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Nicht allein

Loona löste sich nicht hastig von mir. Ihre Hände verharrten auf meinen Schultern, fest und stützend, während das Zittern in meiner Brust nur langsam abebbte. Jeder Atemzug fühlte sich an wie das mühsame Auftauchen aus eiskaltem, schwarzem Wasser.

Als sie den Kopf hob und mich ansah, war da kein Hauch ihrer sonst so unnahbaren Maske mehr. Ihre Augen waren gerötet, ihre Stirn lag in tiefen Falten, und um ihre Mundwinkel zuckte eine Nervosität, die ich bei ihr noch nie erlebt hatte. Sie sah nicht aus wie die kühle Herrin über mein Leben. Sie sah aus wie jemand, der mit Vollgas auf eine Klippe zugerast war und im allerletzten Meter die Handbremse gerissen hatte. Der Schock stand ihr förmlich ins Gesicht geschrieben.

„Komm“, flüsterte sie heiser. Ihre Stimme klang rau, beinahe brüchig. „Steh auf. Nicht hier auf dem Boden.“

Sie griff mir unter die Achseln, stemmte ihr ganzes Gewicht dagegen und half mir auf die Beine. Meine Knie knickten fast sofort wieder ein; das Blut, das nun ungehindert durch die gequetschten Gefäße pulsierte, brannte wie glühende Nadeln. Doch Loona hielt mich fest umschlungen, stützte meine Taille und führte mich langsam hinüber ins Badezimmer.

An ihrer Seite zu gehen, mich an sie lehnen zu dürfen, entfachte ein beinahe schmerzhaftes Gefühl in meiner Brust. Mein ganzer Körper schrie vor Schmerz, aber im selben Atemzug sog ich ihren Duft auf – dieses herbe, teure Zedernholz-Parfüm, vermischt mit dem Regen ihrer Haare. Es war der Geruch meiner Unterwerfung, aber in diesem Moment auch der Geruch meiner einzigen Rettung. Eine grenzenlose, überwältigende Bewunderung durchströmte mich. Wie sie Emma vorhin mit bloßen Worten zermalmt hatte, wie unantastbar und absolut sie in ihrer Macht stand – sie war eine Naturgewalt. Und diese Naturgewalt hielt mich jetzt fest, als wäre ich aus Glas.

Als sie mit dem Ellbogen den Lichtschalter betätigte, blendete mich die grelle Helligkeit der weißen Kacheln. Sie führte mich an den Rand der großen Emaille-Badewanne und ließ mich behutsam auf die Kante sinken. Ich saß da, vornübergebeugt, die Hände kraftlos auf den Oberschenkeln.

Hinter mir schloss Loona die Badezimmertür ab. Das scharfe Klicken des Riegels klang wie eine Barriere gegen den Rest der Welt.

Sie drehte die Hähne auf, stellte die Brause auf lauwarm und prüfte die Temperatur am Handrücken. Dann kniete sie sich vor mich auf die kalten Fliesen, strich die Ärmel ihrer dunkelgrünen Bluse bis zu den Ellbogen hoch und schob vorsichtig den zerknitterten, nassen Spitzenstoff beiseite.

Im unbarmherzigen Halogenlicht des Spiegelschranks lag mein ganzer Zustand offen.

Ein tiefer, scharfer Atemzug zerriss Loonas Kehle. Ihre Hände erstarrten in der Luft, kaum einen Zentimeter über meiner Haut.

Der Schambeinring hatte eine tiefe, livide Furche in mein Fleisch gegraben. Das Gewebe war teigig aufgedunsen, an den Rändern beinahe schwärzlich verfärbt, wo Emma den Bolzen verkantet durch das Metall geprügelt hatte. Feine Hauteinrisse glänzten feucht und blutig im Licht.

Ich starrte auf Loona. Ihre Kehle schnürte sich sichtbar zu, ihre Lippen wurden zu einem schmalen, blutleeren Strich. Eine ihrer Hände fuhr fahrig an ihren Mund; ihre Finger bebten so unkontrolliert, dass sie sie zu einer festen Faust ballen musste.

„Gott verdammt…“, wisperte sie leise. Es war eine Mischung aus nacktem Ekel, Panik und purer Selbstanklage. Als sie die Lider wieder öffnete, schimmerten echte, unkontrollierte Tränen in ihren Augenwinkeln.

Mit beinahe ängstlicher Vorsicht nahm sie die Brause und ließ den lauwarmen Wasserstrahl über die geschundenen Stellen laufen.

Ich zuckte krampfhaft zusammen, krallte meine Finger in den Wannenrand, doch das warme Wasser begann rasch, den brennenden Druck zu betäuben. Loona wusch die klamme Haut behutsam ab. Ihre Fingerkuppen strichen sanft um die Quetschungen herum, ohne das schmerzende Fleisch zu belasten. Sie tastete jeden Millimeter ab, vorsichtig, fast scheu.

Dann schaltete sie das Wasser ab, griff nach einem weichen Handtuch und tupfte mich mit winzigen, federleichten Bewegungen trocken. Aus dem Spiegelschrank holte sie eine Tube Bepanthen, schraubte den Verschluss mit zittrigen Daumen ab und drückte eine großzügige Menge der weißen Salbe auf ihre Fingerspitzen.

Als sie die kühle Creme auf die aufgerissene Furche strich, hielt ich unwillkürlich die Luft an.

„Tut mir leid“, sagte sie plötzlich.

Die drei Worte fielen wie schwere Steine in die hallende Stille des Kachelraums. Ich erstarrte. Loona sah mir direkt in die Augen – und in ihrem Blick lag nichts von ihrer Kälte. Da war pure Reue.

„Es tut mir leid, John“, wiederholte sie, und ihre Stimme brach für einen Moment weg. „Ich habe… ich habe völlig die Kontrolle verloren. Ich wollte sehen, wie weit ich gehen kann. Ich wollte, dass du mir gehörst, aber ich war blind. Ich habe Emma diesen verdammten Schlüssel gegeben, weil ich dachte, ich hätte alles im Griff. Weil ich dachte, es wäre ein Spiel.“

Ihre Hand, bedeckt mit der kühlen Salbe, strich ganz vorsichtig über meinen inneren Oberschenkel, beruhigend, tastend.

„Ich habe fast denselben Fehler gemacht“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu mir, und ein dunkler, gequälter Schatten glitt über ihre Züge. „Ich habe fast zugelassen, dass man dich zerstört. Das… das wollte ich nie. Ich schwöre es dir.“

Eine Welle aus purer, erstickender Dankbarkeit schnürte mir die Kehle zu. Sie entschuldigte sich bei mir. Die Frau, vor der ich im Staub gekrochen war, die mein ganzes Leben in Ketten gelegt hatte, kniete vor mir im Fliesenstaub und bat um Verzeihung. Es war so falsch, so verdreht, und doch erfüllte es mich mit einer brennenden, bedingungslosen Liebe, die tiefer ging als alles, was ich je für einen Menschen empfunden hatte. Sie war mein Schmerz, aber sie war auch meine einzige Erlösung.

Und während ihre kühlen, mit Salbe bedeckten Finger behutsam über die geschundene Haut strichen, während sie so nah vor mir kniete, dass ich die Wärme ihres Atems auf meinen Knien spüren konnte, passierte etwas, das meinen Verstand vollends kapitulieren ließ.

Trotz der Quetschungen, trotz des brennenden Wundschmerzes regte sich tief in meinem Unterleib ein dunkles, unkontrollierbares Pochen. Ohne den stählernen Käfig, der das Fleisch wochenlang abgeschnürt hatte, reagierten die überreizten Nervenenden mit schonungsloser Härte auf ihre sanfte Berührung. Es war ein fast unerträglicher Widerspruch: Die Scham über mein eigenes Verlangen, die Erleichterung über die Freiheit und die pure, perverse Geilheit, die mich überrollte, weil *sie* es war, die mich berührte. Mein Körper antwortete auf ihre Nähe, streckte sich ihren Händen entgegen, als wolle er ihr beweisen, dass er ihr bis auf die letzte Faser gehörte.

Loona spürte das zitternde Aufbäumen sofort. Ihre Hand hielt für einen Herzschlag inne. Ihre Augen weiteten sich leicht, als sie den Blick senkte, doch da war kein spöttisches Lachen mehr. Da war nur ein tiefes, atemloses Verstehen der absoluten Macht, die sie über mich besaß.

Sie griff nach ihrer Tasche und legte mir eine saubere, weite graue Boxershorts aus weicher Baumwolle und ein übergroßes weißes T-Shirt auf die Oberschenkel.

Kein Stahl. Kein Schloss. Keine Spitze.

„Das Ding bleibt ab“, sagte sie leise, und der Tonfall war ein zärtliches, eisernes Versprechen. „Heute Nacht, morgen… so lange, bis deine Haut wieder komplett verheilt ist. Und Emma setzt nie wieder einen Fuß in unsere Nähe. Das ist vorbei.“

Sie stand auf, wusch sich am Waschbecken die Reste der Salbe von den Händen und stützte sich für einen Moment schwer auf dem Porzellan ab. Ihre Schultern sackten ein, als fiele eine tonnenschwere Last von ihr ab.

Dann drehte sie sich um, trat an mich heran und legte beide Hände sanft an meine Wangen. Ihre Daumen strichen ganz behutsam die getrockneten Tränenspuren von meiner Haut. Ich lehnte mich unwillkürlich in ihre Handflächen, schloss die Augen und zitterte unter der Wärme ihrer Berührung. Ich liebte sie. Ich war ihr rettungslos verfallen.

„Zieh dich an“, flüsterte sie mit einem erschöpften, weichen Lächeln, das mir mitten durchs Herz schnitt. „Du schläfst heute bei mir im Bett. Ich lasse dich heute Nacht nicht allein.“

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