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Chapter 28
by
Meister U
What's next?
Nach dem Essen trennen sich die sechs
Für Johanna war der Park „Planten un Blomen” eine grüne Oase der Ruhe und ein scharfer Kontrast zu dem inneren Wirbelsturm, der sie durchpeitschte. Die Kugeln in ihr blieben nicht stumm. Immer wieder erwachte in unregelmäßigen Abständen ein tiefes, pulsierendes Summen in ihr, das einige Sekunden anhielt und dann abrupt abbrach. Es war kein anhaltender Reiz mehr, sondern ein Stakkato der Versuchung. Es pushte ihre Geilheit genau an der Schwelle zur Erlösung und ließ sie dann wieder in die quälende Leere zurückfallen.
Sie schlenderte durch den Japanischen Garten, vorbei an sorgfältig arrangierten Steinen und stillen Teichen. Die Harmonie der Anlage sollte beruhigen, doch in ihr tobte es. Ihr Blick blieb an einem älteren Herrn hängen, der meditativ auf einer Bank saß. Würde er? schoss es ihr durch den Kopf. Würde er sie über diesen moosbedeckten Felsen beugen?
Im Rosengarten blieb sie vor einem besonders prächtigen, dunkelroten Exemplar stehen, betäubt vom schweren, süßen Duft tausender Blüten. Ein Mann in seinem Alter, offensichtlich ein Tourist, lächelte sie an. Ein höfliches, unverbindliches Lächeln. In Johannas Vorstellung trat er hinter sie, grub seine Hände in ihre Hüften, roch an ihrem Hals und drückte sie mit dem Gesicht in die Rosen, deren Dornen an ihrer Wange kratzten. Die Kugeln summten auf, als hätten sie ihre Gedanken gelesen.
Sie erreichte die große Wiese vor den Wasserspielen. Familien breiteten Decken aus, **** lachten. Die Abendsonne tauchte alles in ein warmes Goldlicht. Johanna setzte sich ins Gras und zog die Knie an. Die Vibration in ihr war jetzt ein konstantes, leises Grollen – eine Drohung und ein Versprechen zugleich.
Ihr Blick irrte über die Menschenmenge. Den jungen Vater zum Beispiel, der sein Kind auf den Schultern trug. Würde er es tun, während sein Kind zuschaute? Die Gruppe von Jugendlichen, die Musik hörten. Würden sie sie der Reihe nach nehmen, hier auf der grünen Wiese, für alle sichtbar?
In ihrem Kopf wurde jeder Mann, jede Andeutung von Männlichkeit, sofort zum Akteur in ihrer persönlichen, schmutzigen Fantasie. Sie war ein Bündel nervöser Erwartung, ihr ganzer Körper eine Antenne für begehrende Blicke, die jedoch nie kamen. Die Demütigung war diesmal eine andere. Sie war unsichtbar. Ihre Not, ihre Gier waren nur für sie selbst und die kalte Elektronik in ihrem Inneren real.
Als die Wasserspiele begannen und tanzende Fontänen in den Himmel schossen, spürte sie, wie die Feuchtigkeit in ihr mit dem Wasser vor ihr zu konkurrieren schien. Sie presste die Beine zusammen und starrte auf die leuchtenden Wasserstrahlen. Sie war gefangen in der schrillen Diskrepanz zwischen der öffentlichen Idylle und ihrem privaten, von Geilheit zerfressenen Alptraum. Die Nacht konnte nicht schnell genug kommen.
Sie ging ein paar Schritte weiter. Die Ecke war perfekt versteckt: ein kleiner, abgeschirmter Raum unter den dichten, dunkelgrünen Blättern eines riesigen Rhododendronbusches. Die Geräusche des Parks – das ferne Lachen der ****, die Musik der Wasserspiele – waren hier nur noch ein gedämpftes Hintergrundrauschen. Die Sonne warf ein geflecktes Muster aus Licht und Schatten auf den Boden.
Die Erschöpfung, die sich den ganzen Tag wie ein bleierner Mantel um sie gelegt hatte, überwältigte sie schließlich. Johanna ließ sich einfach in das weiche Gras fallen. Ihr Körper, der stundenlang mit Adrenalin, künstlicher Stimulation und Scham geflutet worden war, gab nach. Alle Gedanken an fremde Hände, vibrierende Kugeln und demütigende Blicke lösten sich in einem wogenden, schwarzen Nichts auf.
Sie schlief sofort ein. Ein traumloser, tiefer, beinahe komatöser Schlaf. Ihr Gesicht, das den ganzen Tag über eine Maske aus Erregung und Scham getragen hatte, entspannte sich endlich. In der Stille und Abgeschiedenheit ihres Verstecks wirkte sie fast friedlich, ein müdes Mädchen in einem Park, nichts weiter.
Für eine knappe Stunde war sie nur noch das: ein schlafender Körper im Gras. Die Sonne wanderte weiter, die Schatten wurden länger. Ein leichter Wind ließ die Blätter des Rhododendrons rascheln und strich kühl über ihre nackten Arme. Es war ein Aufatmen, so tief und grundlegend, dass selbst die Stille in ihrem Unterleib, das Ausbleiben der Vibration, nun wie ein Segen wirkte. In diesem Schlaf gab es keine Befehle, keine Schmerzen, keine Erwartungen. Es war die einzige Form der Freiheit, die ihr in dieser zerstörten Welt noch geblieben war. Ein Reset. Ein Auslöschen. Doch selbst in dieser Dunkelheit war die Gewissheit vorhanden, dass es nur eine Pause war. Die Stille war trügerisch. Die Kugeln schliefen nicht. Sie warteten.
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Johanna
[18 | Hamburg | Dominanz & Unterwerfung | Teil 2 - Reiterhof]
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