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Kennzeichnung
Angespannt lauschte sie den Geräuschen hinter sich im Raum. Dem schweren Knarren nach musste Bianca einen Schieber der alten Kommode geöffnet haben. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sie wieder vor ihr erschien. In ihrer Hand hielt sie ein schlichtes schwarzes Lederhalsband. In seiner Schlichtheit wirkte es fast unscheinbar, und doch blieb Carolines Blick unwillkürlich daran hängen. Sie wusste sofort, dass es für sie bestimmt war.
„Auch wenn Du einen Fehler gemacht hast, bleibt das vorerst heute ohne Konsequenzen“, sagte sie in ruhigem, aber bestimmten Ton. Caroline spürte, wie sich die Anspannung in ihrer Brust für einen kurzen Augenblick löste. Offenbar würde ihre Vergesslichkeit keine Strafe nach sich ziehen.
„Während einer Sitzung wird persönlicher Schmuck grundsätzlich abgelegt und hätte dem hier auch im Weg gestanden.“ Nochmals trat sie einen halben Schritt näher und hielt es ihr hin.
„Nimm es!“
Einen Augenblick zögerte Caroline, bevor sie beide Hände hob und langsam danach griff. Für einen kurzen Moment streiften sich dabei ihre Finger, als sie das Halsband entgegennahm. Das Leder fühlte sich angenehm weich an und war überraschend hochwertig verarbeitet. Nichts daran erinnerte an billige Requisiten oder an das, was sie bislang aus Filmen oder dem Internet kannte. Ein silberner Ring war die einzige Verzierung, welche es schmückte. Währenddessen schien Bianca ihre neugierige Betrachtung nicht zu entgehen.
„Persönliche Dinge gehören zu Deinem Alltag.“ Dabei ließ sie den Blick kurz auf die Halskette fallen, die noch immer auf dem Tisch lag. „Aber dieses hier gehört zu Deiner Rolle während des Spiels und kennzeichnet Dich als das, was Du dabei bist.“ Erneut herrschte wieder für einen Moment Stille zwischen ihnen im Raum.
„Leg es Dir an!“ Die Aufforderung kam sowohl überraschend als auch im Ton bestimmt. Caroline blickte kurz zu ihr auf, während ihr „Warum ich?“ durch den Kopf ging. Insgeheim hatte sie erwartet, dass Bianca diesen letzten Schritt übernehmen würde.
Als hätte Bianca ihre unausgesprochene Frage bemerkt, antwortete sie ruhig: „Weil niemand diese Entscheidung für Dich treffen wird.“ Sie ließ die Worte bewusst einen Moment stehen. „Du hast Dich freiwillig für diese Erfahrung entschieden. Das Halsband wird Dich zu nichts zwingen, aber Dich an Deine Entscheidung erinnern.“
Caroline ließ den Blick erneut auf das Halsband sinken. Plötzlich erschien es ihr deutlich schwerer als zuvor. Nicht wegen seines Gewichts, sondern wegen seiner Bedeutung. Sie erinnerte sich an den Vertrag. An Begriffe wie Vertrauen, Verantwortung und Kontrolle. Vor wenigen Minuten waren sie noch gedruckte Wörter auf Papier gewesen. Jetzt schienen sie greifbar zu werden.
Langsam führte sie das Halsband zu ihrem Hals. Noch einmal zögerten ihre Hände kurz am Verschluss. Innerlich fragte sie sich, warum ausgerechnet diese kleine Bewegung ihr jetzt so schwerfiel. Sie hatte sich schließlich bereits ausgezogen. Trug Manschetten an Knöcheln und Handgelenken. Sie kniete hier nackt vor ihr auf dem Boden. Und doch fühlte sich genau dieser Augenblick endgültiger an als alles zuvor. Vielleicht, weil sie ihn selbst vollkommen bewusst vollzog.
Unwillkürlich strich sie mit den Fingerspitzen über das Leder, als sie es in ihrem Nacken verschlossen hatte. Es saß angenehm, nicht zu eng oder unbequem. Aber schmiegte sich trotzdem omnipräsent um ihren Hals.
Bianca beobachtete sie schweigend dabei.
Erst nachdem Caroline die Hände wieder sinken ließ und auf den Rücken legte, trat sie einen Schritt näher. Sie hob vorsichtig eine Strähne ihres Haares an, die sich unter dem Band verfangen hatte, legte sie behutsam zur Seite und betrachtete das Halsband einen Moment.
„Viele glauben, ein Halsband sei ein Zeichen von Besitz“, und schüttelte dabei leicht den Kopf.
„Das ist einer der häufigsten Irrtümer. Es bedeutet nicht, dass Du jemandem gehörst.“ Langsam ging sie bei diesen Worten um Caroline herum. Sie konnte die Nähe ihres Körpers hinter sich förmlich spüren und erschauderte, als sich ihre Hände auf ihre Schultern legten.
„Es erinnert Dich lediglich daran, welche Rolle Du für die Dauer des Spiels angenommen hast“, hauchte sie ihr ins Ohr. Caroline schluckte unter dem Gefühl der Berührung, wie ihre Fingerspitzen langsam von ihren Schultern über die Oberarme immer tiefer nach unten glitten. Noch nie war sie von einer Frau so angefasst worden. Verunsichert ließ sie es geschehen, bis sie das Klicken vernahm. Reflexartig zog sie ihre Handgelenke auseinander und spürte die Fixierung. Durch die fest miteinander verbundenen Manschetten ruhten ihre Hände nun hilflos auf ihrem Rücken.
Wieder hörte sie die Schritte in ihrem Rücken, welche sich von ihr entfernten, um kurz darauf zurückzukehren. Erneut trat Bianca vor sie, aber diesmal mit einer schmalen Gerte in der Hand. Die breite Klatsche unter ihr Kinn legend, zwang sie Caroline unmissverständlich, zu ihr aufzusehen.
„Wenn wir nachher fertig sind, nimmst Du es wieder ab.“ Ein kaum wahrnehmbares Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Und damit endet dann auch unser Spiel.“
Gerade dieser letzte Satz nahm der Situation etwas von ihrer Schwere. Es wäre ein Spiel und eine bewusste Entscheidung auf Zeit. Noch bevor sie realisierte was passierte, hakte Bianca den Karabiner der Führungsleine an ihrem Halsband ein.
„Steh auf“, herrschte sie Caroline plötzlich an. „Wir wechseln das Zimmer.“
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