Wird sie jetzt echt noch deswegen Ärger machen?
Erst mal will sie hier raus
Zum Glück beließ Malia es bei dem Kommentar - ihr Wunsch, das Gefängnis verlassen zu können, übertrumpfte deutlich ihre Irritation über die Codenamen, und sie folgte Alex und Diana willig zurück zum Aufzug. Allerdings hielt sie das nicht davon ab, noch ein paar Fragen zu stellen: "Seid ihr nur Unterstützer, oder gehört ihr selbst zu den Zarathustras?"
"Die anderen mögen den Begriff nicht besonders", erklärte Alex, "aber ja, wir haben auch besondere Fähigkeiten. Die Codenamen beziehen sich auch auf das, was wir können."
"Ah, ihr macht das also wie die Ärsche von der Regierung", meinte Malia trocken, "nur in einer anderen Sprache. Thatastris, Aral - was ist das? Ägyptisch?"
Alex musste grinsen. "Griechisch. Es sind die Namen von irgendwelchen Sagengestalten. Aber was meinst du mit den Ärschen von der Regierung?"
Malia verdrehte die Augen. "Die haben mir auch einen Codenamen verpasst, als sie mich gefangengenommen haben. In deren Kartei hieß ich 'Fender'. Fand ich vollkommen unmöglich-" Sie blieb plötzlich wie angewurzelt stehen, als sie die vor dem Aufzug verstreuten Rüstungsteile sah, die Diana im Kampf vorhin den Wachen heruntergerissen hatte. "Wow! Was ist denn hier passiert? Wart ihr das?"
"Größtenteils war das Thalestris", nickte Alex, "aber warte mal eben... Atlas, warum kommt der Aufzug nicht?"
"Weil er von oben geschickt werden muss", gab Tom zur Antwort, "und dafür muss ihn jemand von unten anfordern. Die Autorität hatten wohl nur die Wachen, die ihr vorhin platt gemacht habt. Ihr werdet wohl noch ein bisschen warten müssen."
Diana sah unsicher zu Alex. "R-Reicht denn die Zeit noch? Ich dachte, es war schon knapp..."
Einen Moment schwieg das Funkgerät. "Ja", sagte Tom schließlich, "wenn ihr den anderen irgendwie entgegenkommen könnt, wäre das gut. Zumindest mal ein Stück. Ideen?"
"Ich hab eine", meinte Alex, trat hinüber zur Sicherheitsstation und las einen der dort liegenden Helme auf, die zu den Kampfanzügen gehört hatten. "Oben in dem Kontrollraum ist immer noch nur eine Person, richtig?"
"Richtig."
Alex nickte. "Dann probiere ich was", sagte er und zog den Helm auf.
Diana biss sich auf die Unterlippe. "Was hast du vor?"
"Autorität ausstrahlen", gab er zurück, trat ganz nahe an die Kamera an der Sicherheitsstation und drückte den Knopf für die Kommunikationsanlage. "E-Block hier, kommen!"
"Ja?" Das Gesicht der Wache aus dem Kontrollraum erschien auf dem Monitor. "Ist was passiert?"
Alex schüttelte den Kopf. "Euer Mann aus dem C-Block ist hier unten fertig mit der Überführung. Braucht den Aufzug nach oben."
Die Wache verzog das Gesicht. "Unsere IT spinnt heute wirklich, wenn die Zentrale das immer noch nicht remote hinkriegt... So, ist auf dem Weg nach unten."
"Danke." Alex schaltete das Kommunikationssystem schnell wieder aus und zog den Helm ab. "Los, macht euch bereit."
"A-Aber..." Diana blinzelte verwirrt. "Der d-denkt jetzt doch, da kommst nur du, und dann kommen wir d-drei-"
Mit einem Grinsen nickte ihr Alex zu. "Ganz genau", sagte er. "Aber wir drei haben alle diese praktischen Elektrostöcke."
Tatsächlich war es nicht schwer, den einzelnen Mann oben zu überwältigen, ehe dieser Alarm auslösen konnte, und nachdem sie ihn am Boden und ihn mit Handschellen gefesselt hatten, steckten sie ihn in den Aufzug und ließen ihn nach unten in Block E fahren, von wo aus er nicht so ohne weiteres Alarm schlagen konnte. Danach ging es in relativ eiligem Tempo auf dem gleichen Weg zurück, auf dem sie gekommen waren, wobei sie nach einem Drittel des Weges auf Jessie und Steffen trafen, die ihnen wie besprochen entgegengekommen waren. "Aegis ist ja tatsächlich nackt", bemerkte der. "Ungünstig."
"Blitzmerker", gab Malia zurück, "und nenn mich nicht Aegis! Irgend ne Idee, wie ihr mich jetzt hier raus bekommt?"
"An deine normale Kleidung kommen wir nicht ran", sagte Jessie, "die ist in einem ganz anderen Bereich. Und in einem Gefängnisoverall kannst du nicht so einfach hier rausspazieren. Eigentlich war die Idee, dir eine Wachuniform zu besorgen, aber ich bezweifle, dass wir eine in deiner Größe finden."
Steffen schüttelte den Kopf. "Brauchen wir auch nicht", sagte er. "Wir ändern den Plan ein winziges bisschen: Wenn wir nachher rausgehen, bleibt Aegis erst mal zurück-"
Malia stieß ihm verärgert den Ellenbogen in die Seite. "Ey, hörst du schlecht? Wenn du mir schon einen Codenamen geben musst, nenn mich meinetwegen Shorty!"
"Shorty bleibt erst mal zurück", wiederholte Steffen mit sichtbar schwindender Geduld, "und sobald wir alle unsere Ausweise zurückhaben, übernimmt Syren die Kontrolle über die Rezeption. Wir fesseln alle, und Shorty kann dann nachkommen. Die werden zwar in ein paar Minuten merken, was passiert ist, aber bis dahin sind wir raus. Hab ich was übersehen?"
"Klingt gut", kam Toms Stimme aus dem Funkgerät. "Wir müssen uns zwar ein bisschen beeilen draußen, aber solange es keinen Alarm gibt, werden wir auf dem großen Hof auch nicht sofort auffallen. Wir müssen ja nur unbemerkt in den Transporter reinkommen."
Auch Alex und Jessie sahen an dem Plan keine Probleme, und wenn Diana Vorbehalte hatte, behielt sie diese für sich. Dementsprechend machten sich alle gemeinsam auf den Rückweg. An den Kontrollpunkten zwischendrin sahen sie, dass sich Steffen und Jessie offenbar um die Wachen vor Ort gekümmert hatten - nirgendwo war noch jemand zu sehen, und Tom lotste sie dieses Mal um den Zellentrakt herum, in dem das letzte Mal Diana alle Blicke auf sich gezogen hatte - eine komplett nackte Frau wie Malia würde mit Sicherheit noch viel mehr Aufmerksamkeit erregen. So dauerte der Weg ein paar Minuten länger, verlief dafür allerdings ohne besonderen Vorkommnisse.
Schließlich waren sie zurück in dem großen gekachelten Raum, in dem sie alle ihre Kleidung gewechselt hatten. Niemand schien in der Zwischenzeit hier gewesen zu sein, alles war noch so, wie sie es zurückgelassen hatten, und so zogen sie sich alle wieder um, bis auf Tom, der ja keine Verkleidung getragen hatte und sich jetzt wieder zu ihnen gesellte.
Bei Steffen dauerte es allerdings etwas länger, denn er hatte das Gefängnis ja als 'Monika' betreten, und er musste erst wieder diese Gestalt annehmen. Dementsprechend begann er sich den Schwanz zu streicheln, schloss die Augen, atmete einmal tief durch, und dann begann seine Transformation. Er wurde etwas kleiner und schmächtiger, seine Brüste wuchsen, sein Haar wurde länger-
-aber etwas stimmte nicht. 'Monika' war recht üppig gewesen, mit weiten Hüften und langem, kastanienbraunen Haar. Die Gestalt, die Steffen nun annahm, war zwar unzweifelhaft weiblich, aber doch deutlich schlanker als 'Monika', mit kleineren, festeren Brüsten, und auch ihr Haar war nur etwa schulterlang und schwarz statt braun-

Und dann war seine Transformation fertig, und vor den anderen stand offenbar Jessies Zwillingsschwester.
"Oh fuck", sagten er und die originale Jessie gleichzeitig.
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