt?", fragte Tom.

Glauben?

Dass er mich Dinge tun lassen konnte?

Das konnte nicht sein.

Das war unmöglich.

So etwas gab es nicht.

Aber ... aber ... aber irgendwie war es trotzdem passiert.

Langsam drehte ich mich zu Tom um.

"Also ...?"

Ich wusste nicht, was schlimmer war. Sein Grinsen oder der erwartungsvolle Blick in Jennifers Gesicht.

"I... ich ... glaube dir."

Toms Grinsen wurde breiter.

"Gut. Dann sei so lieb und halt die Klappe, während ich mit deinem Sohn spreche."

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