Wie reagiert Tom auf die Neuigkeiten?
Zum Glück recht entspannt
"Tja, und genau das hab ich vorhin mit 'Risiko' gemeint", gab Tom zurück, als sich Alex bei ihm gemeldet und ihm die Situation erklärt hatte. "So was kann bei Thalestris immer mal passieren. Aber egal, passiert ist passiert. Jetzt müssen wir schauen, wie wir euch heil da unten wieder rausholen."
"Auf dem selben Weg, auf dem wir reingekommen sind, oder?" Alex sah zu Diana, die sich gerade wieder anzog. "Als Gefangenenüberführung, und du bringst uns-"
Ein leises Stöhnen drang aus dem Funkgerät. "Areion, du bist mit einer Einsneunzigfrau reingekommen. Jetzt kommst du mit einer Einsfünfundsechzigfrau raus, die aber das exakt gleiche Gesicht hat. Wie soll ich das erklären?"
Alex hob eine Augenbraue. "Also, ich könnte Thalestris einfach wieder ein bisschen aufgeilen-"
"D-Das wird nicht klappen", sagte Diana leise. "Wenn ich g-gekommen bin, brauche ich ein bisschen, um wieder... Du weißt schon. Etwa eine St-Stunde."
"Und die Zeit haben wir nicht", klang Toms Stimme aus dem Funkgerät, "es wird jetzt ohnehin schon etwas knapp. Holt jetzt erst mal Aegis aus ihrer Zelle. Sie sitzt in E-15 ein, wenn Eidolons Informationen stimmen. Danach sehen wir weiter."
Leicht besorgt zog nun auch Alex seine Unterwäsche und die Uniform wieder an. "Alles okay bei dir?" wollte er von Diana wissen. "Das hier muss jetzt ziemlich stressig für dich sein."
Diana schüttelte scheu den Kopf, wobei ihr langes Haar nur so flog - im Moment reichte es ihr bis zu den Fußknöcheln herab. "Ich komme zurecht", sagte sie, "denke ich. W-Wenn ich gerade... d-du weißt schon, dann fühle ich mich eine Weile ganz gut. Und das eben mit dir war schon schön-" Sie stockte und errötete, als wäre sie über ihre eigenen Worte gerade ein bisschen erschrocken. "I-Ich meine, ich werd keine Probleme machen! Ganz sicher nicht!"
"Na dann." Alex zog den Reißverschluss der Uniformjacke zu. "Dann lass uns mal nach Aegis schauen."
Er ging voraus in den Zellentrakt, und Diana folgte ihm dicht hinterher. Es war kein besonders weiträumiger Bereich, nur jeweils acht Zellen befanden sich in einem Gangabschnitt, ehe die nächste Sicherheitstür kam. Die Zugangskarte der gepanzerten Wachen öffnete diese unproblematisch, und die letzte Zelle auf der linken Seite trug die Nummer E-15 - wenn Tom recht hatte, was das hier ihr Ziel. Alex sah sich kurz zu Diana um. "Sei vorsichtig", sagte er. "Wenn wir falsche Informationen haben, könnte hier jemand anderes als Aegis sein. Falls ja, hilf mir, die Tür schnell wieder zuzumachen. Alles bereit?"
Diana schluckte verunsichert, nickte aber. "B-Bereit."
"Also dann..." Alex hielt die Zugangskarte an das Lesegerät, und mit einem Summton öffnete sich das Schloss der Zellentür. Er schob sie auf und blickte in einen kleinen, recht dusteren Raum, dessen Inneneinrichtung nur aus einer Toilette aus Edelstahl und einer Bettpritsche bestanden. Und auf dieser Bettpritsche saß jemand und blickte fragend zu ihm auf. Es war eine der zierlichsten Persönchen, die er je gesehen hatte: dunkelhäutig, schlank, mit etwas Glück gerade einmal einsfünfzig groß, und die letzten Zentimeter von ihr bestanden vor allen Dingen aus ihrer Afrofrisur. Und vor allen Dingen war sie vollkommen nackt.

"Na?" Die zierliche Schwarze legte ihren Kopf leicht zur Seite und blickte zu Diana. "Ich werd doch in Einzelhaft keine Zellengenossin kriegen, oder?"
Alex schüttelte den Kopf. "Malia Toussaint, richtig?"
Sie nickte. "Das ist mein Name. Ist euch der Server mit der Datei für die Belegung der Zellen verreckt, oder was?"
"Keineswegs." Alex lächelte sie an. "Ich bin Areion, das da ist Thalestris. Wir holen dich heute hier raus, Malia."
"Echt?" Die junge Frau sprang auf. "Aber ich dachte- Moment. Ihr seid nicht vom Gefängnis, oder?"
Mit einem Schmunzeln streckte Alex die Hand nach ihr aus. "Wir denken nicht, dass jemand wie du ins Gefängnis gehörst. Los, komm mit!"
Strahlend trat Malia aus ihrer Zelle. "Das ist ja mal klasse!" freute sie sich. "Wo habt ihr meine Kleider?"
"Ähm..." Alex und Diana sahen sich betreten an. "Ehrlich gesagt haben wir nicht damit gerechnet, dass du nackt sein könntest."
"Och nö." Die zierliche Frau ließ die Mundwinkel hängen. "Seitdem ich hier bin, haben sie mir nichts zum Anziehen gegeben. Damit ich mir nichts antue, haben sie behauptet. Ich glaub aber eher, dass sie mich damit kleinkriegen wollten." Sie musste unwillkürlich grinsen. "Dabei haben sie wohl übersehen, dass ich schon klein bin."
Malias entwaffnende Fröhlichkeit brachte auch Alex zum Grinsen, und er nahm sein Funkgerät. "Areion hier. Atlas, wir haben Aegis."
Ein Knacken aus dem Funkgerät. "Gut", kam Toms Stimme zurück. "Ist sie in Ordnung?"
"Ja, aber sie hat keine Kleidung. Die Leute hier wollten Aegis anscheinend-"
"Was soll denn ein 'Aegis' sein?" unterbrach Malia ihn. "Und wieso habt ihr auch so komische Namen? Atlas? Aral?"
Alex sah zu ihr. "Codenamen. Damit es schwerer ist, unsere Identität herauszubekommen. Aegis ist dein Codename."
Malia schüttelte sich. "Bäh, das klingt mach einer ansteckenden Krankheit. Wie siehst du denn aus? Ich hab mir im Schwimmbad ne Aegis eingefangen." Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust. "Wenn ihr mir irgend nen anderen Namen geben müsst, nennt mich 'Shorty'. So nennen mich meine Freunde."
"Könnt ihr das ein andermal ausdiskutieren?" kam Toms Stimme aus dem Funkgerät. "Uns geht die Zeit aus. Ihr müsst langsam zurückkommen."
"Und wie?" wollte Alex wissen. "Auf dem selben Weg geht's ja schlecht. Vor allem, wenn eine von uns komplett nackt ist."
Einen kurzen Moment herrschte Stille. Dann meldete sich Tom wieder. "Ihr habt Glück", sagte er. "Ihr könnt doch den selben Weg zurück nehmen. Eiodolon und Syren sind in eurer Gegend. Sie machen euch den Weg frei."
Malia verzog das Gesicht. "Eidolon... Syren... Also, wenn ihr alle solche dämlichen Namen habt, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch gerettet werden will."
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