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Chapter 32 by kleinehexe kleinehexe

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Mittendrin

Der letzte Schritt über den Bordstein fühlte sich für sie an wie ein Übertritt. Als würde sie mit Lampenfieber eine Bühne betreten, ging sie langsam diesen Schritt, aber ohne Scheinwerferlicht und Applaus. Eine unsichtbare Linie überschreitend, tauchte sie jetzt ein in diese Welt. Ungewollt war sie in diesem Moment mehr als nur zur stillen Beobachterin aus der Ferne geworden. Sie war jetzt mittendrin. Direkt zwischen ihnen. Den Prostituierten, die sich am Straßenrand zwischen Haufen von Unrat den Freiern anboten.

Immer noch um ein festes Auftreten bemüht, zog sie ihre Jacke noch etwas enger um sich, als wäre diese eine Rüstung, die sie schützen könnte. Beschützen vor den neugierigen und gleichzeitig revierverteidigenden Blicken der Prostituierten und deren sie immer wieder musternden Beschützern. Obwohl sie nicht wusste, wie sie all dies werten und einordnen sollte, **** sie sich, nicht wegzuschauen. Sie ging einfach weiter. Jeder weitere Schritt geradeaus an ihnen vorbei war ein kleiner Triumph über das mulmige Gefühl in der Magengegend. Auch wenn sie nicht eine von ihnen war, so spürte sie doch, dass sie in diesem Moment näher dran war als je zuvor.

Ihr Ziel vor Augen arbeitete sie sich Schritt für Schritt den Straßenstrich entlang. Immer wieder liefen ihr eiskalte Schauer über den Rücken beim Blick in die Gesichter der Frauen und deren fraglichen Alters. Sie war überrascht darüber, mit welcher Selbstsicherheit diese immer wieder auf die anhaltenden Autos zugingen. Schon ihr Gang allein ließ keinen Zweifel mehr daran aufkommen, weshalb sie hier waren. Fasziniert beobachtete sie aus den Augenwinkeln heraus immer wieder die Routine ihrer Bewegungen und ihre Abgeklärtheit. Mit welcher Kaltschnäuzigkeit sie sich zu den Fahrern durchs Fenster ins Auto beugten, um sich ihnen im spärlichen Licht zu präsentieren und anzubieten.

Wieder schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, der sie schon den ganzen Abend beschäftigt hatte. Wie es wohl wäre? Wie es sich anfühlen würde, sich selbst ihnen so anzubieten. Es zu müssen? Und immer wieder sah sie die unheimlichen Typen im Hintergrund. Sie hielten sich scheinbar bewusst im Halbdunkel zurück und beobachteten. Aber die Art, wie sie sie ansahen, sie mit ihren Blicken fixierten, machte ihr Angst. Denen wäre mit Sicherheit alles zuzutrauen, wenn sie nicht das bekämen, was sie wollten. Auch fragte sie sich, wie viel die Frauen wohl bei ihren Beschützern abliefern mussten und was ihnen dann noch selbst bliebe.

Sie blieb kurz stehen und kramte genervt in ihrer Handtasche nach ihren Zigaretten. Gierig sog sie den Rauch in ihre Lungen ein, als sie dann endlich brannte. Noch während sie die Schachtel wieder in die Handtasche steckte, sah sie ihn und wusste innerlich, was gleich passieren würde. Sie war noch froh darüber gewesen, den ganzen Weg bis jetzt so gut und unbehelligt überstanden zu haben. Es war der Blick des Fahrers und die Art, wie er mit dem Wagen im nächsten Moment neben ihr am Straßenrand hielt. Wie angewurzelt stand sie da, hörte das Geräusch der runterfahrenden Seitenscheibe.

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