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Chapter 25

What's next?

Neue Nachbarn

Nun, ich mochte ein ziemlicher Einzelgänger sein. Doch selbst mir entging nicht, dass in eines der Häuser vorne an der Straße neue Leute einzogen. Zum einen bemerkte ich beim Vorbeifahren neue unbekannte Gesichter. Und zum anderen war der große Möbelwagen vor dem Haus ein kaum zu übersehender Hinweis.

Überrascht war ich allerdings, als es wenige Tage später klingelte und die Neuen vor meinem Haus standen. Besuch erwartete ich nicht.

„Hallo, wir sind die Jenssens. Wir sind hier frisch eingezogen und wollten uns vorstellen.“

Der Mann, Herr Jenssen sprach laut und trat selbstbewusst auf. Geschätzt knapp zwei Meter groß und breitschultrig gebaut hatte er vermutlich auch keinen Grund, zurückhaltend zu sein. Er streckte seine Rechte aus und machte einen Schritt auf mich zu, kaum hatte ich die Haustür geöffnet. Ich schüttelte seine Hand und erwiderte den kräftigen Händedruck, froh darüber, dass ich durch die handwerkliche Arbeit gelernt hatte, energisch zuzugreifen.

„Guten Tag und herzlich willkommen. Ich heiße Sven Gerke. Kommen sie doch herein.“

Ich trat zur Seite und lud sie mit einer Handbewegung ein.

Jenssens Frau folgte ihm mit ein paar Schritten Abstand. Sie war deutlich kleiner und zierlicher als ihr Mann. Eine Kombination, die ich bei vielen Paaren schon bemerkt hatte. Auch charakterlich schien sie wesentlich zurückhaltender als ihr Partner zu sein. Etwas distanziert reichte sie mir die Hand.

„Hallo, ich bin Andrea.“ Ihre Stimme war leise und sie klang ein wenig schüchtern.

Sie hob eine verschlossene Plastikdose hoch, die sie bei sich trug. „Wir haben ein bisschen Kuchen mitgebracht, wenn sie mögen.“

„Gerne.“ Ich setzte mein freundlichstes und gewinnendstes Lächeln auf. „Setzen wir uns doch drinnen und ich mache einen Kaffee.“

Ich führte die beiden direkt in die Küche und ließ sie an dem selbst gezimmerten großen Holztisch Platz nehmen, auf den ich so stolz war. Auf diese Weise konnten wir die Unterhaltung fortsetzen, während ich mir an Kaffeemaschine und Kühlschrank zu schaffen machte. Anstatt mich das Geschirr aus dem Schrank holen zu lassen, ging mir Andrea wie selbstverständlich zur Hand und deckte den Tisch ein.

Als ich mich schließlich zu ihnen setzte, wusste ich bereits, dass Herr Jenssen Hannes mit Vornamen hieß und beruflich auf einer Bohrplattform vor der Küste arbeitete. Seine Arbeitszeit betrug immer 14 Tage zu je 12 Stunden-Schichten. In dieser Zeit lebte er auf der Plattform bei freier Kost und Logis. Nach den 14 Tagen hatte man 30 Tage frei.

Ich nahm an, das erklärte zu einem gewissen Grad sein extrovertiertes Auftreten, denn schwächliche, schüchterne Typen passten nicht in eine solche harte Umgebung.

Derweil hatte ich kaum etwas über Andrea Jenssen erfahren, außer dass sie ihren Kaffee mit Milch und Zucker trank, im Gegensatz zu Hannes, der ihn schwarz bevorzugte. Um das Gespräch ein wenig mehr in ihre Richtung zu lenken, deutete ich mit der Gabel auf den Kuchen auf meinem Teller.

„Er schmeckt sehr gut. Haben Sie ihn selbst gebacken?“

Ein erfreutes Lächeln huschte über ihre Züge. „Ja, schön, dass Sie ihn mögen.“

„Backen sie viel?“, hakte ich nach.

Ihr Mann zog das Gespräch wie selbstverständlich wieder an sich.

„Meine Frau ist eine hervorragende Bäckerin und Köchin. Eine wahre Zauberin in der Küche. Ich freue mich nach meinen Schichten immer schon wegen des Essens, wieder nach Hause zu kommen. Und das will etwas heißen, denn die Firmen, die Ölplattformen betreiben, lassen sich beim Essen nicht lumpen. Auf zufriedene Mitarbeiter wird da sehr viel Wert gelegt.“

Dann richtete er seine Aufmerksamkeit zum ersten Mal seit ihrer Ankunft auf seine Frau. Er legte seine Pranke besitzergreifend auf Andreas Schulter.

„Aber natürlich freue ich mich nicht nur wegen des Essens. Schließlich sind wir bei der Arbeit eine reine Männertruppe.“

Die Angesprochene errötete und senkte die Augen. Der kurze Moment, der mir Einblick in ihre Beziehung gewährte, endete, als Hannes sich wieder mir zuwandte.

„Sie sind Schreiner?“

Ich räusperte mich. „Nun, nicht direkt. Ich schreinere, ja. Diesen Tisch hier zum Beispiel habe ich selbst gebaut. Es ist aber mehr ein Hobby, eine Ausbildung in der Richtung habe ich nie gemacht.“

Ich klopfte selbstbewusst auf das massive Holz. Mein Gast packte prüfend die dicke Tischplatte und strich dann anerkennend über die polierte Oberfläche.

„Respekt! Eine gute Arbeit.“

„Danke.“ Ich gestattete mir nicht, sein Lob vorbehaltlos anzunehmen, weil ich den Eindruck gewann, dass mehr dahintersteckte. Sein nächster Satz bestätigte meine Vermutung.

„Wir haben von unseren neuen Nachbarn vorne an der Straße gehört, dass Sie so etwas machen und dort schon mal eine Schrankwand eingebaut haben.“

„Ja, das stimmt“, bestätigte ich zurückhaltend.

„Nun, wir dachten, vielleicht könnten sie auch für uns etwas machen? Im Obergeschoss haben wir lauter schräge Wände, so dass man kaum richtige Möbel aufstellen kann. Meinen Sie, Sie könnten sich das mal anschauen und uns einen Kostenvoranschlag machen?“

Wollte er damit sagen, dass das, was ich machte, keine richtigen Möbel waren? Wäre er alleine gewesen, hätte ich rundweg abgelehnt. Aber ein Seitenblick auf seine Frau ließ mich nachgiebig werden.

„In Ordnung. Ich komme gelegentlich vorbei und schaue es mir an. Nur, einen Kostenvoranschlag werden Sie von mir nicht bekommen. Wie gesagt betreibe ich die Schreinerei ausschließlich hobbymäßig und habe auch kein Gewerbe angemeldet. Geld verlange ich dafür keines. Aber vielleicht kann ja Ihre Frau mich mit etwas Süßem dafür entschädigen?“

Endlich sah sie auf und blickte mich offen an. Dabei lächelte sie vielversprechend.

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