Chapter 6
by
Meister U
What's next?
Funken im Käfig (Adelheids Perspektive)
Scheiß Blazer. Scheiß grauer Anzug. Scheiß Gutmenschen-Stimme. „Was wollen SIE, Adelheid?“ Als ob sie es nicht wüsste. Als ob es nicht an den Wänden klebt, in der staubtrockenen Luft, in den vergoldeten Gitterstäben hinter dem Fenster: RAUS. FÜHLEN. LEBEN. Und ja, verdammt, auch das: BERÜHRT WERDEN. Nicht wie ein kostbares Porzellanpüppchen. Sondern… wild. Richtig. So wie in den verbotenen Büchern unter der Dielentreppe.
Sie steht da, die Weber, mit ihrem hingestreckten Kleid. Wie eine Märtyrerin der Selbstbestimmung. Wie lächerlich. Ihr Blick sagt nicht: „Zieh dich an, Kind.“ Er sagt: „Deine Wahl.“ Als ob ich eine Wahl hätte! Alles hier ist Falle. Jede Bewegung beobachtet. Jedes Wort wird protokolliert. Für Voglers Akten. Für Papas Wutanfall. Für Mamas stilles **** in der Blauen Salongalerie.
Und doch… dieser eine Moment. Als sie nicht auf Brüste oder Arsch starrte. Sondern in mich. Als ob da mehr wäre als die hysterische Erbin, die man wegsperren muss. Das hat… gezittert. Irgendwo tief drin. Ein Funken, der nicht Wut war.
Jetzt. Sofort. Tinder. Die Vorstellung jagt wie Adrenalin durch mich. Ein Bild. Nicht mal ein Aktfoto – nein, dieses Bild. Wie ich hier stand. Nackt. Rebellisch. Die Schamlosigkeit selbst. Ein Mittelfinger an die Vergoldung. „Suche jemanden, der mir zeigt, was Freiheit schmeckt. Keine Prinzen. Nur echte Haut.“ Das Profil würde brennen. Innerhalb von Minuten. Hunderte Matches. Männer. Frauen. Irgendwer, irgendwer würde schreiben: „Wo bist du? Ich hole dich raus.“ Und ich… ich würde die Adresse schicken. Dieses verfluchte Schlösschen. Und dann?
Dann wäre das Smartphone weg. Für immer. Die Vorstellung lässt mich kalt erschaudern. Nicht wegen des Geräts. Wegen des letzten Fensters. Der letzte Schlitz in der Mauer. Der einzige Ort, wo ich sehen kann, wie Leben aussieht, das nicht poliert und kontrolliert ist. Straßenfeste. Küsse an U-Bahn-Stationen. Menschen, die lachen, ohne zu prüfen, ob es standesgemäß ist. Die Welt ist nur einen Wisch entfernt – und unendlich weit weg. Wenn Weber mir das nimmt… ich weiß nicht, was ich dann tue. Vielleicht springe ich wirklich aus dem Ostturmfenster. Nicht um zu sterben. Nur um zu fliegen. Einmal. Ein einziges Mal.
Ihr Blazer. Sie hat ihn ausgezogen. Hält ihn mir hin. Ein weiteres Angebot. „Sagen wir, Sie waren kalt.“ Diese Stimme. Diese ruhige, tiefe Stimme, die nicht nach Gehorsam klingt, sondern nach… Verständnis? Verdammt noch mal, ich will ihr nicht vertrauen! Vertrauen ist die erste Falle. Vertrauen wird benutzt. Immer. Mama vertraute Papa. Sieh sie dir an. Ein Schatten in Seide.
Aber der Stoff des Blazers… Er ist weich. Und er riecht. Nicht nach Parfüm oder Desinfektion. Nach… Kaffee. Und etwas anderem. Etwas Unbekanntem, Scharfem. Stadt? Freiheit? Ich greife danach, reiße ihn fast aus ihrer Hand, wickle mich ein. Das Grau ist hässlich, aber der Stoff ist warm. Von ihrer Haut. Es ist das erste Kleidungsstück in meinem Leben, das nicht neu, nicht maßgeschneidert, nicht kontroliert ist. Es ist fremd. Es ist… echt.
Ich presse mein Gesicht in den Kragen. Atme tief ein. Dieser Geruch. Ihr Geruch. Er ist wie ein Schlüssel zu einer anderen Welt. Ihre Welt. Hat sie Tinder? Hat sie diese Berührungen, nach denen ich mich so krass verzehre, dass es wehtut? Sie sieht nicht aus wie jemand, der oft lacht. Oder geküsst wird. Vielleicht… vielleicht sind wir beide Gefangene. Sie in ihrem grauen Anzug, ich in meinem goldenen Käfig. Vielleicht ist das der Funken in ihren Augen gewesen. Nicht Mitleid. Erkenntnis.
Draußen knarzt eine Diele. Vogler. Oder die grässliche Hausdame Gerda mit ihren fleischigen Händen und den Augen wie Messerspitzen. Der Alarm gellt in mir. Wegtreten. Maske auf. Die Trotzhaltung fällt automatisch über mich wie ein Panzer. Schultern zurück, Kinn hoch, Blick aus grünem Eis. Die Verletzlichkeit? Weggesperrt. Tief vergraben unter dem Zorn. Sie darf es nicht sehen. Niemand darf es sehen. Es ist meine einzige Waffe.
Aber unter dem hässlichen, weichen Stoff ihres Blazers… spüre ich meinen eigenen Herzschlag. Wild. Lebendig. Und eine Frage, die ich nicht stelle, nicht einmal in meinem Kopf zu Ende denke: Wenn ich dir vertraue… was dann?
Was dann?
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Emilias neue Aufgabe
Eine etwas andere Betreuung
Ich sollte Lust heilen – doch meine eigene Sehnsucht erstickte in leeren Nächten. Ein mysteriöser Auftrag lockt mich hinter die Mauern eines verbotenen Schlosses... Denn hinter vergoldeten Gittern beginnt ein Spiel... wer wird hier zuerst die Kontrolle verlieren?
Updated on Jan 11, 2026
by Meister U
Created on Jun 18, 2025
by Meister U
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