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Chapter 74 by Geilspecht99 Geilspecht99

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Sieghart aus Zweimühlen

Sowohl Vicky als auch Sieghart erschienen nicht beim Abendessen und ließen sich ihre Portionen auf die Zimmer bringen.

Vicky brauchte den ganzen Nachmittag, um halbwegs klar denken zu können, aber dennoch blieben viel zu viele Fragen offen. Auf der einen Seite war sie natürlich erleichtert, dass es James gut ging, aber: Wer war dieser Sieghart, woher kannte James ihn und was wollte er von ihm? Warum schrieb James Sieghart statt ihr. Das war die eine Seite, aber natürlich fragte sie sich auch, wieso, beim Namenlosen, sie so stark auf Sieghart reagiert hatte.


Sieghart aus Zweimühlen hatte James und den Rest der ‘Fünfe’ auf einer geheimen, kaiserlichen Expedition in den Norden kennengelernt. Sieghart war als Agent des Onkels des Kaisers an Bord, sowohl sein Verstand als auch sein Schwert waren maßgeblich am Erfolg der Expedition beteiligt. Da sie jahrelang aufeinander angewiesen waren, haben sie sich kennen und schätzen gelernt, so hatte James Sieghart mit seinen Heilkünsten mehrfach das Leben gerettet, aber auch James hatte viel von Sieghart gelernt.
Nachdem sie das Glück hatten, die Expedition zu überleben, kehrten sie ins Kaiserreich zurück, wo schon der nächste Auftrag wartete.
Sieghart war eben so wie die ‘Fünfe’ maßgeblich an der Aufdeckung der Namenlosen Verschwörung im Kaiserreich beteiligt, darum blieben sie auch weiterhin in Kontakt.
Sieghart nahm auch an der Siegesparade und dem Empfang beim Kaiser teil, jedoch nur inkognito als Wächter, da er auch weiterhin für den Geheimdienst arbeiten wollte. Nur die wenigsten haben erfahren, dass auch Sieghart vom Kaiser für seine Verdienste in den Rang eines Barons erhoben wurde.


Noch in der hauptstadt hatte James Sieghart einen Brief und einen Auftrag geschickt, den er annahm. Der Auftrag benötigte nur ein paar Tage im Süden des Reiches, Sieghart sollte dann nach Glimmerwein kommen und dort das Praios-Monat verbringen. Sie würden den Auftrag besprechen und James wollte ihm auch endlich seine Verlobte vorstellen.
Sieghart sagte zu, ließ aber ausrichten, dass er es vielleicht nicht mehr vor den Namenlosen Tagen nach Glimmerwein schaffen würde.
James antwortete mit der Empfehlung, sich im Zweifelsfall im Rahja-Tempel in Sibur einzuquartieren, wenn er inkognito bleiben wollte und dann erst am 1. Praios nach Glimmerwein weiter zu reisen.
Genau das war passiert.- - - - - -

Sieghart hatte Vicky natürlich sofort erkannt, als er sie beim Frühstück traf, immerhin waren Informationen sein Geschäft und sie war weit und breit die einzige Adelige mit schwarzer Hautfarbe. Als unauffälliger Beobachter hatte er schon mehrere Möglichkeiten gehabt Vicky zu sehen, nun aber, da er ihr direkt gegenüber saß, musste er den Erzählungen recht geben, sie war atemberaubend schön, trotz fehlender Schminke und zu wenig Schlaf.
Ihre Zugehörigkeit zum Orden der Heiligen Alma hatte Sieghart bis zu ihrem Ausraster nur als Gerücht betrachtet. Er wollte den Punkt aber vor allem deshalb ansprechen, um ihr zu sagen, dass er dafür nicht zur Verfügung stünde, er wollte wie gesagt geschäftliches und privates nicht vermischen.

Wie erwartet entschuldigte sie sich beim Mittagessen und sofort war da wieder diese seltsame Spannung in ihrer Unterhaltung, sodass sie ihn dann in ihr Zimmer einlud, ihm dabei aber zusicherte, nicht übergriffig zu werden. Er bedauerte dies insgeheim, hätte sie ansonsten auch nie auf ihr Zimmer begleitet.

Im Zimmer schien es ihr nicht mehr gut zu gehen, denn sie wechselte die Rollen von einem Moment zum anderen zwischen der aufreizenden Verführerin und einer konservativen Adeligen auf den falschen Drogen. Dabei lud sie ihn persönlich nach Glimmerwein, weil er ihr gefalle und meinte, wenn nicht die Namenlosen Tage wären, dann hätte sie ihn schon längst entsaftet.
Auch Siegharts Widerstandskräte kamen dabei an ihre Grenzen, aber ihr Geschwafel wegen dem Namenlosen und sein Ärger darüber, seine Vorsätze nicht einhalten zu können, hielten ihn am Boden.

Er war gerade im Begriff, die Posse zu beenden und sich ihr als Freund und Gast ihres Verlobten vorzustellen, als er den Brief von James bekam.

Sofort brach er das Siegel und begann zu lesen.
Im ersten Teil des Briefes stand, dass James und seinen Verlobte die Namenlosen Tage nun doch in Sibur verbringen würden. Er hatte erst jetzt erfahren, das Sieghart auch im Rahja Tempel weilte und nahm an, dass Sieghart seinen Verlobte wohl schon kennengelernt hatte. Er wurde gebeten Vicky zu sagen, dass es ihm und seinen Freunden gut ginge und sie morgen zuerst gemeinsam einen Praios-Gottesdienst besuchen und dann nach Glimmerwein reisen würden.

Der zweite Teil fing dann so an:
Mein alter Freund, kannst du dich noch an unsere Wette erinnern?
Sieghart hatte keine Ahnung was James meinte und las weiter
Ich meine die Wette in Glyndhaven?
Jetzt wusste Sieghart auf einmal genau, was James ansprach, wollte aber nicht in Vickys Gegenwart weiterlesen.
Dabei war es nicht einmal eine Wette gewesen, denn es gab keinen Einsatz und er hatte auch nicht eingeschlagen....

Er erzählte Vicky das, was er ihr berichten sollte und machte sich schleunigst aus dem Staub.

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