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Chapter 38

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Hektik und Panik

Einigermaßen entsetzt stand ich vor Tina und spürte wachsende Panik in mir aufsteigen. Instinktiv führte ich beide Hände vor meinen Unterleib, um meine Blöße zu bedecken. Bei aller Freizügigkeit in der Erziehung schien es mir in keiner Weise angemessen, mich meiner Tochter in diesem Zustand zu zeigen. Ich wusste, dass ich irgendetwas sagen müsste, eine Erklärung für mein Auftreten liefern sollte. Nur, es wollte mir partout nichts einfallen. In meinem Kopf herrschte ein Vakuum und ich begann, sinnloses Zeug zu stammeln.

„Ähm. Äh, hallo, Tina. Schön, dich zu sehen. Was machst du denn hier?“

Sie blinzelte heftig, als müsse sie ein unerwünschtes Bild loswerden, das sich in ihrem Gedächtnis festsetzen wollte. Sie hielt sich betont aufrecht und sah mir starr ins Gesicht. Sie befeuchtete ihre Lippen, ehe sie eine Antwort zustande brachte,

„Ich hatte dir geschrieben, dass ich komme, Papa. Und von unterwegs habe ich versucht anzurufen, aber du bist nicht drangegangen. Ich dachte, du schläfst vermutlich schon.“

„Ja, äh, sorry“, druckste ich herum, „ich muss irgendwie mein Handy verlegt haben. Hast du es vielleicht gesehen?“

„Ja. Es liegt drinnen auf dem Wohnzimmertisch.“

„Puh. Danke.“

Damit war zumindest dieses erste Rätsel gelöst. Ich hatte zwar keine Idee, warum ich es dort hingelegt und nicht mit nach draußen genommen hatte. Doch das war im Augenblick meine geringste Sorge. Es kam nun vor allem darauf an zu verhindern, dass Tina entdeckte, was hinter dem Haus vorging.

„Gehe du doch schon mal rein“, schlug ich vor und versuchte so zu klingen, als sei alles normal, „ich komme dann gleich nach. Ich ziehe mir nur vorher etwas an. OK?“

Sie nickte, drehte sich um und ging rein.

Na, also. Problem Nummer zwei gelöst. Ganz langsam fing mein analytischer Verstand wieder an zu arbeiten. Ein Aufgabe nach der anderen angehen. Das war die beste Vorgehensweise. Was war das Nächste? Andrea befreien! Ich sauste zurück zur Teppichstange, wo sie noch immer geblendet, gefesselt, geknebelt und mit einem vibrierenden Dildo in der Muschi darauf wartete, was ich mir einfallen ließ. Nun, das was jetzt kam, würde sie gewiss nicht erraten, dachte ich sarkastisch.

Ich trat nahe neben sie und flüsterte, um sie nicht zu erschrecken: „Bleib ganz ruhig. Ich werde dich jetzt losbinden. Alles ist gut.“

An meiner gepressten, gehetzten Stimme erkannte sie sicher, dass eben nicht alles gut war. Doch zumindest war sie so weit vorgewarnt, dass sie mich, so gut es in ihrer Lage eben ging, dabei unterstützte, sie zu befreien. Bald stand sie gelöst und aufrecht neben mir. Jede Unterwürfigkeit war aus ihrer Haltung und ihrem Gesichtsausdruck verschwunden. Obwohl sie keinen Faden am Leib hatte, strahlte sie mehr Würde und Selbstgewissheit aus, als ich in diesem Moment aufzubringen im Stande war. Sie stellte keine Fragen und äußerte keinen Unmut. Jedoch war es mir klar, dass ich ihr eine Erklärung schuldete.

Rasch umriss ich die Situation und schloss meine Erklärung ab mit den Worten: „Es ist wohl das Beste, wenn du direkt heim gehst.“

Ohne erkennbare Reaktion wandte sie sich um und ging mit festen Schritten zum Haus zurück. Rasch bückte ich mich, um meine Klamotten einzusammeln. Als ich mich wieder aufrichtete, fiel mir ein Licht im Obergeschoss auf. Da oben, am hell erleuchteten Fenster ihres Mädchenzimmers stand Tina und sah zu mir herunter.

Mir wurde heiß und ich war sicher, dass mein Kopf vor Scham knallrot leuchten musste. Wie lange hatte sie schon dort gestanden, was hatte sie gesehen? Und vor allem: Was dachte sie jetzt über mich?

In Rekordzeit zog ich mich an und hastete zur Haustür. Von Andrea und ihrem Kleid, das wir dort zurückgelassen hatten, fand ich keine Spur mehr. Auch auf der Straße war sie nicht mehr zu sehen. Gut. Ich atmete erleichtert aus. Offenbar hatte sie meinen Rat beherzigt und hatte sich sofort auf den Heimweg gemacht.

Still beglückwünschte ich mich zu meinem besonnenen und systematischen Vorgehen. Eines nach dem anderen, so konnte man auch die kompliziertesten Probleme lösen. Ermutigt durch den bisherigen Erfolg eilte ich den Flur entlang zum Wohnzimmer, aus dem ich Tinas Stimme hörte.

Auf der Türschwelle blieb ich abrupt stehen, als sei ich gegen eine unsichtbare Wand geprallt. Ich zwinkerte hektisch und verharrte mit offenem Mund, bis mein Gehirn die Wahrnehmung verarbeitet hatte.

Vor mir standen Andrea – angezogen mit ihrem Kleid – und Tina, sich locker unterhaltend. Synchron wandten beide sich zu mir. Andrea war die Erste, die etwas sagte.

„Wir haben uns schon bekannt gemacht. Du hast eine sehr nette Tochter, Sven.“

Mein Mund klappte stumm auf und zu, wie bei einem Fisch auf dem Trockenen. Schließlich fasste ich mich soweit, dass ich einen konstruktiven Vorschlag machen konnte. „Es ist schon spät. Wie wär‘s, wenn wir alle schlafen gehen?“

Tina widersprach sofort. „Nein, Papa. Ich bin von der Fahrt noch ganz aufgekratzt und gar nicht müde.“

„Ja, so spät ist es doch eigentlich noch gar nicht“, pflichtete Andrea ihr bei, „setzen wir uns doch ein bisschen zusammen und reden. Hast du was zum **** da, Sven. Einen Wein vielleicht?“ Dabei schenkte sie mir ein Raubtierlächeln, das mir eisige Schauer über den Rücken jagte.

Tina erbot sich, eine Flasche aus dem Keller zu holen. Ich aber brauchte dringend etwas Stärkeres. Während sie unterwegs war, schnappte ich den Jamaika-Rum aus dem Barschrank. Mit einer Geste bot ich Andrea davon an, die aber dankend ablehnte. Das erste Glas hatte ich schon auf ex intus, ehe meine Tochter zurückkehrte.

Die zwei Frauen schenkten sich vom Chardonnay ein und stellten sich ganz offensichtlich auf einen langen, gemütlichen Abend ein. Ihre Unterhaltung floss zwanglos dahin, als würden sie sich schon ewig kennen. Ich saß derweil brütend daneben und hielt mich an meinem Rum fest.

Ich gab mir keine Mühe, mich an dem Gespräch zu beteiligen. Und bald konnte ich dem gelösten, von zunehmendem Kichern untermalten Hin und Her ihrer Worte ohnehin nicht mehr folgen. Als zuletzt meine Stirn auf die Tischplatte sank, war mir schon längst alles egal.

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