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Gemeinsam gegen den Namenlosen

Chapter 105 by Geilspecht99 Geilspecht99

“Ihr habt euch ja schon kennengelernt, wie ich sehe. Ich bin Siegfried, das ist mein Freund Joachim. Wir kommen von Judas, der dir den Brief geschrieben hat und du bist der, der angeblich Namenlose erkennen kann!”, sagte Sieghart und reichte Orgiastis die Hand.
Orgiastis sah ihm in die Augen und erwiderte:

“Ich bin hoch erfreut, aber ihr lügt nicht gut genug, um mich zu täuschen”, sagte er und sah ihn prüfend an. James spielte natürlich mit und sie versuchten sich nichts anmerken zu lassen. Doch der Alte durchschaute Siegharts Manöver.

“Wahrscheinlich sind eure falschen Namen nur ein Test”, sagte er und Siegharts Reaktion gab ihm recht. Grinsend fuhr er fort:
“Ich kanns verstehen, ich würde mir auch nicht glauben!” Sein Gesichtsausdruck ließ immer wieder Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit aufkommen.
James musste sich beherrschen, um seine Neugier nicht zu zeigen und selbst nachzufragen.

“Wo wir gerade dabei sind, der Tote war ziemlich sicher ein Namenloser und habt ihr vielleicht einen Schluck Wein, für einen armen Sünder!”

Sieghart wandte sich an James:
“Unser alter Freund hier kann angeblich Namenlose erkennen und er wird uns sicher gerne verraten, wie er das macht!”
Orgiastis nickte eifrig, Sieghart fuhr fort:
“Nur schade, dass du den da umgebracht hast, wie wollen wir jetzt herausbekommen, ob unser Freund das wirklich kann?” Sieghart war enttäuscht.

“Danke, dass du mir mal wieder das Leben gerettet hast und ja, ich glaube ihm!”, antwortete James, den Schalk im Nacken sitzend.
“Wieso bitte schön glaubst du ihm”, konterte Sieghart genervt.
“Zum einen lass ich mich auch nicht leicht belügen, er spricht die Wahrheit, während du mir nichts von unserem Auftrag erzählt hast!”
“Du hast mir die ganze Fahrt die Ohren vollgeheult, ich hatte ja keine Gelegenheit dir etwas zu sagen!”
“Wie ein altes Ehepaar”, feixte Orgiastis, der nun das Popcorn rausgeholt und mit Rotwein runtergespült hätte, wenn er denn beides besessen hätte.

Das ging noch ne Weile so dahin, bis schließlich auch Sieghart grinsen musste.

“Orgiastis hat recht, der Tote war ein Namenloser. Ich habe ihn auf der Party der Gräfin gesehen”, James wirkte sehr überzeugt.
“Und das erzählst du mir nicht, damit er dann deine Vögtin freispricht?” fragte Sieghart skeptisch.
“Dagobert hat ihn gestern Nacht für mich gezeichnet!”
“Kein Scheiß?”, fragte Sieghart nun erwartungsvoll.
“Kein Scheiß", antwortete James immer noch lächelnd.
Sieghart war zwar kein Empath, aber auch er hatte seine Talente, darum verschwendete er jetzt keinen Gedanken daran, in James' Gesicht nach einer Lüge zu suchen. Stattdessen achtete er auf Orgiastis der dann zustimmend nickte.

Sie verstauten die Leiche im Wagen und machten sich sogleich auf den Rückweg zu Theodan.

Orgiastis schnarchte friedlich vor sich hin, James entschuldigte sich für sein Benehmen bei der Anreise. Sieghart relativierte, er konnte verstehen, dass James es gerade besonders schwer hatte. James gestand Sieghart, dass das nur geschehen konnte, weil er in ihm einen echten Freund sah, sonst hätte er sich das nie erlaubt. Sie versöhnten sich und beschlossen, sich heute gemeinsam der alten Zeiten willen zu betrinken und ihre Freundschaft zu zelebrieren.
So kam es dann auch; Sieghart und James wurden wirklich beste Freunde, auch wenn sie sich in den nächsten Monaten nur selten sahen.

Orgiastis erwies sich als äußerst hilfreich, wenn es darum ging, Namenlose zu entdecken, ihm genügte es, kurz mit ihnen zu sprechen, oder sie ein wenig beobachten zu können. Nach drei Wochen im Einsatz hatte er eine 100-prozentige Quote und war ein wesentlicher Eckpfeiler für den Fortschritt der Mission. Der Geheimdienst hielt sich in der Folge nicht mehr damit auf, Orgiastis Meinung zu prüfen, sondern betrachtete sie in der Regel als dem Urteil einer heiligen Liturgie gleichwertig und handelte dementsprechend.

Aber auch die Fünfe waren durchaus erfolgreich, sie durften zwar die Gräfin und ihren inneren Zirkel wegen ihrer zentralen Rolle noch nicht eliminieren, aber in einigen Städten verschwanden die Namenlosen Kulte, darunter einige Prominente über Nacht spurlos. James schaffte es dann auch Theodan mit Siegharts Hilfe dazuzubringen, Orgiastis ein paar Tage nach Glimmerwein zu schicken.

Orgiastis war dann überzeugt davon, dass Vicki keine echte Namenlose war, sondern von der Gräfin in den Kult gezwungen wurde. Ihm hatte es in Glimmerwein gefallen und er wollte eigentlich gar nicht mehr weg, aber in Zeiten wie diesen war ein Mann mit seinen Talenten eine sehr gefragte Ressource.

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