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Chapter 9
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Rapunzel Z.07
Als der Beobachter sich entdeckt sah, reagierte er sofort, stieß sich vom Fensterbrett ab und glitt in einer fließenden Bewegung in das Zimmer. Urticas Kampfreflexe übernahmen die Kontrolle. Ein Schwall Adrenalin ließ alle Müdigkeit verfliegen und spülte die zärtlichen Gefühle fort, die sie eben noch erfüllt hatten. Sie schnellte aus dem Bett und hechtete zur Stelle, wo sie ihr Schwert abgelegt hatte. Nastur wurde von ihr ein Stück weit mitgerissen, verstrickte sich im Laken, fiel aus dem Bett und landete ungeschickt auf dem Boden. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen. Entsetzt starrte er die größer werdende Gestalt an, die in den Turm eingedrungen war.
Noch ehe der Uhu den Boden erreichte, dehnte er sich in Länge und Breite aus. Dann setzte er als Mensch seine Füße auf den Dielenboden und richtete sich auf. Wallende Gewänder verhüllten seine Figur und gaben ihm eine wahrhaft bedrohliche Erscheinung.
Wertvolle Sekunden verstrichen, in denen Urtica im Dunkeln nach ihrem Schwert tastete. Dann ging ihr auf, dass sie am falschen Platz suchte. Ihr Bruder hatte die verstreuten Kleider aufgeräumt und die Waffe mit ihnen auf den Stuhl gelegt. Aus der Hocke setzte sie zum Sprung an, aber es war zu spät. Die geheimnisvolle Person vollführte eine komplizierte Geste und sprach mit dunkler Stimme unverständliche Worte. Magische Fesseln aus verfestigter Luft legten sich wie stählerne Bänder um Urticas Hand- und Fußgelenke und stoppten sie unsanft mitten im Flug.
„Wer sind sie? Was wollen Sie von uns?" Nastur war wieder zu Atem gekommen, aber selbst in seinen eigenen Ohren klangen seine Worte schrill und ****.
Die Antwort kam in einem vollen, tief vibrierenden Ton, der eindeutig zu einer Frau gehörte. „Was ich will? Vergeltung, Genugtuung! Und wer ich bin? Noch kennt ihr mich nicht, aber ich kenne euch. Und vor allem kenne ich eure treulose Mutter."
Während ihrer Rede hatte sich eine bleiche Hand aus den Falten des Gewandes gelöst und schwach zu leuchten begonnen. Im gleichen Maß, wie das Licht heller wurde, wuchs es zu einer Kugel und schwebte nach oben zur Zimmerdecke, bis es den ganzen Raum hell erleuchtete. Der grelle Schein blendete die Geschwister und warf harte Schatten. Urtica zischte wütend und kniff ihre Augen zu, während Nastur die seinen mit einer Hand abschattete. Blinzelnd versuchte er zu erkennen, wer die Fremde war. Aber eine weite Kapuze hüllte ihr Gesicht in Dunkelheit. Nur eine einzelne schwarze Haarsträhne hatte sich ins Licht verirrt.
„Lange Jahre habe ich eure Mutter und euch beobachtet und auf meine Gelegenheit gewartet, mich für die Schmach zu rächen, die mir Rapunzel zugefügt hat. Sie war mein mit Haut und Haar! Und dennoch hinterging sie mich auf hinterhältigste Weise mit diesem hergelaufenen Königssohn. Doch nun ist meine Zeit gekommen, es ihr heimzuzahlen und sie zu lehren, wie sehr es schmerzt, wenn man seine Tochter verliert."
Nastur verstand plötzlich.
„Gothel! Sie sind Frau Gothel. Die Zauberin, die unsere Mutter hier einsperrte."
„Ja! Ich bin Gothel, die Herrin dieses Turms und eures Schicksals!"
Bedrohlich wie eine Rachegöttin ragte die Hexe über den am Boden kauernden Nastur auf. Seine Schwester Urtica ließ sich von der zur Schau gestellten Macht der Frau aber nicht einschüchtern. „Lassen Sie uns sofort frei, sonst ..."
Ein fast beiläufiger Wink erzeugte einen weiteren Strang aus zäher Luft, der sich wie ein Knebel über Urticas Mund legte und sie mitten im Satz verstummen ließ. Die junge Kämpferin zerrte mit aller Kraft an ihren Fesseln, doch diese waren unzerreißbar. Das Einzige, was sie mit ihrem Widerstand erreichte, war, dass die stahlharten Bänder im Gegenzug ihre Gliedmaßen streckten, bis Urtica wie ein großes X in der Luft hing.
„Ah! So wild und hochmütig. Ich sehe schon, es wird mir viel Vergnügen bereiten, dich bei mir zu behalten und dir deine Unbotmäßigkeit auszutreiben", höhnte die Hexe.
Nastur brach der kalte Schweiß aus. Er musste seiner Schwester unbedingt beistehen und eine Möglichkeit finden, sie zu retten. Doch waren **** und Drohungen offensichtlich der falsche Weg. Gegen die mächtige Magie, über die Gothel gebot, konnten sie nicht ankämpfen. Er rappelte sich auf und trat der Zauberin entgegen.
„Halten Sie ein! Wir sind keine Bedrohung für Sie. Sagen Sie uns nur, was Sie wollen."
Die Frau lachte hell und fast hysterisch auf, „Hast du mir nicht zugehört? Genugtuung will ich. Und ****!"
„Genugtuung wofür? Wir haben Ihnen doch gar nichts getan."
„Nichts getan? Nichts getan!", kreischte Gothel, „Und ob ihr mir etwas getan habt! Ihr seid der lebende Beweis für den schändlichen Verrat, den Rapunzel an mir begangen hat. Und darum", das leise Flüstern, zu dem ihre Stimme erstarb, klang noch viel bedrohlicher als ihr lautes Kreischen kurz zuvor, „seid ihr genau das richtige Werkzeug, um meine **** auszuführen."
„Aber **** ist der falsche Weg. Sie wird nur wieder zu Vergeltung führen. Unser Vater wird Sie aufstöbern und bestrafen, wenn Sie uns etwas antun. Es gibt doch sicher eine andere Möglichkeit, wie ich Ihnen Genugtuung verschaffen kann."
Die Zauberin kniff ihre Augen zusammen und blickte ihn abschätzig von unten bis oben an. Bei dem gefälligen Grinsen, zu dem sie ihre Zähne bleckte, lief es Nastur kalt den Rücken herunter. Aber zumindest war seine Absicht gelungen, ihre Aufmerksamkeit von seiner Schwester weg auf sich zu lenken.
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Schlimm's Märchen
Klassische Märchen, sexy neu erzählt
Die Märchen halten sich eng an die Original Texte, driften aber in Sex und Erotik ab.
Updated on Dec 8, 2023
Created on Apr 13, 2023
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