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Chapter 25

Direkt nach Hause oder ein kurzer Abstecher?

Überlegungen und Gedankenspiele

Ich schaue auf mein Handy und tippe den Kontakt von Javi ein. Mein Finger schwebt über dem grünen Hörer, doch dann schaue ich mich um. Die dunkle Gasse sieht in der Dämmerung viel lebhafter und ganz anders als im Dunkeln der Nacht aus. An den Wänden rankt zum Teil Efeu und es ist grundsätzlich sehr grün. Außerdem sind zwischen den Gebäuden Lichterketten gespannt, die für eine angenehm warme Atmosphäre sorgen und vor Noe‘s Beautysalon und dem Tattoostudio sind kleine Tischchen und Stühle platziert; die zum entspannen in der Sonne einladen. All dies ist mir vorhin, als wir hierher gekommen sind und ich doch sehr, sehr nervös war, gar nicht aufgefallen.

Ich stecke mein Handy zurück in meinen Rucksack und schlendere auf die Schaufenster des Tattoostudios zu. Das innere ist hell erleuchtet und sehr modern mit viel Sichtbeton eingerichtet. Tatsächlich sehr schön und nicht was man bei einem Hinterhoftattoostudio erwartet. Auch die Motive sind sehr geschmackvoll, aber das konnte ich ja bereits gestern in der Dunkelheit erkennen. In der Ecke sehe ich wieder die künstliche Pussy mit dem goldenen Stab knapp oberhalb der Klitoris. Wieder beginnt es zwischen meinen Beinen leicht zu kribbeln. Mein erster Eindruck der vergangenen Nacht, in dem ich einen ergrauten Rocker in dem Shop erwartet hätte, weicht komplett dem eines jungen Paares, das frisch in die Selbstständigkeit als Tätowierer gestartet ist. Natürlich schießen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf, während ich den wirklich coolen Laden und die Designs und unterschiedlichen Schmuckstücke beäuge. Der Kommentar von Bakari und den Jungs. Meine Angst vor Nadeln. Das Bild von Tattoomodels und Celebreties, die hübsche Tattoos und Piercings besitzen. Trotzdem schaffe ich mich vom Bann des Studios zu lösen und den Hinterhof zu verlassen.

Erst als ich durch das „Tor“ hindurch gehe, fällt mir der Kontrast zwischen dem Hinterhof und der Straße davor richtig auf. Jemand ist viel Mühe, Zeit und sicherlich auch Geld in den Hinterhof gesteckt, um diesen entsprechend herzurichten. Das einzig auffällige und tatsächlich recht einladend wirkende in dieser Straße ist der Sexshop mit seinem Schild auf der Straße. Der Rest sieht doch recht heruntergekommen und trist aus. Nun bin vermutlich ich mit meinen neuerlich fast wasserstoffblonden Haaren ein weiteres Merkmal, das aus dieser Tristesse heraussticht.

Ich denke darüber nach, was ich jetzt an so einem schönen Sommerabend noch machen kann. „Möchte ich wirklich schon nach Hause?“, frage ich mich. Natürlich könnte ich mir in der Finka etwas nettes kochen und mich an den Pool legen. „Oder noch einen kurzen Abstecher in den Megapark?“, schießt mir der nächste Gedanke in den Sinn. „Jetzt noch in den Megapark?“, denke ich mir mit einem Blick auf die Uhr meines Handys. Lohnen würde sich das wohl nicht. Ich bin einfach zu nüchtern. Mir fällt es gar nicht auf, aber wie schon gestern wandert mein Blick unwissentlich immer wieder zum Werbeaufsteller des Sexshops. Meine Gedanken verändern sich unweigerlich von Urlaub, Sonne, **** und Entspannung zu meinem Spiegelbild und wie ich vor einem Loch in einer Kabine eines Sexshops knie, ein Monster von Schwanz blase und anschließend den Sexshop in einem Fetisch-Outfit mit mörderischen Plateauheels verlasse und wie eine Nutte aussehe.

Während sich die Szenen vor meinem inneren Auge abspielen, gehe ich in Richtung des Shops und öffne mit zittriger Hand die Tür.

Was passiert hier?

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