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Chapter 4
by
Mudley
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Kapitel 4: Der erste Schultag – Nach der Vorstellung
Nach dem Ende der Vorstellungsrunde erhoben sich die Lehrer vom Podium. Direktor von Bergen klatschte einmal scharf in die Hände, und sofort wurde es still in der Aula.
„Der Vormittag ist nun beendet“, verkündete er mit seiner tiefen, durchdringenden Stimme. „Ihr habt bis 14 Uhr Zeit, euch in euren Zimmern einzurichten, die Schlafsäle zu beziehen und euch mit dem Gelände vertraut zu machen. Um 14 Uhr beginnt der reguläre Unterricht mit den jeweiligen Fachlehrern. Pünktlichkeit wird erwartet. Wer zu spät kommt, meldet sich anschließend bei mir persönlich.“
Die Mädchen erhoben sich zögernd, das Scharren der Stuhlbeine hallte durch den Saal. Kleine Grüppchen bildeten sich, flüsterndes Tuscheln breitete sich aus. Manche der Neuen warfen unsichere Blicke zu den älteren Schülerinnen, die bereits wussten, was auf sie zukam.
Lisa Hartmann hielt sich dicht bei Maria Schmidt, die sie während der Vorstellung neben sich gehabt hatte. „Hast du schon ein Zimmer zugeteilt bekommen?“, fragte Lisa leise.
Maria nickte. „Zimmer 12, dritter Stock. Mit Anna und Sophie, glaube ich. Und du?“
„Zimmer 14, nebenan. Mit Julia und Emma.“ Lisa biss sich auf die Lippe. „Ich... ich hab ein komisches Gefühl bei der Sache hier.“
Maria legte ihr kurz die Hand auf den Arm. „Wir alle. Aber wir halten zusammen, okay? Immer zu zweit oder zu dritt gehen, nie allein mit einem von denen.“
In einer anderen Ecke standen die Zwillinge Annika und Svenja Larsen eng beieinander, ihre identischen blonden Köpfe dicht nebeneinander. „Wir teilen natürlich ein Zimmer“, sagte Annika leise. „Und wir lassen uns nicht trennen. Egal was passiert.“
Svenja nickte grimmig. „Wenn einer kommt, schreien wir. Laut.“
Laura Becker, die mit den pinken Haaren, lehnte lässig an einer Säule und beobachtete die Lehrer, die sich langsam zur Tür bewegten. Professor Richter, der Sportlehrer, blieb einen Moment stehen und ließ seinen Blick über die Mädchen schweifen. Als er bei Laura hängen blieb, grinste er kurz und zwinkerte ihr zu. Laura erwiderte den Blick kalt, drehte sich dann abrupt um und ging Richtung Ausgang.
Um 13:50 Uhr läutete die Glocke zum Unterrichtsbeginn. Die ersten Stunden waren harmlos: Mathematik bei Professor Meier, Biologie bei Professor Schwarz. Die Lehrer verhielten sich vorbildlich, stellten Fragen, lobten richtige Antworten, tadelten Fehler mit mildem Ton.
Doch gegen 16 Uhr änderte sich die Stimmung.
Direktor von Bergen betrat unerwartet den Biologieunterricht von Professor Schwarz. Die Mädchen saßen an den hohen Labortischen, vor sich Präparate und Mikroskope.
„Entschuldigen Sie die Störung, Herr Kollege“, sagte von Bergen höflich. Sein Blick schweifte durch den Raum und blieb an Sophie Klein hängen, der schüchternen Blondine mit den langen Zöpfen. „Fräulein Klein, Sie kommen bitte kurz mit mir. Es gibt eine kleine Angelegenheit bezüglich Ihrer Anmeldung zu klären.“
Sophie wurde blass. Sie spürte die Blicke der anderen auf sich. Langsam stand sie auf, ihre Hände zitterten leicht.
„Direktor, kann das nicht warten?“, fragte Professor Schwarz mit einem wissenden Unterton. „Wir sind gerade bei einem wichtigen Thema.“
„Nur fünf Minuten“, erwiderte von Bergen lächelnd. „Sie bekommen sie unversehrt zurück.“
Sophie folgte ihm mit gesenktem Kopf aus dem Raum. Die Tür schloss sich hinter ihnen. Im Klassenzimmer wurde es totenstill.
Professor Schwarz räusperte sich. „Weiter im Text. Seite 142, die Zellteilung.“
Draußen auf dem Flur führte von Bergen Sophie nicht ins Direktionszimmer, sondern die Treppe hinunter, Richtung Kellergeschoss. Sophie blieb abrupt stehen.
„Herr Direktor... wo gehen wir hin?“ Ihre Stimme war kaum hörbar.
„Nur ein kleiner Umweg, meine Liebe“, antwortete er ruhig und legte seine große Hand auf ihre Schulter. „Du bist neu hier. Es gibt ein paar Regeln, die wir gleich persönlich besprechen werden. Ganz unter uns.“
Sophie versuchte zurückzuweichen, doch seine Hand hielt sie fest. „Ich... ich möchte zurück in den Unterricht.“
Von Bergen lächelte mild. „Das wirst du auch. Nach unserer kleinen Unterredung.“
Er führte sie weiter die steinerne Treppe hinunter, bis sie vor der schweren Eisentür standen, die in den Kerker führte. Mit einem großen Schlüssel, den er aus der Tasche zog, schloss er auf. Die Tür quietschte leise, als sie sich öffnete. Kalte, feuchte Luft schlug ihnen entgegen.
Sophie begann zu zittern. „Bitte... nein...“
„Keine Angst“, sagte von Bergen sanft, aber bestimmt, und schob sie sanft vor sich her in den dämmrigen Gang. „Es wird dir nichts passieren. Dein Körper bleibt unversehrt, das verspreche ich dir. Aber Disziplin beginnt mit Gehorsam. Und Gehorsam lernen wir am besten... ganz praktisch.“
Die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss. Oben im Klassenzimmer starrten die anderen Mädchen stumm auf Sophies leeren Platz. Maria biss sich auf die Lippe. Anna ballte die Fäuste.
Der erste Schultag hatte gerade erst richtig begonnen.
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