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Chapter 23
by
Papas_Liebling
What's next?
Jenkins Büro
Der Raum war groß und kühl. Jenkins' Büro war nicht dazu geschaffen, um zu arbeiten, es war die Inkarnation seiner Bedeutung. Er trug eine AR-Brille, die sofort persönliche Daten über seine Besucher einblendete, wenn jemand den Raum betrat.
Er lächelte nicht.
„Miss Lehnert, was bringt sie zu mir?“ Sein Tonfall sagte, dass er sie erwartet hatte. „Bitte setzen Sie sich.“
Sie tat es. Der Besucherstuhl war niedriger als sein Chefsessel.
Jenkins ließ sich Zeit, navigierte mit Augen- und Fingerbewegungen durch unsichtbare Menüs. Akten erschienen, verschwanden wieder. Marie konnte undeutlich die Reflektionen in seinen Pupillen sehen. Was wusste er über sie? Wie umfangreich waren die Dossiers, die der amerikanische Geheimdienst über sie angelegt hatte? Vermutlich standen darin auch Dinge, die sie nie jemandem erzählt hatte. Oder Dinge, die sie sich selbst nicht eingestehen wollte.
„Interessante Nacht gehabt?“, fragte er irgendwann beiläufig.
Marie ruckte hoch. Sie saß stocksteif auf ihrem Stuhl. Größer als ihre Nervosität war nur noch ihre Wachsamkeit.
„Deshalb bin ich hier“, antwortete sie schließlich.
Jenkins lehnte sich zurück. Musterte sie über seine zusammengelegten Fingerspitzen hinweg. Sein Blick ruhte auf ihr. Lange. Er ließ die Zeit für sich arbeiten.
Marie spürte, wie sie mit jeder Minute unruhiger wurde, doch sie konnte nichts dagegen tun. Um die unangenehme Stille zu beenden, stellte sie eine Frage, obwohl sie die Antwort schon wusste.
„Woher wissen Sie, was letzte Nacht geschehen ist?“
Ein leichtes Nach-oben-ziehen eines Mundwinkels war alles, was seine Emotion verriet.
„In diesem Land sind Nächte selten privat. Und die Sicherheit unserer Gäste ist für uns von höchster Wichtigkeit, weshalb wir stets darauf bedacht sind, dass ihnen nichts zustößt. Deshalb bleibt Steve eng in Kontakt mit Ihnen. Es sei denn, Sie wollen auf Ihren Status als Gast verzichten.“
Er ließ den letzten Satz im Raum stehen, ohne zu erklären, was er damit andeuten wollte. Die Stille dehnte sich und begann, für Jenkins zu arbeiten. Marie wurde zusehends nervöser, während sie darüber nachdachte, worauf er hinauswollte.
Mit einer Geste seines kleinen Fingers ließ Jenkins ein Dokument zwischen ihnen in der Luft entstehen. Marie erkannte darauf ihren Namen.
„Was ist das?“, fragte sie misstrauisch.
„Nur ein internes Memorandum, das die Rahmenbedingungen Ihrer Anwesenheit in unserem Land regelt. Es ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Eine Sache zwischen Ihnen persönlich und meiner Behörde. Damit es Wirksamkeit entfaltet, dürfen Sie es auch nicht den anderen Mitgliedern Ihrer Delegation offenbaren.“
Marie blinzelte. Sie überflog den Text. Es war kalte, juristische Sprache, aber mit einer Sprengkraft von Megatonnen.
„Das ist …“, begann sie, verschluckte allerdings das „unannehmbar“, das sie eigentlich aussprechen wollte.
„Nur eine Geste des guten Willens“, führte Jenkins ihren Satz zu Ende. „Keine dauerhafte Verpflichtung. Wir regeln damit lediglich die offenen Fragen, die Ihr Aufenthalt in den USA aufwirft.“
Er beugte sich über den Schreibtisch nach vorn. Es wirkte nicht aggressiv, eher so, als wolle er Vertraulichkeit herstellen.
„Wenn Sie unterschreiben, Miss Lehnert, bleiben Sie Mitglied Ihrer Delegation.“
Was geschehen würde, wenn sie sich weigerte zu unterschreiben, ließ er bewusst offen.
Sie dachte nach. Würde sie Étienne hintergehen, wenn sie eine private Vereinbarung mit den Amerikanern schloss, um hierbleiben zu können? Oder wäre dies sogar ganz in seinem Sinne? Sie solle ihre persönlichen Neigungen den politischen Notwendigkeiten unterordnen, hatte er verlangt. Obwohl er ihr Vorgesetzter war, konnte sie ihn nicht um Hilfe bitten. Seine Maxime war, alles für den Erfolg der Verhandlungen zu tun. Wenn es diesem Ziel diente, würde er auch sie opfern, ohne mit der Wimper zu zucken.
Da steckte sie ganz schön in der Klemme.
Sie befeuchtete ihre Lippen, die sich plötzlich trocken anfühlten. „Habe ich Bedenkzeit?“
„Ja, selbstverständlich.“ Jenkins lehnte sich wieder zurück. Er wirkte zufrieden. „Bis nach der heutigen Verhandlungsrunde. Dann brauche ich Ihre Antwort.“
Marie nickte, stand auf und ging in Richtung Ausgang. Auf halbem Weg blieb sie stehen und drehte sich um.
„Andererseits…“ Sie legte einen Finger an ihre Unterlippe als Zeichen des Nachdenkens. „Vielleicht können wir über die konkreten Bedingungen noch verhandeln? Lassen Sie mich aufzeigen, was ich zu bieten hätte.“
Sie setzte sich auf die Tischkante und lehnte sich zurück. Sehr weit zurück. Ihr Rock rutschte hoch. Da sie kein Höschen trug, war sie sicher, dass sie damit die beabsichtigte Wirkung erzielte.
Jenkins Blick rutschte nach unten. Ein breites Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht.
„Das ist durchaus eine interessante Verhandlungsposition“, bestätigte er.
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Amerika 2075
Eine dystopische Zukunft ... oder doch nicht?
**Diese Geschichte ist reine Fantasie und hat keinen Bezug zur Realität und stellt keinen Kommentar zu tatsächlichen Ereignissen oder Personen dar.** - Die USA haben gewählt und einen Präsidenten an die Macht gebracht, der das Land Zug um Zug in eine frauenfeindliche Diktatur umwandelte. Internationale Handelsbeziehungen wurden gekappt, die Grenzen abgeschottet. Fünfzig Jahre in unserer Zukunft lässt das Regime einige Ausländer ins Land, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Was werden sie vorfinden? Werden sie Amerika verändern oder wird Amerika sie verändern?
Updated on Jun 12, 2026
by Papas_Liebling
Created on Dec 29, 2025
by Papas_Liebling
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