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Chapter 11

What's next?

Maria Thomas überschreitet eine Schwelle

Wütend blaffte Maria Thomas in den Raum, ohne jemanden konkretes anzusprechen: „Soll das ein Scherz sein? Lassen Sie uns sofort gehen!“

„Niemand hält euch fest“, antwortete das Haus.

„Sehr witzig. Sie haben uns eingesperrt. Es gibt hier weder Türen noch Fenster.“

„Seid ihr sicher?“

Die Gegenfrage verunsicherte die Nonne. Sie war stolz darauf, alles zu hinterfragen und nicht als gegeben hinzunehmen. Daher verletzte die Vermutung, sie könnte auf eine einfache Täuschung hereingefallen sein, ihren Stolz. Die Wände waren massiv, das hatten sie schon untersucht, aber was war mit den Spiegeln?

Sie wischte mit dem Ärmel über eine angelaufene Glasfläche. Zunächst konnte sie dahinter nicht viel erkennen. Sie kniff die Augen zusammen und sah genauer hin. Tatsächlich kam es ihr vor, als könne sie in einen Nebenraum sehen. Jedenfalls war es nicht ihr Spiegelbild, das ihr entgegenblickte. Sie trat näher und formte mit den Händen eine Art Trichter auf dem Glas, um das Umgebungslicht abzuschirmen und dadurch besser sehen zu können.

Sie erkannte einen niedrigen Kellerraum mit gewölbter Decke und rauen Steinwänden, der in das unstete Licht flackernder Fackeln getaucht war. Im Zentrum der Kammer stand eine Streckbank, auf der ein bedauernswertes Wesen angekettet war. Um das Foltergerät herum bewegten sich Gestalten in langen Roben, die Gesichter hinter spitzen Kapuzen verborgen, und quälten ihr Opfer mit Nadeln, Zangen und anderen schmerzbringenden Instrumenten.

Empört rief sie: „Das ist unmenschlich, was Sie hier zeigen. Auch wenn es nur ein Film oder eine Projektion ist, fordere ich sie auf, dies sofort einzustellen!“

„Ach, du willst, dass die Folterknechte die Gefangene frei lassen? Dann sage es ihnen doch selbst“, neckte die körperlose Stimme.

„Und wie?

„Gehe doch einfach hin.“

Sie legte den Kopf schief, dachte nach und studierte den Spiegel nochmals genauer. Auf dem hölzernen Rahmen war unten ein fleckiges Messingschild angebracht, das die Aufschrift ‚Die spanische Inquisition befragt eine Hexe‘ zeigte. Maria Thomas bezweifelte, dass die dargestellte Szene auch nur im Entferntesten die historische Realität wiedergab. In ihren Augen war dies um so schlimmer. Sie hasste es, wenn Menschen für dumm verkauft werden sollten. Ihre detektivische Neugier war entfacht.

„Herausforderung angenommen“, murmelte sie kaum hörbar.

„Was willst du machen?“, wimmerte Maria Emilia. Ihre Augen waren vor Angst geweitet und ständig schaute sie über ihre Schulter, als könne jederzeit ein Geist hinter ihr auftauchen.

„Ich werde diesen Ausgang finden!“, erwiderte ihre Schwester entschlossen.

Sie tastete ringsum die Umgrenzung des Spiegels ab, versuchte, die Fingerspitzen darunter zu bringen oder ihn im Ganzen zu verschieben, zu drehen oder umzuklappen. Nichts wollte gelingen. Grübelnd legte sie einen Finger an den Mundwinkel.

Als sie die Hände auf die Glasfläche legte, hatte sich das seltsam angefühlt. Gar nicht hart und glatt, sondern eher wie eine dünne Eisschicht über einem Wasserbecken. Prüfend drückte sie nun stärker dagegen. Sie spürte einen kurzzeitigen Widerstand und dann sank ihre Hand in dem Spiegel und verschwand.

Maria Emilia hatte sie beobachtet und quiekte erschrocken: „Was ist das?“

Maria Thomas hingegen lächelte höchst zufrieden. Na also. Es gab kein Rätsel, das ein scharfer Verstand nicht lösen konnte.

„Warte hier“, beschied sie die pummlige Nonne. Dann machte sie beherzt einen Schritt nach vorne – und tauchte in die Spiegelwelt ein.

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