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Chapter 8 by Reyhani Reyhani

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Perspektivenwechsel

Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Aus: Der Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe

Sina erscheint in der Tür meines Arbeitszimmers. „Du, Papa, ich geh mit Dirk einkaufen. Er bezahlt. Als Entschädigung dafür, dass er mein Zimmer benutzen durfte. Nett, nicht?!“

Ich schaue vom Bildschirm auf und kann mir ein verächtliches Schnaufen nicht verkneifen. Ich habe schon gehört, dass mein ‚bester Freund‘ sich jetzt als Sugar Daddy aufspielt. Mit dem Geld der Firma. Zum Glück muss ich seine Spesenrechnungen nicht bearbeiten.

Ist Sina hier, um sich meine Erlaubnis zu holen – die von ihrem echten Daddy? Ach was, sie ist ja schon erwachsen und kann einkaufen mit wem sie will. Trotzdem guckt sie verunsichert. Wenn ich ihr den Spaß nicht verderben will, muss ich sie wohl oder übel bestärken.

„So war er schon immer. Geld bedeutet ihm nichts. Habt viel Spaß, wir sehen uns heute Abend.“

Sie steht immer noch da mit nachdenklichem Blick, so als wollte sie noch etwas sagen. Ich kann sie ja schlecht auf meinen Schoß ziehen und ihr versichern, dass sie mit mir über alles reden kann. Also muss ich geduldig warten. Manches wird auch komplizierter, wenn die **** älter werden.

„Du, Papa, Dirk ist ja dein bester Freund ... und ich finde es auch total o.k., dass er in meinem Zimmer geschlafen hat. Aber was sagt eigentlich Mama dazu, dass er so lange bleibt?“ Sie grinst entschuldigend. „Ich habe da so Vibes gespürt, weiß auch nicht.“

Jetzt möchte ich mein Mädchen wirklich in den Arm nehmen. Vor allem um mich selbst zu trösten. Vibes! Das ganze Haus ist voll davon. Ich spüre sie ständig, besonders in der Nacht. Es ist schon peinlich, wenn ich nur daran denke, wie ich auf diese Vibes zwischen Dirk und Jessica reagiere. Das bin nicht ich, sage ich mir immer wieder. Aber es hilft auch nichts.

Ich hätte mich nie auf die Sache einlassen sollen. Wissenschaftlich gesehen war es ein spannender Ansatz und ich hätte mit Lily zusammenarbeiten können. Ganz offiziell, ohne Heimlichtuerei. Bei allen Vorteilen, meine **** hätte ich da nie mit hineinziehen dürfen. Die einzige Entschuldigung vor mir selbst ist, dass Lily mich emotional erpresst hat. Wenn das überhaupt möglich ist, jemanden zu erpressen, der einem verfallen ist.

Jetzt muss ich büßen, jede Nacht mit meinem Schwanz in der Hand. Ich muss den ganzen Versuch abbrechen, muss Lily endlich in die komischen Nebenwirkungen des Prototypen einweihen. Wahrscheinlich ist es ihr sogar egal, dass ich mir jede Nacht einen auf meine Frau runterhole. Aber ich will das nicht!

Ich dachte, ich hätte meine Ehe längst beerdigt. Aber jetzt kommt sie zurück – als geiler Zombie. Alle haben kräftig beim Ausbuddeln geholfen, Lily, Dirk und natürlich ich selbst. Ich hätte längst einen Schnitt machen sollen auch wenn Lily mich wahrscheinlich eh zurückgewiesen hätte. So viel Ehrlichkeit wäre ich Jessica schuldig gewesen. Stattdessen versuche ich Lily zu imponieren, indem ich bei diesem Wahnsinn mitmache.

Hat Sina etwa doch was mitgekriegt? Sie ist doch grade erst gekommen und wir waren alle so vorsichtig. Sie muss möglichst schnell wieder verschwinden, bevor das Zeug noch mehr anrichtet. Ich muss ... vor allem muss ich mal antworten, sonst schöpft sie wirklich noch Verdacht.

„Mein Schatz, mach dir wegen Mama keine Gedanken. Sie hat in letzter Zeit viel Stress. Vielleicht habe ich ihr mit Dirks Besuch wirklich etwas viel zugemutet. Aber das renkt sich wieder ein, versprochen.“

Sina guckt immer noch nachdenklich. Doch bevor sie etwas erwidern kann, taucht Dirk hinter ihr auf. Immer dynamisch, immer auf dem Sprung. Dieser Angeber. Er blinzelt mir zu und zieht Sina mit sich. Heute Abend muss ich ihm noch mal verklickern, dass sie nicht Teil des Versuchs ist. Sie ist eigentlich gar nicht da. Privat, Sperrgebiet, out of bounds.

Ich seufze. Von mir wird er es sowieso nicht akzeptieren. Es muss von ganz oben kommen. Ich muss Lily schreiben, dass sie interveniert und die Sache gradebiegt oder am besten den Versuch ganz abbricht. Proben, um den Prototypen zu überarbeiten, müssten wir inzwischen auch genug gesammelt haben.

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