What's next?
Neue Verhältnisse
Caroline kniete reglos auf dem Boden und versuchte, ihre Atmung ruhig zu halten. Anfangs hatte sie in der Stille noch jeden Laut im Haus wahrgenommen, welcher diese unterbrach. Je länger sie wartete, umso angespannter verfolgte sie jedes ferne Knarren in dem alten Gemäuer. Die Zeit zog sich und insgeheim fragte sie sich, ob Bianca sie bewusst warten ließ als Teil des Spiels. Die dreißig Minuten mussten längst vorüber sein, so knapp wie sie fertig geworden war.
Das Leder der Manschetten schmiegte sich ungewohnt, aber trotzdem angenehm an ihre Hand- und Fußgelenke. Einzig die erzwungene Mundöffnung durch den Knebel fühlte sich fremd an. Nicht genug damit, dass ihr bereits der erste Saber aus dem Mund lief, so verhinderte er auch, dass sie sich in irgendeiner Art artikulieren konnte. Gerade diese Sprachlosigkeit verstärkte in ihr das Gefühl, bereits einen Teil der Kontrolle abgegeben zu haben.
Ihr Herz schlug sofort schneller, als Schritte auf dem Flur die Stille durchschnitten. Schritte, welche jetzt unaufhaltsam immer näher kamen und vor der Tür stoppten, bevor diese sich kurz darauf öffnete.
Wie angewiesen hob sie ihren Kopf nicht, als Bianca Winter den Raum betrat. Nur aus dem Augenwinkel sah sie, wie Bianca an ihr vorüberging, ohne sie zu beachten. Stattdessen kam sie mit einem Stuhl vom Tisch zurück und stellte ihn vor ihr ab. Mit gesenktem Haupt und nach oben schielend konnte sie nur ihre Füße bis zu den Knien sehen, als sie direkt vor ihr Platz nahm.
Nichts sagend widmete sie sich den Unterlagen, während Caroline spürte, wie ihre Anspannung wuchs. Sie kniete hier nackt, geknebelt und wartend, während Bianca scheinbar seelenruhig den Vertrag und den Fragebogen durchging. Nur gelegentlich hörte sie das leise Rascheln von Papier beim Umblättern der Seiten. Erst nachdem sie scheinbar fertig war, stand Bianca auf und verschwand erneut aus ihrem Sichtfeld. Nur von den Geräuschen ihrer Schritte im Raum wusste sie, dass Bianca jetzt irgendwo hinter ihr stehen musste.
„Du hast den Fragebogen sorgfältig ausgefüllt“, stellte sie ruhig fest. „Das ist gut.“
Biancas plötzliche Worte jagten ihr einen leisen Schauer über den Rücken. Irgendetwas undefinierbar Dominant-Forderndes schwang jetzt in ihrer Stimme unterschwellig mit. Auch ohne den Blick zu heben, konnte Caroline ihre Präsenz hinter sich spüren.
„Und Du hast verstanden, dass das hier nur im Rahmen Deiner eigenen Grenzen stattfindet“, fuhr sie fort und ließ ihren Worten danach erneut eine kurze Pause folgen.
Wortlos trat sie vor sie. Auch ohne es zu sehen wusste Caroline, dass sie zu ihr herabsah. Sie erschauderte unter der Berührung ihrer Hand. Fast schon liebevoll strich sie über ihre Wange und fuhr ihr langsam unters Kinn. Widerstandslos folgte sie dem leichten Druck und hob ihren Kopf. Etwas überrascht stellte sie fest, dass Bianca sich nicht umgezogen hatte. Noch immer trug sie ihr schlichtes schwarzes Kleid, und trotzdem schien sich etwas verändert zu haben.
Sie hatte sich verändert. Es waren nicht die Haare, die sie jetzt streng zusammengebunden hatte. Ihr strenger Blick, mit dem sie herrisch auf sie herabsah und jedwede Nettigkeit verloren hatte, spiegelt das neue Machtgefälle zwischen ihnen wider.
„Innerhalb dieser Grenzen verlierst Du für die Zeit unserer Sitzung jegliche Selbstbestimmung über Dich und Deinen Körper.“ Während sie sprach, ließ Bianca ihren Blick musternd über sie wandern. Nur kurz blieb er an ihrem Hals hängen, und dennoch entging es Caroline nicht. Mit dem Kopf im Nacken sah sie zu ihr auf und überlegte, ob etwas nicht stimmte oder sie gar etwas falsch gemacht hatte.
„Ich erwarte daher bedingungslosen Gehorsam von Dir, und wenn ich Dir eine Anweisung gebe, wirst Du diese befolgen. Jeder Widerspruch und Ungehorsam hat Konsequenzen für Dich!“ Ihr Blick schien bei diesen Worten noch etwas an Strenge zugenommen zu haben.
„Leider hast Du meine Anweisungen nicht vollständig befolgt.“ Caroline runzelte leicht die Stirn, und verstand in diesem Moment nicht, was sie meinte. Biancas Hand hob sich und berührte die feine Halskette, die Caroline seit Jahren fast nie ablegte. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie diese beim Ausziehen völlig vergessen und damit ihren ersten Fehler gemacht hatte.
„Ich sagte ausdrücklich: ausschließlich den Inhalt des Kartons.“ Mit diesen Worten öffnete Bianca bestimmt mit ruhigen Bewegungen den Verschluss der Kette und nahm sie ihr ab. Das vertraute Gewicht verschwand von ihrem Hals, als würde sie einen weiteren Teil von sich zurücklassen.
Aus dem Augenwinkel heraus folgte sie Bianca, bis diese erneut aus ihrem Blickfeld verschwand. Insgeheim fragte sie sich, ob ihr Fehler ein Nachspiel haben würde.
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