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Chapter 7 by Frizza Frizza

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Mias Liste

Beim Frühstück herrscht beklemmendes Schweigen. Mia isst mit gesenktem Blick. Die erzwungene Unterwerfungsszene hat er sich irgendwie erotischer vorgestellt.

Plötzlich bricht Sandra das Schweigen. „Und wie soll das jetzt weitergehen? Ich versuche es ja zu verstehen, aber ich schaffe es nicht. Könnte Thomas dir jetzt einfach so was sagen und du würdest es machen?“, fragt sie ungläubig an Mia gerichtet.

„So ist der Grundgedanke dahinter“, sagt Mia ohne aufzugucken.

„Die totale Unterwerfung ist viel mehr als das“, ergreift Thomas das Wort. „Es bedeutet nicht nur,dass ich ihr sage, was sie tun soll. Sie muss mich für alles um Erlaubnis bitten, ob sie raus darf oder so. Einfach jeder Aspekt ihres Lebens.“

Sandra guckt ihn entgeistert an.

„So ist zumindest die Definition, die ich gehört habe“, sagt er entschuldigend.

„Aha. Und so ist das richtig?“, fragt Sandra wieder an Mia gerichtet.

„Genau so ist es. Bitte akzeptier es einfach!“, sagt Mia fast schon genervt.

„Okay Thomas, dann kannst du ihr ja als Erstes sagen, dass jetzt Schluss ist mit dem Nackt-im-Haus-rumlaufen“, fordert Sandra von Thomas.

„Wie war das mit 100% hinter ihr und ihrer Kunst stehen?“, fragt Thomas sie ernst. Sandra seufzt.

„Ja, du hast recht. Ich akzeptiere deine Entscheidung und ich bin stolz auf dich.“

Dann steht sie auf und gibt Mia einen Kuss auf die Stirn.

„Aber verstehen werde ich es wohl nie.“

Dann geht sie hinüber zu Thomas,gibt ihm einen leidenschaftlichen Kuss und sagt:„Danke,dass du das für meine Tochter möglich machst und so hinter ihr stehst.“

Dann verlässt sie die Küche und macht sich fertig für die Arbeit.

Die beiden sitzen noch eine Weile schweigend in der Küche. Das schlechte Gewissen Sandra gegenüber trifft beide wie ein Schlag ins Gesicht.

Doch dann überkommt ihn wieder die Realität.

„Schick mir das Video!“, flüstert er und zeigt auf Mias Handy. Diese nickt nur stumm, und wenige Sekunden später hat er es auf seinem Handy.

„Okay, du räumst den Tisch ab und dann darfst du zur Akademie“, sagt Thomas laut, in der Hoffnung, dass Sandra ihn hört, dann verlässt auch er die Küche.


Der Tag war recht ereignislos. Erst gegen Feierabend bekommt er wieder eine Mail. Hallo Herr Vogel. Das Video bitte. Er sendet es und ist gespannt, was er seiner Stieftochter als Nächstes abverlangen soll.

Die Antwort des Erpressers trifft noch knapp vor seinem Feierabend ein.

[Herr Vogel. Die Grundlage ist gelegt.

Nun geht es um die Ausgestaltung.

Mia wird diese Liste bekommen und so tun, als wäre sie von ihr. Eine Liste mit Forderungen über die Kontrolle über sie. Sie werden diese Liste umsetzen. Die Videos sind bei Aufforderung an mich zu senden. Sie haben 24 Stunden.]

Thomas geht nach Feierabend mit der ausgedruckten Liste zu Mia.

Ihre Gegenwehr ist weniger, als er es erwartet hat, doch wie so oft konnte er sie überzeugen.

„Ich rufe dich nachher zu uns und beginne mit dem dritten Punkt. Das Video sendest du mir danach“, sagt er noch, bevor er Mias Zimmer verlässt.

Wenig später sitzt er mit Sandra in der Küche. Sandra wirkt erschöpft. Thomas atmet tief durch.

„Mia hat ihre nächste künstlerische Entwicklung formuliert. Sie ist an mich gerichtet, es betrifft aber auch dich“, beginnt er und schiebt Sandra eine Kopie der Liste hinüber.

Sie liest.

Mit jedem Punkt wird ihr Gesicht blasser.

1)Mein Zimmer ist ein Symbol der Abgrenzung. Um diese letzte Barriere niederzureißen, betrete ich es nicht mehr. Ich schlafe, wohin du mich weist – auf der Couch, auf einem Bodenlager im Flur, in deinem Zimmer zu deinen Füßen.

2)Meine Kleidung gehört fortan dir. Du verwahrst sie bei dir. Du wählst morgens aus, was ich tragen darf. Sobald ich nach Hause komme, muss ich mich vor dir entkleiden und dir die Kleidung zurückgeben. Nacktheit ist mein natürlicher Zustand in den eigenen vier Wänden.

3)Als Akt der künstlerischen Rebellion gegen die Unterdrückung weiblicher Lust bestehe ich darauf, meine Sexualität überall im Haus ausleben zu dürfen. Um die Performanz zu dokumentieren und den voyeuristischen Blick der Gesellschaft zu reflektieren, muss mich meine Mutter dabei filmen.

„Das... das ist ja... das ist krank!“, platzt es aus ihr heraus, als sie Punkt 3 liest.„Mia,komm zu uns!“ Ruft Thomas laut, und nur wenige Sekunden später steht die nackte Mia mit rotem Kopf und ihrem Handy in der Hand in der Küche.

„Mia, das meinst du nicht ernst!“ Sagt Sandra geschockt.

„Doch, Mama“, erwidert Mia mit unerwarteter Festigkeit.

Ihr Gesicht ist eine Maske aus Überzeugung. „Es ist die logische Konsequenz! Die totale Befreiung! Ich muss meine Lust von allen räumlichen und moralischen Fesseln befreien. Und du musst es filmen. Der voyeuristische Blick des Publikums, verkörpert durch die eigene Mutter, ist ein essenzieller Teil der Kritik!“

„Ich werde meine eigene Tochter nicht beim... beim Onanieren filmen!“, wehrt Sandra entsetzt ab.

„Dann ist das gesamte Kunstwerk wertlos!“, schreit Mia plötzlich und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. „Du verstehst es einfach nicht! Du willst es nicht verstehen! Entweder du unterstützt mich zu 100%, oder alles war umsonst!“

Tränen der Wut und Verzweiflung stehen in ihren Augen, so überzeugend gespielt, dass selbst Thomas für einen Moment stutzt.

Sandra blickt hilflos zwischen ihrer schreienden, nackten Tochter und ihrem Mann hin und her.

Die Überforderung ist ihr ins Gesicht geschrieben.

„Thomas...“, sagt sie, „sag doch etwas. Das kann doch nicht richtig sein.“

Thomas spürt den Blick des Erpressers im Nacken. Er legt eine Hand auf Sandras Arm, als Geste der Beruhigung.

„Sie ist Künstlerin. Wir müssen ihrem Prozess vertrauen. Vielleicht... vielleicht ist das genau die Art von radikaler Aussage, die die Welt braucht.“

Sandra starrt ihn an, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Dann bricht sie in sich zusammen. Der Wunsch, den Frieden zu bewahren, und der eingeredete Glaube, es handle sich um hohe Kunst, siegen. Langsam, wie in Trance, nimmt sie Mias Handy.

„Wo... wo willst du anfangen?“, fragt sie mit erstickter Stimme.

„Im Wohnzimmer“, antwortet Mia. Sandra filmt mit zitternder Hand die demütigende Szene. Thomas stand daneben und verbarg seine Erregung. Die Erniedrigung war allumfassend.

Sie demütigt Mia, sie demütigt Sandra, und sie demütigt ihn selbst.

Als es vorbei ist,herrscht Totenstille. Mia steht auf, nimmt ihrer Mutter das Handy aus der Hand und sendet es an Thomas.

Sandra sieht zu ihrer Tochter, die sich wieder vor ihren Stiefvater kniet. Am liebsten würde sie Mia in ihr Zimmer schicken, aber ihr Zimmer ist ab jetzt für sie gesperrt...

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