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Chapter 20
by
Daemony
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Heike kapituliert
Die Zelle war so bedrückend wie ein Todesurteil. Auf den kahlen Wände flackerten die Schatten, die von der einzelnen, an der Decke hängenden Glühbirne geworfen wurden.
Heike stand auf Zehenspitzen mit an die Eisenstange über ihrem Kopf geketteten Handgelenken. Der kalte Stahl biss in ihre Haut wie die schlechten Entscheidungen, die sie getroffen hatte und nicht mehr rückgängig machen konnte. Ihre von Krämpfen verhärteten Waden brannten wie Feuer. Und auch ihr Unterleib stand in Flammen.
Der Wärter, der ihr das angetan hatte, saß lässig auf seinem Hocker ihr gegenüber, eine Zigarette klebte an seiner Unterlippe. Seine Uniform war zerknittert. Seine Augen wirkten müde, gelangweilt. Hin und wieder huschte ein Grinsen über seine Züge, vermutlich immer dann, wenn er sich daran erinnerte, wie er sich die blonde Europäerin genommen hatte. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, vorgekommen war es ihr aber wie eine Ewigkeit. Wieder und wieder hatte er sie im Stehen vergewaltigt, bis er nicht mehr konnte. Anfangs hatte sie noch in den Knebel geschrien, den er ihr in den Mund gestopft hatte, bis sie auch dazu keine Kraft mehr hatte. Schon wieder grinste er und blinzelte ihr zu. Der Zigarettenrauch, den er dabei ausstieß, wirbelte zur Decke, wo er sich im matten Schein der Glühbirne ausbreitete.
Heikes goldenes Haar hing in Strähnen, schlaff von Stunden voller Schweiß und **** und Demütigung. Es sah aus wie ein matter Heiligenschein. Durch das schmale, vergitterte Fenster schwebte der Gebetsruf des Muezzins wie ein Klagelied herein und verklang wieder ohne Mitleid für sie.
Sie war in dieses Land gekommen, um Abenteuer zu erleben. Sie hatte Ablenkung gesucht, um die einsamen Stunden zu füllen, während ihr Ehemann Klaus sich in Bauplänen und Projektsitzungen vergrub. Sie hatte bewusst mit dem Feuer gespielt, auf die Gefahr hin, sich die Finger zu verbrennen. Was sie gefunden hatte, war ein Feuersturm, den sie nicht beherrschen konnte und der sie zu verschlingen drohte. Der Mann vom Lieferservice, den sie unschuldig als Verräter denunziert hatte, saß mittlerweile wahrscheinlich in einer Zelle wie dieser und verfluchte ihren Namen. Sie versuchte, nicht zu viel darüber nachzudenken, aber Schuldgefühle überwältigten sie und ließen ihr am ganzen Körper den Schweiß ausbrechen wie die feuchte Hitze im Raum.
Und dann hörte sie das Geräusch. Schritte, gemessen und bedächtig, hallten über den Innenhof wie das Ticken einer Uhr, die auf etwas Unvermeidliches herunterzählte. Der Wärter drückte hastig seine Zigarette aus, stand auf und nahm Haltung an. Heikes Magen gefror zu Eis.
Hauptmann Khaled betrat den Raum, gefolgt von zwei Männern in regulären Polizeiuniformen. Khaled trug eine Haltung zur Schau von jemandem, der zu viel gesehen und zu wenig Vertrauen hatte. Seine Uniform war makellos, seine Stiefel auf Hochglanz poliert. Er blieb vor Heike stehen und musterte sie mit Augen, die so dunkel und scharf waren wie die Klinge eines Dolches.
„Heike, Sie haben ein ziemliches Chaos angerichtet“, sagte er fast beiläufig mit leiser, dunkler Stimme.
Sie antwortete nicht. Ihr Mund war trocken, ihre Zunge klebte am Gaumen und ihr Herz pochte wie der Trommelschlag in einem Trauerzug. Khaled zog einen Stuhl aus der Ecke des Raumes, setzte sich, schlug ein Bein über das andere und nahm die verspiegelte Sonnenbrille ab. Die beiden Beamten standen stramm hinter ihm und starrten ins Leere, ihre Gesichter waren unlesbar.
„Sie haben einen Mann des Verrats beschuldigt“, fuhr Khaled fort. Seine Worte hatten die Wucht eines Rammbocks. “Ein schweres Verbrechen. Wenn es denn zutrifft. Wenn aber Ihre Behauptung falsch ist ...“
Er ließ die Worte in der Luft hängen, unvollendet, aber drohend wie eine Gewitterwolke. Heike schluckte heftig, die Ketten klirrten, als ihr Körper zitterte.
„Es ist wahr“, sagte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. “Ich habe die Anweisungen von ihm bekommen. Es kann nur er gewesen sein. Ansonsten hatte ich mit niemandem Kontakt.“
Khaleds Lippen verzogen sich zu einem dünnen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Anweisungen, sagen Sie. Auf einem Zettel, den Sie spurlos vernichtet haben wollen. Sagen Sie mir, Heike, glauben Sie, dass wir Dummköpfe sind?“
Ihr Atem stockte. Sie öffnete den Mund, um zu antworten, aber ihr fehlten die Worte. Die Stille dehnte sich aus, zäh und erstickend.
Schließlich stand Khaled auf und trat näher. Er überragte sie. Auf einen Wink von ihm wickelte einer der beiden Polizisten ein schwarzes Päckchen aus, das er mitgebracht hatte. Es war ein Niqab, der traditionelle, weite, arabische Frauenumhang. Er warf ihn ihr zu Füßen, der Stoff sammelte sich auf dem Boden wie verschüttete Tinte.
„Ziehen Sie ihn an“, blaffte Khaled schroff. “Sie werden mit diesen Beamten gehen.“
Der Wächter löste ihre Ketten, Heikes Arme fielen schwer und gefühllos herab an ihre Seiten. Als sie sich bückte, um den Umhang aufzuheben, gaben ihre Beine nach und sie sackte zusammen. Ihre tauben Finger berührten den dicht gewebten Stoff. Er sah schmutzig aus und verströmte einen unangenehmen Geruch. War das Teil jemals gewaschen worden? Aber es war das Einzige, was sie zum Anziehen hatte. Immer noch besser, als nackt zu gehen. Sie unterdrückte ihren Ekel und streifte den Umhang über. Es fühlte sich an wie eine Kapitulation.
Als sie damit fertig war, beugte sich Khaled zu ihr hinunter, seine Stimme ein Flüstern, das nur für sie bestimmt war. „Ich weiß, was Sie getan haben. Lügen kommen irgendwann ans Licht, Heike. Beten Sie, dass sich Ihre Geschichte bestätigt.“
Er richtete sich auf und knurrte einen unverständlichen Befehl. Die Beamten traten vor, ihre Hände packten die Gefangene und zogen sie auf die Füße. Der Umhang flatterte lose um ihre Knöchel, als man sie aus der Zelle führte. Irgendwo in der Ferne schlug eine Tür zu. Heikes Herz raste. Sie hoffte, dass die Wahrheit – ihre Wahrheit – den Nachforschungen der Polizei standhielt. Der Weg, den sie eingeschlagen hatte, war so riskant und gefährlich wie der Ritt auf einer Rasierklinge.
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Heike in al-Baha
Sie begleitet ihren Mann ins Ausland.
Heike ist alleine in dem Luxusbungalow, während ihr Mann arbeitet.
Updated on Jun 11, 2025
by Daemony
Created on Sep 3, 2023
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