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Chapter 14 by emgla124

Wie verläuft der Tag?

Mit der Familie

Die Familie aß schweigend, nur das Klirren des Bestecks auf den Tellern durchbrach die Stille. Lisas Mutter schlug vor, den Tag mit einem Besuch im nahegelegenen Museum zu verbringen, um sich von der gestrigen Reise zu erholen. Ihr Vater nickte zustimmend, während ihr Bruder aufgeregt meinte, endlich einmal mehr über die Geschichte der Stadt erfahren zu wollen. Lisa hörte ihnen zu, doch ihre Gedanken waren weit entfernt. Sie starrte auf ihren Teller, die Eier und Brötchen blieben unberührt. "Ich dachte, wir könnten danach noch einen Spaziergang durch den Park machen," fügte ihre Mutter hinzu, in der Hoffnung, Lisa aus ihrer Reserve zu locken. Lisa nickte mechanisch, doch ihre Augen blieben leer.

Die Familie betrat das Museum, und die kühle, sterile Luft umhüllte sie wie ein Mantel der Normalität. Doch für Lisa fühlte sich nichts mehr normal an. Während ihr Vater und Bruder sich für die historischen Ausstellungen interessierten, blieb sie zurück, ihre Augen wanderten über die alten Gemälde, die wie stumme Zeugen ihrer inneren Zerrissenheit hingen. Ein Bildnis einer Frau, die mit gesenktem Blick in einer einsamen Landschaft stand, zog sie magisch an. Die Frau schien zu verstehen, was es hieß, zwischen zwei Welten zu stehen, ohne eine Heimat zu finden. Lisa spürte Tränen aufsteigen, doch sie unterdrückte sie, als ihre Mutter neben sie trat. Lisas Mutter stand still neben ihr, und für einen Moment schien sie zu spüren, dass etwas in ihrer Tochter nicht in Ordnung war. "Alles okay, Lisa?" fragte sie leise, doch Lisa nickte nur stumm, unfähig, die richtigen Worte zu finden.

Die Dämmerung hatte eingesetzt, als Lisa durch die stillen Straßen zurück zum Hotel wanderte. Die Begegnung mit ihrer Familie im Museum hatte die Wunde in ihrem Inneren nur tiefer gerissen. Jedes Lächeln, jede harmlose Bemerkung ihrer Mutter, jedes aufgeregte Wort ihres Bruders hatte sie daran erinnert, wie sehr sie sich selbst verloren hatte. Die kalte Abendluft schien in ihre Knochen zu kriechen, doch sie spürte sie kaum, so sehr war sie in ihre Gedanken versunken. Als sie die Hotellobby betrat, sah sie Johann in der Bar sitzen, ein Glas Whiskey in der Hand, die Augen auf den Fernseher gerichtet.

Ihre Augen trafen sich für einen flüchtigen Moment, bevor Johann den Blick wieder auf den Fernseher richtete. Lisa spürte, wie ihre Handflächen feucht wurden, während sie zögerte, ob sie zu ihm gehen sollte. Die Hotellobby lag in einem weichen, warmen Licht, doch die Atmosphäre der Bar kam ihr plötzlich bedrückend vor. Der Klang der Gläser und leise Gespräche um sie herum verstärkte das Gefühl der Isolation, das sie seit Tagen begleitete. Sie überlegte, ob sie sich umdrehen und in den Aufzug verschwinden sollte, doch ihre Füße schienen wie festgewachsen. Johanns Anwesenheit zog sie magnetisch an, selbst als ein Teil von ihr schrie, dass sie ihn meiden sollte.

Ihre Füße trugen sie langsam auf die Bar zu, als würde jeder Schritt sie tiefer in ein Meer ihrer eigenen Zweifel ziehen. Johanns Profil war im weichen Licht der Bar kaum zu erkennen, doch die Art, wie er den Whiskey in seinem Glas drehte, verriet eine Ruhe, die Lisa in seinem Blick nicht fand. Sie blieb stehen, als sie wenige Schritte vor ihm war, und atmete tief ein. Die Luft roch nach Alkohol und dem Rauch von Zigaretten, ein Geruch, der sie plötzlich an die Nächte erinnerte, in denen sie sich frei gefühlt hatte, bevor die Schuldgefühle sie einholten.

"Darf ich mich setzen?" fragte sie leise, ihre Stimme zitterte kaum hörbar.

Johanns Blick zuckte kurz zu ihr herüber, doch seine Miene blieb undurchdringlich. Er nickte kaum merklich, und Lisa ließ sich auf den Barhocker sinken, spürte das weiche Polster unter sich. Die Stille zwischen ihnen fühlte sich schwer an, wie ein unausgesprochener Vorwurf. Der Barkeeper fragte nach ihrem Wunsch, doch Lisa schüttelte stumm den Kopf, unfähig, sich auf Worte zu konzentrieren. Johanns Glas glitt langsam durch seine Finger, die Flüssigkeit darin schimmerte im Licht der Bar. "Ich dachte, du bist bei deiner Familie," sagte er schließlich, seine Stimme neutral, doch mit einem Unterton, der Lisa zusammenzucken ließ. Sie suchte nach einer Antwort, doch die Worte blieben in ihrer Kehle stecken.

"Ich... ich musste raus," brach sie schließlich das Schweigen, ihre Stimme kaum lauter als ein Flüstern. Johanns Augenlider zuckten, doch er sagte nichts. Die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar, ein unsichtbares Band, das sie zusammenhielt, auch wenn jeder von ihnen es am liebsten durchtrennt hätte. Der Barkeeper räusperte sich, ein unbehaglicher Laut in der schweren Atmosphäre. Johanns Stimme war leise, fast ein Flüstern, als er schließlich sagte: "Du siehst müde aus." Seine Worte hingen in der Luft, wie ein unvollendetes Geständnis. Lisa spürte, wie ihr Herz schneller schlug, als sie seinen Blick suchte, doch seine Augen blieben auf den Whiskey in seinem Glas gerichtet.

Die Stille zwischen ihnen dehnte sich aus, bis Johann schließlich das Glas hob und einen kleinen Schluck nahm. Seine Augen blieben gesenkt, doch Lisa spürte seinen Blick auf sich ruhen, als würde er versuchen, hinter die Maske ihrer Ruhe zu blicken. "Müde?" wiederholte sie leise, ihre Stimme klang wie ein Echo in der schweren Atmosphäre der Bar. Johann zuckte mit den Schultern, ein kaum merklicher Bewegung, der doch etwas wie Resignation in sich trug. "Es ist spät," murmelte er, "du solltest vielleicht schlafen gehen."

Meldet sich Johann wieder?

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