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Chapter 4 by ThormGravis

Wie reagiert Lara auf den Traum?

Lara stellt Nachforschungen an

Lara benötigte einige Augenblicke, bis ihr klar wurde, dass sie geträumt hatte. Dennoch verblassten die Erinnerungen nicht so schnell wie üblich, sondern blieben wie verschwommene Erinnerungen in ihrem Geist. Die Pyramiden. Der Sandsturm. Die Augen.

Der Fick auf dem Altar war ihr ebenfalls noch bewusst, doch maß sie ihm weniger Bedeutung bei. Sie hatte oftmals erotische und auch gewalttätige Träume, die in Zusammenhang mit ihren Reisen und den von ihr gemeisterten Gefahren standen. Sie wusste um ihre physischen Reize und machte nicht selten zu ihrem Vorteil Gebrauch davon. Nicht ohne Grund hatte ihr noch niemand nachgesagt, eine anständige, ehrbare oder moralische Wissenschaftlerin zu sein. Während ihrer vergangenen Abenteuer hatte sie oftmals Sex gehabt, sowohl aus eigener Lust als auch leidenschaftslos und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht als auch erzwungenen Sex. Sie war in dieser Hinsicht mittlerweile reichlich abgebrüht und ohnehin hatte man ihr stets eine großes Maß an Kaltschnäuzigkeit und Gefühlskälte nachgesagt. Und so konnte dieser Teil des Traums sie nicht sonderlich schocken.

Aber die Umgebung in ihrem Traum ließ sie nicht los. Sie war sich klar darüber, dass sie nicht mehr würde einschlafen können, und stand auf. Einige Minuten später stand sie unter der Dusche und genoss das kalte Wasser, dass in Strömen über ihren heißen Körper floss und den Schweiß des nächtlichen Traumes von ihr abwusch. Sie verspürte eine seltsame Erregung und spielte für einen Augenblick mit dem Gedanken, sich selbst zu befriedigen. Lara schüttelte über sich selbst verwundert den Kopf, lehnte sich an die Wand, hielt den Kopf in das herabströmende Wasser und schloss die Augen. Sie atmete tief und sah vor ihrem geistigen Auge die Pyramiden und den aufziehenden Sandsturm. Meroe, ging ihr durch den Kopf.

Schlagartig war sie ganz klar im Kopf. Die Pyramiden von Meroe. Der Gedanke war so plötzlich gekommen, das sie zunächst nicht begriff, woher er stammte. Sie sprang aus der Dusche und trocknete sich hastig ab. Meroe. Wieso hatte sie niemals zuvor daran gedacht? Eilig zog sie sich einen String und ein altes, knappes T-shirt über, das sich so stark über ihre großen Brüste wölbte, dass es den Bauch und die Unterseite ihres Vorbaus freiließ, doch daran störte sich Lara nicht. Meroe. Meroe. Meroe. Den Namen im Geist immer wiederholend lief sie die Treppe nach unten, durchquerte den Saal mit ihrer Sammlung von mittel- und südamerikanischen Kulturgütern und erreichte ihr Arbeitszimmer. Alles war noch so wie sie es hinterlassen hatte.

Lara überflog den Text des arabischen Kaufmannes, obwohl sie ihn von der zahlreichen Lektüre mittlerweile nahezu auswendig kannte. Sie nickte. Dann wandte sie sich der Landkarte zu, fuhr mit dem Finger darüber und fand die Pyramiden von Meroe. Die Karte war sehr detailliert und Lara erkannte verschiedene Landmarken, die auch im Bericht des Kaufmannes verzeichnet waren. Bisher hatte sie stets angenommen, dass der Kaufmann viel weiter südlich gereist war, etwa in der Gegend des heutigen Djibuti, und hatte in dieser Gegend nach markanten Landmarken gesucht, die mit dem Reisebericht übereinstimmten. Es war ihr niemals gelungen, die beschriebene Route nachvollziehen zu können, doch jetzt... Wenn sie davon ausging, dass der Kaufmann bis Meroe gekommen war, konnte sie viele beschriebene Wegpunkte entdecken.

Lara hatte Meroe bisher nie in Betracht gezogen, da der Händler von Ruinen berichtete, die er "die Stadt des schwarzen Geistes" nannte und die er als uraltes Handelszentrum beschrieb. Nichts in diesen Formulierungen hatte auf die Totenanlagen von Meroe hingewiesen. Weder zur Zeit des Kaufmannes noch in den Jahrhunderten zuvor gab es in der Nähe der Pyramiden eine große Stadt, die - wie der Händler beschrieb - die Karawanen aus allen Teilen der Welt angezogen habe. Auch der Name "Stadt des schwarzen Geistes" war für die frühsudanesische Kultur äußerst ungewöhnlich.

Lara war sich ihrer Sache keineswegs sicher, denn alles was sie hatte waren einige geographische Übereinstimmungen und eine Ahnung, die aus einem Traum mit reichlich verdorbener Handlung stammte. Dennoch war sie von dieser Idee mehr als nur angetan. Sie hatte schon immer eine große Faszination für diesen alten Reisebericht und den darin beschriebenen, bisher noch von keinem Archäologen entdeckten Ort empfunden. Sicher, viele ihrer akademischen Kollegen hielten die "Stadt des schwarzen Geistes" für einen ebensolchen Mythos wie die im Text beschriebenen Fabelwesen, doch Lara hatte schon oft genug bewiesen, dass sie die richtige Frau war, um vergessene Orte aufzuspüren und die akademische Welt eines besseren zu belehren.

Ihre Entscheidung war gefallen. Obwohl gerade erst die Sonne aufging, griff sie zum Telefon und wählte. Nach etlichen Sekunden des Klingelns wurde am anderen Ende abgehoben. "Manderscheidt", meldete sich eine äußerst verschlafene und reichlich missgelaunte Stimme.

"Hey, Professor. Entschuldigen sie die frühe Störung", meldete sich Lara, deren Stimme sich am genau entgegengesetzten Ende der Stimmungsskala befand.

"Wer ist denn da?" knurrte Manderscheidt.

"Lara. Lara Croft."

"Lara." Manderscheidts Stimme wurde schlagartig freundlicher. "Was verschafft mir denn diese frühe Ehre?"

"Ich muss sie unbedingt sprechen, Professor. Ich habe einige wichtige Fragen an sie, die ich nicht über das Telefon erledigen kann." Sie fürchtete, er würde sie für endgültig durchgeknallt halten, wenn sie ihm einfach so von ihrer Eingebung bezüglich der Stadt des schwarzen Geistes erzählen würde. Wenn sie ihn überzeugen wollte, musste sie ihm die Übereinstimmungen auf Karte und im Reisebericht vorlegen.

"Bist du in etwa in Deutschland, Lara?" Manderscheidts Stimme klang mittlerweile neugierig. Er war zwar ein Mann der exakten Wissenschaft und betrieb eigentlich nur Forschungen in seiner Bibliothek, hatte aber im Gegensatz zu den meisten Archäologen, die in Lara das schwarze (wenn auch äußerst attraktive) Schaf ihrer Zunft sahen, stets ein offenes Ohr für die unkonventionellen Ideen der Abenteurerin.

"Nein, aber wenn sie Zeit haben, nehme ich den ersten Flieger nach Frankfurt, den ich bekommen kann." Lara tippte nebenbei bereits auf der Tastatur ihres Smartphones und checkte die Abflugpläne der Londoner Flughäfen.

"Aber sicher. Du bist mir immer willkommen. Worum geht es denn?"

"Um die Stadt des schwarzen Geistes." Lara wählte nebenbei einen Flug aus und buchte ihn.

Auf der anderen Seite der Leitung herrschte für einen Augenblick Totenstille. Lara hatte Manderscheidt schon häufig von ihren Theorien berichtet und wahrscheinlich hielt er diese Sache für eine fixe Idee, für Laras weißen Wal, den sie jagte wie es Ahab mit Moby Dick tat. Dann hatte der Professor gesammelt. "Na schön, Lara. Sag mir bescheid, wenn du gelandet bist."

Kommt Lara ohne Zwischenfälle an?

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