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Heimfahrt

Chapter 51 by Jan1974 Jan1974

In der nächsten halben Stunde unterhielt ich mich mit den Männern in der Kneipe über ganz normale Dinge – als wäre dieser Abend, den man wohl nur als Gangbang bezeichnen konnte, überhaupt nicht passiert. Es wirkte seltsam alltäglich, dass ich hier in dem knallgelben, viel zu großen „Paul’s Bierkeller“-Shirt und den schwarzen High Heels zwischen lauter Männern Mitte fünfzig und älter saß. Alle wussten, dass ich darunter nichts anhatte, und trotzdem war das kein Thema. Die Gespräche blieben bewusst belanglos und erstaunlich unterhaltsam.
„Und, war der Sommer dieses Jahr bei euch auch so verregnet?“, fragte einer der Männer an der Theke.
„Sag das nicht“, seufzte der Wirt und wischte eine Fleck auf dem Holz. „Die Terrasse konnte ich die Hälfte der Zeit gar nicht benutzen.“
Opa zwei schüttelte den Kopf.
„Früher gab’s noch richtige Sommer. Heute regnet’s, sobald man den Grill anschmeißt.“
Ich lachte leise und nahm einen Schluck von dem Wasser, das mir jemand hingegeben hatte.
„Bei mir zu Hause ist der Balkon inzwischen eher ein Wintergarten ohne Glas.“
So plauderten wir weiter über Wetter, alte Fußballergebnisse und die steigenden Bierpreise. Ich passte hier eigentlich überhaupt nicht hin – als einzige Frau und dazu noch unter zwanzig in einer Runde, die leicht meine Großväter hätte sein können. Und trotzdem fühlte es sich in diesem Moment seltsam normal an.
Etwa eine halbe Stunde war vergangen, als die Tür aufging und drei junge Männer hereinkamen, die in diesem Raum genauso deplatziert wirkten wie ich. Alle drei Anfang bis Mitte zwanzig, lässig in T-Shirts und Shorts, mit der lockeren Haltung von Leuten, die eigentlich woanders hingehörten. Einer von ihnen – dunkelhaarig, etwas schlanker – ging direkt auf Opa Nummer eins zu und umarmte ihn kurz.
Also war das der Enkel.
Die beiden unterhielten sich leise ein paar Sätze. Ich konnte nicht alles verstehen, aber ich sah, wie der junge Mann kurz zu mir herüberblickte und dann wieder zu seinem Großvater. Schließlich kam er zu unserem Tisch und blieb etwas unsicher vor mir stehen.
„Hallo“, sagte er und kratzte sich nervös am Nacken. „Opa sagt, ich soll dich nach Hause bringen.“
In seiner Stimme lag eine deutliche Mischung aus Unsicherheit und kaum verhohlener, geiler Erwartung. Sein Großvater hatte ihm offenbar erzählt, was hier im Bierkeller vorgefallen war. Ich dachte nicht weiter darüber nach. Ich war einfach nur erleichtert, endlich eine Mitfahrgelegenheit zu haben.
„Das ist lieb von dir“, antwortete ich mit einem kleinen Lächeln.
Was genau er sich dabei dachte und wie er die Situation eventuell für sich nutzen wollte, ließ ich bewusst offen. Irgendwie reizte es mich, das auf mich zukommen zu lassen, anstatt es zu forcieren.
„Sollen wir dann?“, fragte er und deutete zur Tür.
„Klar“, sagte ich und nannte ihm die ungefähre Richtung und den Stadtteil, in den ich musste.
Wir verließen die Kneipe. Die beiden anderen jungen Männer – einer mit etwas längeren, welligen Haaren, der andere mit einem markanten Print-Shirt – folgten uns ohne ein Wort. Draußen vor dem Eingang stand ein ziemlich heruntergekommener Kleinwagen, der schon deutlich bessere Tage gesehen hatte. Der Lack war stumpf, an einer Seite zeigte sich Rost, und die Sitze sahen aus, als hätten sie schon einiges mitgemacht.
Mit etwas Mühe – das Shirt rutschte dabei gefährlich weit hoch – kletterte ich auf die Rückbank. Einer der drei stieg hinterher und setzte sich neben mich. Die anderen beiden klappten den Beifahrersitz wieder nach hinten und stiegen ein. Der Enkel setzte sich ans Steuer, startete den klappernden Motor und lenkte den alten Wagen langsam auf die Straße.
Die Fahrt begann.

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