What's next?
KitKat 1
Am Freitagabend lag über der Steglitzer Wohnung jene eigentümliche, knisternde Anspannung, die sich immer dann einstellte, wenn die vertrauten Wände ihre schützende Funktion verloren. Der Geruch von Haarspray, teurem Puder und dem herben Leder der Clubgarderobe hatte die Zimmer eingenommen.
Um Punkt acht Uhr klingelte es. Als ich auf {reader:Loonas} stummen Wink die Tür öffnete, stand Nadja im Flur. Ihr kastanienbraunes Haar fiel in weichen, glänzenden Wellen über die Schultern, und ihre rehbraunen Augen musterten mich sofort mit jener trügerischen Wärme, die mich im Salon fast entwaffnet hatte – bis zu dem Moment, in dem sie die Gerte geführt hatte. Sie trug ihren langen, dunklen Wollmantel noch geschlossen, doch um ihren Hals lag bereits ein schmaler Riemen aus glänzendem Lack, und der feine, pudrige Vanilleduft, der von ihr ausging, schnitt mir augenblicklich den Atem ab.
„Guten Abend, John“, sagte sie mit einer fast melodischen Sanftheit, strich mir im Vorbeigehen flüchtig über die Wange und reichte mir ihren Mantel, den sie mit einer fließenden Bewegung abgestreift hatte.
Darunter trug sie ein eng anliegendes, tief dekolletiertes Oberteil aus mattschwarzem Latex, das ihre weichen Formen perfekt nachzeichnete, kombiniert mit einem hauchdünnen, asymmetrischen Wickelrock, der bei jedem Schritt den Blick auf ihre Schenkel und die filigranen Riemchen ihrer hohen Absätze freigab. Die scheinbare Harmlosigkeit ihres Gesichts stand in einem betörenden, gefährlichen Kontrast zu der absoluten Dominanz ihres Outfits.
Loona trat aus ihrem Zimmer. Ihr langes schwarzes Haar war streng zu einem hohen Pferdeschwanz nach hinten gebunden; nur eine einzelne, feine Strähne war entwischt und fiel ihr quer über die Wange. Ihre durchdringenden grünen Augen funkelten kalt und aufmerksam. Sie hatte sich für ein architektonisch geschnittenes Ensemble entschieden: Ein bauchfreies Harness-Top aus dickem Sattelleder schnürte ihren Oberkörper ein, gehalten von silbernen Beschlägen, dazu ein ultrakurzer Faltenrock aus tiefschwarzem Lack und wadenhohe Schnürstiefel mit messerscharfen Pfennigabsätzen. Neben ihr wirkte Nadja wie die sinnliche Verführung, während Loona die pure, unnachgiebige Härte verkörperte.
„Ins Bad mit ihm“, sagte Loona an Nadja gewandt, ohne den Blick von mir zu wenden. „Wir machen ihn fertig.“
Vor dem großen Spiegel im Badezimmer stand ich vollkommen entblößt. Beide Frauen bauten sich hinter mir auf, musterten mein Spiegelbild wie zwei Bildhauerinnen, die ein Ausstellungsstück prüften.
Nadja trat heran und nahm das Oberteil aus feinstem, schwarzem Mesh vom Rand des Waschbeckens. Der Stoff glitt kühl und elastisch über meine Arme und spannte sich hauteng über meine Brust. Durch die winzigen Waben des Gewebes zeichneten sich die Muskeln und die dunklen, noch immer empfindlichen Höfe meiner Brustwarzen schonungslos ab.
„Er ist gut in Form“, bemerkte Nadja leise, während ihre Finger durch das Mesh strichen und genau den Punkt berührten, an dem vor Tagen noch die Klemmen gesessen hatten. Ein unwillkürliches Zittern lief durch meinen Brustkorb.
Dann trat Loona vor mich. Sie hielt den schmalen Lederslip. Ich musste ein Bein nach dem anderen heben, um hineinzusteigen. Das Leder war so knapp geschnitten, dass es tief unter dem Schambein saß. Die vordere Aussparung umschloss den Ansatz des Gehäuses exakt: Die winzige Micro-Hülse aus Chirurgenstahl lag völlig frei – eine fugenlose, glatte Einheit ohne Bügel, Ösen oder Vorhängeschloss. Nur der bündig eingelassene Zylinderstift mit dem winzigen Schlüsselloch an der Unterseite verriet das unerbittliche Rotationssystem, das mein Fleisch im Inneren gnadenlos komprimierte. Die verstärkte Frontplatte drückte kalt gegen meine Eichel. Doch das Entscheidende war die Flanke: Der Bund des Leders endete mehrere Zentimeter unter dem Beckenkamm. Das Fineline-Tattoo – das nach unten weisende Dreieck mit dem integrierten Venussymbol (∇ + ♀) – stand vollkommen unbedeckt auf meiner hellen Haut. Es war unmöglich zu übersehen. Jeder Blick würde unweigerlich von dem tiefschwarzen Zeichen hinab zu dem nahtlos geschlossenen Metallzylinder wandern.
Zuletzt legte Loona mir den breiten Choker aus schwarzem Samt um den Hals. Er schmiegte sich exakt über den stählernen Ring an meiner Drosselgrube; der silberne Führungsring an der Kehle klirrte leise, als sie ihn einrasten ließ.
„Sieh dich an“, flüsterte Loona hinter mir. Ihre grünen Augen fixierten mein Spiegelbild, während ihre Hände von hinten auf meine Schultern sanken und mich zwangen, den Kopf aufrecht zu halten. „Kein Medizinstudent. Kein Kollege. Du bist das, was heute Nacht sichtbar sein muss: vollkommen versiegelt.“
Nadja trat an meine Seite, neigte den Kopf und lächelte ihr warmes, zuckersüßes Lächeln. Sie strich mit der Kuppe ihres Zeigefingers langsam die Linien des Venussymbols an meiner Hüfte nach. Der Druck ihrer Fingerkuppe ließ das abgeheilte Gewebe vibrieren.
„Sie werden dich anstarren, John“, raunte sie, und ihr Vanilleduft hüllte mich ein. „Und du wirst jeden einzelnen Blick ertragen, ohne den Kopf zu heben. Für uns.“
Sie warfen mir einen weiten, bodenlangen Mantel über die Schultern, der mein Outfit vor den Blicken im Treppenhaus und auf der Straße verbarg, und schlossen ihn locker mit einem Bindegürtel.
Draußen vor dem Haus wartete bereits das bestellte Großraumtaxi im kalten Nieselregen. Der Fahrer war ein älterer Mann, der stumm in den Rückspiegel starrte, als wir einstiegen. Loona und Nadja setzten sich links und rechts von mir auf die Rückbank und drängten mich genau in die Mitte.
Die Fahrt über die Stadtautobahn und den Mehringdamm zog sich wie eine Ewigkeit hin. Im gedämpften Licht der Straßenlaternen, die rhythmisch durch die nassen Scheiben blitzten, herrschte fast völliges Schweigen. Unter dem Stoff des Mantels spürte ich die Präsenz der beiden Frauen mit jeder Faser. Loona schlug ihr Bein über meines; das kühle Leder ihres Stiefels drückte fest gegen mein Schienbein. Nadja legte ganz beiläufig ihre Hand auf meinen Oberschenkel, ihre lackierten Fingernägel bohrten sich millimetergenau neben den stählernen Basisring in mein Fleisch. Bei jeder Bremsung, bei jeder Kurve drückte die fugenlose Stahlhülse unbarmherzig gegen meine Schenkel. Ich starrte starr geradeaus auf das Armaturenbrett, unfähig, mich zu rühren, gefangen zwischen zwei Frauen, die mich wie eine kostbare Fracht transportierten.
Schließlich bog das Taxi in die Köpenicker Straße ein.
Das dumpfe, markerschütternde Wummern der Bässe war schon aus hundert Metern Entfernung durch die geschlossenen Autofenster zu spüren – ein pulsierender Herzschlag aus Subwoofern, der direkt in meine Magengrube fuhr. Vor dem Eingang des KitKatClubs staute sich die Menschenmenge unter den fahlen Straßenlaternen: nackte Haut im Nieselregen, Lackmäntel, Ketten, glänzendes Leder und aufgeregtes Lachen.
Das Taxi hielt am Bordstein. Loona bezahlte über die App, wandte sich mir noch einmal zu und griff nach dem Reißverschluss meines Mantels. Mit einer einzigen, ruhigen Bewegung zog sie ihn bis zur Hüfte auf, sodass das schwarze Mesh und der Samtchoker an meiner Kehle frei lagen.
„Mantel bleibt an, bis wir an der Garderobe sind“, sagte sie leise, und ihre grünen Augen blitzten in der Dunkelheit des Wagens auf. „Danach gibt es keinen Schutz mehr für dich. Du folgst meinen Absätzen, John. Wenn ich stehen bleibe, bleibst du stehen. Du existierst heute nur durch uns.“
„Ja, Loona“, brachte ich hervor. Meine Stimme klang rau gegen den Lärm der Straße.
Nadja öffnete die Tür. Der kalte Nachtwind schlug herein, gemischt mit dem schweren Geruch von Nebelfluid und Szene-Parfüms. Sie stiegen aus, und ich folgte ihnen auf den nassen Gehweg, mitten hinein in den Schatten des Clubs.
Der Weg vom nassen Pflaster der Köpenicker Straße bis zur Selektion war ein einziger Spießrutenlauf gegen mein eigenes Nervensystem. Jeder Schritt ließ die stählerne Micro-Hülse gegen den Ansatz meiner Oberschenkel reiben; die feste Frontplatte drückte unnachgiebig auf meine Eichel und erinnerte mich mit jedem Pulsieren daran, dass kein Quadratzentimeter meines Fleisches Raum zum Ausweichen hatte.
Vor der schweren Metalltür trat der Türsteher aus dem Lichtkegel der Heizstrahler. Ein hagerer Mann im schwarzen Lederharnisch, mit kahlgeschorenem Kopf und diesem typisch gelangweilten, sezierenden Blick der Berliner Clubtür. Er sah Loona an, glitt über das dicke Sattelleder ihres Harness-Tops, nickte kaum merklich und ließ seinen Blick zu Nadja wandern, deren rehbraune Augen ihn mit einer ruhigen, fast beiläufigen Kälte fixierten.
Dann blieb sein Blick an mir hängen.
Loona griff nach dem Reißverschluss meines Mantels und zog ihn mit einer fließenden Bewegung ganz nach unten, sodass der Stoff über meine Schultern fiel. Das grelle Scheinwerferlicht traf mein durchscheinendes Mesh-Oberteil, die Konturen meiner Brust, den tief sitzenden Lederslip und das unverkennbare, gestochen scharfe Dreieck mit dem Venussymbol auf meinem Beckenkamm. Die Micro-Hülse zeichnete sich als fugenlose, zylindrische Wölbung ab, der matte Chirurgenstahl glänzte im Halbdunkel.
Der Türsteher hob eine Augenbraue, musterte das bündig sitzende Metall ohne Vorhängeschloss, dann die frische schwarze Tinte daneben. Ein feines, anerkennendes Schmunzeln zuckte über seine Lippen.
„Gute Arbeit“, bemerkte er trocken, trat zur Seite und stieß den schweren Vorhang zur Schleuse auf. „Geht durch.“
Der Vorhang fiel hinter uns zu, und mit einem Schlag wurde die Außenwelt von einer massiven Druckwelle aus Schall, Hitze und Gerüchen zermalmt. Es roch nach kaltem Kunstnebel, süßlichem Popper-Aroma, verdampftem Schweiß und dem herben Duft von poliertem Lack und Leder. Bässe im Viervierteltakt hämmerten so wuchtig durch den gefliesten Boden, dass der Stahl an meinem Schambein im selben Rhythmus vibrierte.
An der Garderobe streiften die beiden Frauen ihre Mäntel ab. Ich nahm sie stumm entgegen, legte meinen eigenen dazu und trat an den Tresen. Als ich die Marken entgegennahm und mich umwandte, existierte kein bürgerlicher Schutz mehr.
Loona hakte eine kurze, matte Metallkette in den silbernen Führungsring meines Samtchokers ein. Das leichte Klicken des Karabiners fühlte sich an wie das Schließen einer Handschelle. Sie reichte das Lederende der Kette beiläufig an Nadja weiter.
„Du führst ihn zuerst“, sagte sie mit einem flüchtigen Lächeln ihrer grünen Augen. „Er soll spüren, dass er heute keinem von uns allein gehört.“
Nadja nahm die Schlaufe in die Hand, wickelte das Leder zweimal fest um ihre Handgelenke und straffte den Zug. Der Reif schnitt leicht in meine Drosselgrube, zwang mich, das Kinn zu heben und gleichzeitig den Schritt zu verkürzen.
„Komm, John“, raunte sie sanft, der Duft ihres vanilligen Parfüms schnitt durch den Schweißgeruch des Ganges. „Bleib schön nah bei mir.“
Wir tauchten in das schummrige Labyrinth des Clubs ein.
Es war mein erstes Mal im KitKatClub. Bisher kannte ich die Erzählungen nur aus den raunenden Gesprächen an der Uni oder den verklärten Berichten aus der Berliner Szene – ein mythischer Ort, berüchtigt, grenzenlos, verrucht. Doch nun selbst mitten in diesem pulsierenden Koloss zu stehen, riss ein heilloses Chaos in meiner Brust auf.
Mein Blick saugte gierig die Szenerie ein, getrieben von einer fast fiebrigen Neugier. Durch die dichten, violett und rot ausgeleuchteten Nebelschwaden zeichneten sich Gestalten ab, die jede gesellschaftliche Norm hinter sich gelassen hatten: Körper, die sich eng umschlungen auf Podesten bewegten; Männer in Harnessen, die reglos wie Statuen an den Wänden lehnten; Frauen in glänzendem Latex, die mit herrscherhafter Selbstverständlichkeit an mir vorbeistrichen. Wir passierten offene Séparées mit schweren Samtvorhängen, hinter denen rhythmische Bewegungen und heisere Laute zu erahnen waren, und den berühmten Poolbereich, dessen türkisblaues Wasser im Halbdunkel schimmerte, während Menschen am Rand lagen und sich schamlos berührten. Die ungefilterte Freiheit dieses Raumes wirkte überwältigend, elektrisierend.
Gleichzeitig zog sich mir bei jedem Schritt der Magen zusammen. Eine Welle peinlich berührter Angst schnürte mir die Kehle zu. Ich ging hier nicht als freier Besucher, der selbstbestimmt durch die Nacht trieb. Ich war an der Kette. Unter dem hauchdünnen, durchscheinenden Mesh lag mein gesamter Oberkörper für jeden offen, das Leder an meiner Hüfte sparte den matten Chirurgenstahl nicht aus, und das frische Siegel brannte quasi unter den Blicken der Fremden. Die Scham darüber, so offen vorgeführt zu werden – markiert, gefangen und als willenloses Beiwerk zweier wunderschöner Frauen präsentiert –, brannte mir heiß in den Wangen.
Und doch war da dieses andere, dunkle Gefühl, das mich noch tiefer erschütterte: Eine prickelnde, verbotene Freude. Eine Erregung, die so intensiv war, dass mein Fleisch sich hilflos gegen die stählerne Micro-Hülse stemmte, nur um augenblicklich an der harten Frontplatte zerschellt zu werden. Der Schmerz des eingesperrten Gliedes, gemischt mit dem Zug der Kette an meiner Kehle und dem Gefühl, genau die Rolle auszufüllen, die Loona und Nadja für mich bestimmt hatten, erfüllte mich mit einem berauschenden Hochgefühl. Ich genoss es insgeheim, nichts verbergen zu können. Es war eine perverse Erleichterung, die Kontrolle an der Garderobe abgegeben zu haben und das Verlangen der Menge als gezeichnetes Eigentum zu spüren.
Jemand strich mir im Gedränge mit der flachen Hand über die freie Haut meines Rückens; ein anerkennender Pfiff ging im wummernden Bass unter. Eine Frau im Lackkorsett musterte meinen versiegelten Schritt, sah zu Loona auf und raunte ihr ein amüsiertes „Schönes Stück hast du da“ zu. Loona reagierte nicht einmal mit einem Wimpernschlag – sie schritt mit hoch erhobenem Kopf voran, voller Selbstverständlichkeit, als führe sie ein abgerichtetes Zuchttier durch ihren eigenen Garten.
„Dort drüben an die Lounge-Bar“, bestimmte Loona schließlich und wies mit dem Kinn auf die geschwungene, dunkle Theke am Rand der zweiten Tanzfläche. Die Musik war hier etwas dumpfer, getragen von tiefen, rollenden Tech-House-Bässen, während das Licht in warmen Bernsteintönen über den schwarzen Tresen strich.
Nadja zog die Kette straff und brachte mich genau einen halben Schritt hinter den beiden Frauen zum Stehen. „Warte hier. Rühr dich nicht von der Stelle.“
Ich schlug die Hände hinter dem Rücken zusammen, die Finger ineinander verschränkt, die Knie eng zusammengepresst, um der Kälte des Stahls zwischen meinen Schenkeln standzuhalten. Mein Atem ging stoßweise. Mein Puls dröhnte in meinen Ohren im Takt der Bässe.
Loona und Nadja wandten sich dem Barkeeper zu und bestellten.
Ich starrte auf die dunklen Dielen zu meinen Füßen, bemüht, die Hitze in meinem Gesicht zu kontrollieren und das Pochen im Metall zur Ruhe zu zwingen.
Dann, keine drei Meter rechts von mir, ertönte ein Lachen.
Kein lautes, obszönes Grölen. Ein klares, leises, unendlich vertrautes Schmunzeln, das sofort jeden Beat des Clubs übertönte und wie flüssiges Eis durch meine Adern schoss. Es war das Lachen, das sonst nach einer gelungenen Differenzialdiagnose durch den Seminarraum 3 der Charité hallte.
Mein Nacken versteifte sich zur Salzsäule. Mein Verstand weigerte sich, die Information zu verarbeiten, doch mein Blick hob sich gegen jeden inneren Befehl um einen winzigen Spalt.
An eine schwere, mit schwarzem Samt bezogene Säule gelehnt stand eine Frau.
Es war Mira.
Doch es war nicht die Mira aus der zweiten Hörsaalreihe mit den zusammengebundenen Haaren, der randlosen Brille und den drei Textmarkern vor sich auf dem Pult. Die dunklen Haare fielen ihr heute Abend in wilden, glänzenden Wellen über die nackten Schultern, kunstvoll zerzaust. Ihr Gesicht war betont geschminkt, die Lippen dunkel umrandet, die Brille verschwunden. Sie trug ein tief ausgeschnittenes, rückenfreies Neckholder-Top aus mattem, pechschwarzem Leder, das ihre schmale Taille und den zarten Ansatz ihrer Rippen betonte. Darunter knappe, eng anliegende Leder-Hotpants, die den Blick auf ihre endlos langen, makellosen Beine freigaben.
Und an ihren Füßen saßen die Stiefel.
Dieselben dunkelbraunen, kniehohen Glattleder-Stiefel mit den markanten silbernen Schnallen an den Fesseln, deren Spitzen mich am Donnerstagnachmittag noch unter dem Besprechungstisch berührt hatten. Das Leder glänzte im bernsteinfarbenen Licht der Lounge, der schmale Absatz verankerte sie sicher auf dem Boden. Sie hielt ein schlankes Glas in der Hand, nippte beiläufig daran und lauschte einem hochgewachsenen Mann im Netzhemd, der sich zu ihr beugte.
Ich wollte den Kopf nach unten reißen, wollte mich in Luft auflösen – doch es war zu spät.
Als hätte sie den stechenden Druck meines Blicks gespürt, drehte Mira den Kopf.
Ihre dunklen Augen trafen meine.
Für zwei, drei Takte der Musik schien der Bass auszufallen. Der Club, der Nebel, das Stimmengewirr – alles trat in eine unwirkliche Stille zurück.
Miras Miene veränderte sich mit beunruhigender Langsamkeit. Es gab keinen Moment des Erschreckens, kein peinliches Zusammenzucken, kein unsicheres Zögern. Ihre Augen weiteten sich nur um den Bruchteil eines Millimeters, als sie mich erkannte.
Dann glitt ihr Blick nach unten.
Er wanderte an meinem durchscheinenden Mesh-Shirt herab, strich über den Samtchoker und die Metallkette, die von meinem Hals hinab zu {reader:Nadjas} Handgelenk führte. Er verweilte an meinem linken Beckenkamm, wo das Fineline-Tattoo ($\nabla$ + ♀) tiefschwarz auf der Knochenkante stand. Und schließlich senkte sich ihr Blick auf den knappen Lederslip und die fugenlose, glänzende Stahlhülse, die mein Fleisch mit gnadenlosem Druck gefangen hielt.
Das Begreifen in ihrem Gesicht war absolut.
Die angebliche Muskelzerrung nach dem Wochenende. Das steife Sitzen. Die Unfähigkeit, sich nach den Büchern im untersten Fach zu bücken. Das Schloss, das sie am Hals ertastet hatte. Das Siegel, das sie unter dem Kittel vermutet hatte. Jedes Detail, das sie an der Charité mit analytischer Präzision beobachtet hatte, fiel vor ihren Augen an seinen endgültigen, unumstößlichen Platz.
Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen – nicht spöttisch, sondern dunkel, fasziniert und getragen von einer atemberaubenden, ruhigen Überlegenheit. Die kluge, ehrgeizige Medizinstudentin hatte nicht nur ein medizinisches Rätsel gelöst; sie stand vor dem lebenden Beweis dafür, dass ihr Kollege vollkommen in der Hand anderer Frauen war.
Sie stellte ihr Glas mit einer langsamen, kontrollierten Bewegung auf dem Stehtisch ab. Sie wechselte kein Wort mehr mit dem Mann im Netzhemd, schenkte ihm nicht einmal einen verabschiedenden Blick.
Stattdessen wandte sie sich ganz mir zu.
Das weiche Leder ihrer Stiefel knarrte leise, als sie sich von der Säule abstieß. Mit jenen geschmeidigen, zielstrebigen Schritten, die ich aus den Klinikfluren kannte, setzte sie sich in Bewegung – geradeaus, unaufhaltsam, direkt auf mich zu.
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