Anja

Anja

Da hatte mir mein Mann Michael ja etwas eingebrockt. Ich war in unserer Firma verantwortlich für das Personalmanagement und die Kundenbetreuung.

Jetzt wollte Michael, dass ich einen alten Schulkameraden bei uns unterbringe und dabei war das nicht einmal ein guter Freund von ihm, eher im Gegenteil.

Michael war damals mit ihm in eine Klasse gegangen und Kato, wie er genannt wurde und mit tatsächlichem Namen Karl Tomtschek hieß, war zu der Zeit bereits zweimal sitzen geblieben und für seine körperliche Gewalt und Diebstahlsdelikte bekannt.

Selbst Michael hatte damals Prügel von ihm bekommen. Mein Verständnis für seine jetzige Hilfsaktion hielt sich auch in Grenzen.

„Anja, der Kato wohnt in einem schäbigen Obdachlosenheim und schafft es nicht mit eigenem Antrieb irgendwie auf die Beine zu kommen. Ich habe ihn zufällig gestern in der Stadt getroffen und er tat mir total leid. Er ist damals von der Schule geflogen und hat sie danach auch abgebrochen. Und ohne einen Schulabschluss war es halt schwierig, einen Beruf zu erlangen.“

„Du bist schließlich nicht verantwortlich, war er schon vorher kriminell. Die Anzeige war das einzig Richtige. Daraus hätte er lernen müssen. Außerdem ist er schon 50, wo soll ich den denn unterbringen“, widerte ich.

Mein Mann Michael war 13 Jahre älter als ich und Elektriker in meiner Firma. Es war für ihm oft schwer zu akzeptieren, dass ich mehr Geld verdiente als er. Daher versuchte er offensichtlich mit diesen sozialen Aktionen sein Selbstwertgefühl aufzubessern. Aber eben auf meine Kosten.

Ich hatte mit meinen 35 Jahren einen sehr guten Job bekommen. Nach meinem Studium hatte ich mich dafür auch wirklich zerrissen und in kurzer Zeit einen Teil meiner Karriere vollzogen. Meinen Beruf übte ich mit voller Hingabe und Engagement aus. Vor allem aber mit großem Verantwortungsbewusstsein gegenüber meiner Firma, die mir voll und ganz vertraute.

In der oberen Ebene hatte ich einen ausgezeichneten Ruf. Dass ich bei den einfachen Arbeitern nicht besonders beliebt war, lag an manchmal schwierigen und harten persönlichen Entscheidungen, die ich treffen musste. Aber dass war eben auch eine meiner Aufgaben.

Und jetzt sollte ich einen ungelernten 50-jährigen Mann einstellen, der keinen Schulabschluss hatte und eine kriminelle Vorgeschichte. Michael hatte mir erzählt, dass der Tomtschek schon im Knast gesessen hatte, wegen Köperverletzungsdelikten, Bedrohungen und Diebstählen.

„Ich weiß, aber jetzt sei nicht so hart. Wäre es nicht toll, wenn man ihn irgendwie wieder in die Gesellschaft integrieren könnte? Mach doch mal was Soziales und trau dich.“ Jetzt versuchte Michael mein Gewissen anzusprechen.

„Ach, sonst mache ich wohl nichts Soziales?“ antwortete ich schnippisch. Michael schaute mich liebevoll mit seinem Hundeblick an.

„Jetzt schau nicht so!“ Sagte ich schon etwas besänftigt. Wenn er so schaute, konnte ich ihn gar nichts abschlagen. Ich holte tief Luft „also gut. In der Kommissionierung kann ich ihn vielleicht unterbringen. Wir haben im Lager 4 Mitarbeiter und könnten dort tatsächlich noch jemanden benutzen. Allerdings muss er dann auch mal bei schlechter Auftragslage andere Arbeiten verrichten.

Diese Zusage bereute ich bereits an dem kommenden Freitag. Michael wusste, wo der Tomtschek tagsüber rumlungerte und hatte ihm die „frohe Botschaft überbracht“!

Tomtschek kam am Freitag 37 Minuten zu spät, was sich als glückliche Fügung erwies, da die sonstige Firmenleitung bereits gegangen war. Ich war froh, dass sie diesen Anblick nicht mit mir teilen musste.

Tomtschek war 190 cm groß und sicher 120 Kilo schwer. Dabei aber eher kräftig. Als er mein Büro betrat verschlechterte sich das Raumklima schlagartig. Ein Geruchsgemisch aus Alkohol, Zigaretten, Feuer und Schweiß schlug mir entgegen, so dass ich so unauffällig wie möglich nebenbei das Fenster öffnete

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Wie geht es weiter mit Anja!

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