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Chapter 9

Was erleben die Nonnen auf dem Rummel?

Maria Agnes tanzt

Maria Agnes sog die vielfältigen Sinneseindrücke in sich auf. Wie gut, dass sie den Mut gefunden hatte, die Mutter Oberin um Erlaubnis für den Besuch des Karnevals zu bitten. Farben, Formen, Geräusche, Gerüche bildeten ein dichtes Gewebe, in das sie sich hineinfallen ließ wie in ein weiches Kissen.

Ihre besondere Aufmerksamkeit weckte eine wundervolle Musik, sphärisch und lebhaft zugleich. Woher kamen diese himmlischen Klänge? Sie sah sich um, konnte aber keine offensichtliche Quelle erkennen. Es musste aber irgendwo links von ihr sein. Eine schmale Gasse zwischen zwei Buden wirkte wie ein Schalltrichter und verstärkte die Töne.

„Ich gehe mal kurz da rüber und folge euch dann wieder“, rief sie Maria Bruna hinterher, ohne darauf zu achten, ob diese ihre Worte verstanden hatte, und bog nach links ab.

Bald stand sie auf einem kleinen Sandplatz zwischen einem Kinderkarussell und Verkaufsständen. Die Musik war hier so laut und einladend, dass sie nicht anders konnte, als sich zur Melodie im Kreis zu drehen und im Takt zu hüpfen. Sie fühlte sich **** und lebendig und glücklich. Immer schneller drehte sie sich um sich selbst und lachte aus vollem Hals.

Beifall ließ sie innehalten. Ein wenig atemlos schaute sie sich um. Am Rande des Platzes stand der kleine Mann, der sie eingelassen hatte, und klatschte in die Hände.

„Wunderbar, wunderbar! Sie sind ein Naturtalent. Bitte lassen sie sich nicht aufhalten, tanzen Sie weiter!“

Etwas verschämt und dennoch erfreut über das Kompliment senkte sie ihre Augen zu Boden. Vermutlich wäre es besser, wenn sie wieder Anschluss zu den anderen Schwestern suchte. Sich gehen zu lassen hatte zwar gutgetan, war aber vielleicht nicht ganz das angemessene Verhalten für eine Nonne in der Öffentlichkeit.

„Entschuldigen Sie, ich muss gehen.“

„Aber warum denn? Amüsieren Sie sich denn nicht?“

„Doch, schon …“

„Verzeihen Sie, ich muss etwas gestehen“, er setzte eine leicht zerknirschte Miene auf, „ihre Darbietung war derart hinreißend, dass ich nicht umhinkonnte, eine Aufnahme davon zu machen. Und ein weiteres Versäumnis muss ich nachholen. Ich habe mich noch nicht vorgestellt: Mein Name ist Trapp, meines Zeichens Eigentümer und Betreiber dieses bescheidenen Jahrmarkts, zu euren Diensten.“

Er verbeugte sich so tief, dass seine Nase beinahe den Boden berührte. Beim Aufrichten schwenkte er ein Mobiltelefon in der Hand und zeigte ihr ein Foto, auf dem sie lachend und tanzend zu sehen war.

„Wäre das nicht etwas für ihren Social Media Auftritt? Vielleicht könnten Sie mir verraten, wer diese Seite pflegt, dann kann ich das Bild zur Verfügung stellen. Nur mit Ihrer Erlaubnis selbstverständlich.“

„Oh, diesen Account betreue ich.“

„Ach wirklich? Dann gestatten Sie mir, meine aufrichtige Hochachtung zum Ausdruck zu bringen. Die Bilder und Texte sind durchweg hervorragend gestaltet. Sie sind eine wahre Künstlerin in diesem Fach.“

Nun errötete Maria Agnes endgültig. Das Lob erfreute sie ungemein, auch wenn sie den verdacht hegte, dass Herr Trapp schon zuvor gewusst hatte, dass sie die Richtige war.

„Also, wenn sie mir das Bild schicken, dann werde ich es gleich heute Abend hochladen.“

„Warum so lange warten? Benutzen Sie doch einfach jetzt schon mein Smartphone!“

Er hielt ihr das Gerät hin und zögerlich nahm sie es entgegen. Dass auf dem Display bereits die Anmeldeseite ihres Accounts geöffnet war, überraschte sie nicht mehr. Beim Eintippen ihres Passworts hielt sie es nah am Körper, damit ihr niemand zusehen konnte. Kaum eine Minute später war das Foto online.

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