Chapter 98 by ThormGravis
Was antwortet Lara? Wie geht es weiter?
Sie werden angegriffen
"Überall", antwortete Lara und deutete mit leichtem Nicken des Kopfes in verschiedene Richtungen. Sie sah zwar nicht mehr als Jackson, aber die zahlreichen Expeditionen, auf denen weit über ein Dutzend verschiedener Urwälder und Dschungeln Ziele und Zwischenstationen ihrer Reisen gewesen waren, hatten all ihre Sinne geschärft und sie gelehrt, ihrer Intuition zu vertrauen. Sie hätte nicht erklären können, welche unbewussten Sinneseindrücke sie zu der Überzeugung führten, dass sie eingekreist worden waren und ein unfreundliche Augen sie beobachteten.
Langsam drehte sich Lara auf den Absätzen ihrer Stiefeletten im Kreis und ließ ihre Blicke über das dichte Blätterdach und Farne, Sträucher und Bäume am Boden wandern. Die nächsten Büsche, die groß genug waren, um einen Feind zu verbergen, waren kaum fünf Meter von ihr entfernt und Sir Thomas saß keine zwei Schritt von einer riesigen, über der Erde wachsenden Baumwurzel entfernt, hinter der Gott weiß was verbergen konnte. Sie spürte wie ein Kribbeln ihren Nacken und ihr Rückgrat entlang lief. Es war keine Furcht, sondern die Vorfreude auf eine Gefahr und den damit verbundenen Adrenalinkick. Sie spannte sich unmerklich an.
Jackson steckte das Jagdmesser weg und nahm seinen Karabiner von der Schulter. Lara schüttelte bedauernd den Kopf: Das war eine schlechte Wahl. Im offenen Gelände des Tempels hatte ihm die automatische Waffe gegen die Steinkreaturen gute Dienste geleistet, aber in einem so engen und unübersichtlichen Kampfareal musste man schon ein verdammt abgezockter Schütze mit teuflisch schnellen Reflexen sein, um sich einem höchstwahrscheinlich von hinten kommenden **** zuzudrehen und schießen zu können, bevor der Gegner zuschlagen konnte. Lara hätte es sich zugetraut, doch bevorzugte sie stets Pistolen, die im Gegensatz zu Jacksons Waffe auch im Nahkampf noch einsetzbar waren. Aber Männer blieben Männer und glaubten größere Waffen seien stets besser.
"Überall scheint mir gar nichts zu sein", beschwerte sich Sir Thomas keuchend und griff zu einem Wasserschlauch. Im gleichen Augenblick schoss eine große Kreatur mit schwarzem Fell durch das Blätterdach herab, packte den erschreckt schreienden Adligen und war mit einem mächtigen Schwung zwischen den Büschen verschwunden, bevor Jackson oder Lara eingreifen konnten. Selbst Sir Thomas war so überrascht, dass er erst schrie, nachdem er das Blickfeld seiner Begleiter verlassen hatte.
"Scheiße...", brüllte Jackson, sprang einen Schritt nach vorne, suchte sich einen breitbeinigen, sicheren Stand und feuerte wie ein Wilder in das unüberschaubare, dichte Grün. Ob er seinen Arbeitgeber schon für **** hielt und ihn rächen wollte oder ob er überhaupt nicht an die Möglichkeit, Sir Thomas zu treffen, dachte und einfach nur in wilder Panik reagierte, konnte Lara nicht sagen.
Aber die heiße Grabräuberin hatte genug gesehen. Die schwarze Kreatur war weit über zwei Meter groß gewesen, hatte verhältnismäßig kurze Beine und vier Arme gehabt, wenn sich Lara nicht irrte. Sie packte Jackson an der Schulter und zischte "Wir müssen hier weg. Sofort", doch der Söldner feuerte immer weiter, bis das Magazin leer war. Als er es wechselte wiederholte Lara ihre eindringliche Aufforderung, doch erhielt sie wieder keine Antwort. Stattdessen eröffnete der Kerl abermals das Feuer auf die gleiche Stelle wie eben. Selbst wenn sich dort ein Ziel befunden hatte, wäre es jetzt entweder tot oder hätte die Position längst verlassen. Daher hielt Lara diese Feuerrichtung für die denkbar dümmste Idee, aber sie war nicht hier, um Möchtegernsöldner zu trainieren oder zu retten. Sie zischte ein letztes Mal Jacksons Namen und wisch dabei schon ein Stück zurück. Wenn er nicht folgen wollte, konnte sie ihn nicht dazu zwingen. Als er wieder nicht reagierte, wandte Lara sich um und rannte in den Dschungel. Aus den Augenwinkeln konnte sie noch erkennen wie etwas von der Seite auf Jackson zustürzte, der sich wie erwartet zu langsam drehte und erwischt wurde, bevor er den Angreifer erschießen konnte.
Was immer sie ****, kannte den Dschungel sicher besser, aber in Bewegung war sie ein schwereres Ziel als an einem Ort verweilend. Also rannte Lara. Ein ungeübter Abenteurer hätte sich bei ihrem Tempo sicher die Beine gebrochen oder wäre zumindest irgendwo hängen geblieben und gestürzt, doch Lara flog geradezu durch den Dschungel, hechtete über Hindernisse, rollte sich ab und rannte weiter, glitt ebenso anmutig wie sicher durch die Hohlräume unter umgestürzten Bäumen und nutzte ihre umfänglichen Parcours-Skills um möglichst schnell voranzukommen.
Sie brauchte nicht über die Schulter zurückzublicken um zu wissen, dass sie verfolgt wurde. Wenigstens ein Wesen war hinter ihr her und kam sicher nicht langsamer als sie selbst voran. Zeitweise hörte sie es schräg hinter sich in den Bäumen, dann etwas versetzt in ihrer Nähe auf dem Dschungelboden. Entweder wechselte die Kreatur den Modus ihrer Verfolgung fortwährend oder Lara hatte es mit mehr als einem Jäger zu tun.
Die schöne Archäologin vergeudete keine Kapazität darauf, sich über diese Angelegenheit Gedanken zu machen. Einerseits konnte sie es ohnehin nicht ändern, andererseits brauchte sie ihren ganzen Focus auf der Bewegung und der Wahrnehmung des Geländes, das sie so schnell durchquerte. Ihr prallen, perfekt geformten Brüste hoben und senkten sich beim Lauf und ihr berühmter Zopf flog hinter ihr her. Sie wusste wie gefährlich die Situation war, doch sie liebte es. In solchen Momenten fühlte sie sich lebendiger als auf jeder Party und bei jedem kontrollierten Motorradrennen. Dies war das wahre Abenteuer, der wahre Grund, für den sie lebte. Wenn sie sterben würde, gab es sicher einen schlechteren Weg um abzutreten und sie würde es mit einem Maximum an Adrenalin in ihren Adern tun, und wenn sie es überlebte würde sie einen geilen Kick erlebt haben.
Lara brach zwischen zwei Sträuchern durch und erkannte, dass der Dschungel urplötzlich zu Ende war. Vor ihr breitete sich Schlucht quer zu ihrer Laufrichtung aus, an deren Grund ein kleiner Bach zwischen Felsen toste. Die Steilwände vielen sowohl hier als auch auf dem gegenüberliegenden, nicht minder dicht bewaldeten Ufer fast senkrecht über mehrere Dutzend Meter ab. Trotz allen oftmals überschätzten Vertrauen in ihre Fähigkeiten wusste Lara, dass sie den Sprung auf die andere Seite nicht schaffen würde. Um ihren eignen Schwung genügend zu verringern, um nicht in die Schlucht zu stürzen, warf sie sich zur Seite, durchbrach krachend ein kleines Gebüsch, rollte über den Boden - und hatte immer noch zu viel Tempo. Sie griff nach einem Ast des Gebüschs, der sofort zerbrach und sie nicht verlangsamte. Mit der anderen Hand suchte sie Halt im weichen Boden, dann war unter ihr nur gähnende Leere und Lara sah den Fluss weit unter ihr, als sie über den Rand hinausglitt.
Die heiße Archäologin suchte mit ihren Blicken nach einer verkrüppelten Baum, der irgendwo aus der Steilwand wuchs, nach einer herabhängenden Ranke oder irgendeinem anderen Ding, an dem sie sich festhalten konnte, doch nichts war in Reichweite. Dann packte eine haarige Pranke ihren Arm und riss sie zurück. Lara keuchte, als die Kraft ihr fast die Schulter fast auskugelte. Sterne tanzten vor ihren Augen.
Als ihr Blick nach einem kurzen von **** dominierten Moment wieder klarer wurde, sah Lara weiterhin den Fluss unter sich rauschen, und ihr wurde klar, dass ihr Retter sie am ausgestreckten Arm über der Schlucht baumeln ließ. Überlegte es, sie fallen zu lassen? Langsam hob Lara den Blick.
Wer (oder was) hat Lara vor dem Sturz gerettet?
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Lara Croft
Die nicht jugendfreien Abenteuer einer Grabräuberin
Wer hat nicht von ihr gehört? Lara Croft, die Actionlegende, die Grabräuberin. Doch aus Gründen der Altersfreigabe und somit der Umsätze verschweigen uns die Computer-Spiele, Comics und Filme uns seit jeher jene Abenteuer der Actionheldin, die keine Jugendfreigabe erhalten würden. Hier können wir hingegen Zeugen ihrer mehr oder weniger freiwilligen und heldenhaften Abenteuer für die erwachsene Leserschaft werden.
Updated on Apr 4, 2024
by ThormGravis
Created on Apr 9, 2016
by ThormGravis
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