Wie läuft das jetzt genau ab?
Etwas konspirativ
Eine halbe Stunde später war Dao auf dem Weg nach unten in den Keller, in ihrem Ohr ein kleines, fast unsichtbares Funkgerät und an ihrem Kleid eine silberne Sternenbrosche, deren mittlerer Edelstein eigentlich eine hochauflösende Kamera war. Im Konferenzraum im ersten Stock konnte man Bild und Ton auf einem dort eingerichteten Monitor verfolgen, und Steffen saß zusammen mit den anderen dort - er hatte das Mikrofon vor sich, mit dem er Dao Anweisungen geben konnte.
Die junge Asiatin trat in den Kellergang, und auf dem Bildschirm wurde der Gefängnisraum sichtbar, den sie eingerichtet hatten. Durch die Glasscheibe war Dr. Arnim zu sehen, der gerade an dem kleinen Tisch saß, vor ihm ein Tablett mit einem leeren Teller und einer leeren Tasse darauf. Mit dem Frühstück war er offenbar fertig, und als er Dao draußen sah, stand er auf und sah sie interessiert an. Sein Mund bewegte sich, aber noch hörte man ihn nicht. Dao trat näher heran und schaltete die Gegensprechanlage ein. "Ihr Mikrofon war noch aus", erklärte sie, "bitte sagen Sie noch mal, was Sie wollten."
"Ich wollte nur wissen, ob es jetzt mit meiner Befragung weitergeht", gab Dr. Arnim zurück - seine Stimme klang in der Tat etwas resigniert, und er wirkte recht müde. Offenbar hatte Steffen recht behalten. "Machen Sie das jetzt?"
"Nein", gab Dao zurück. "Das macht Eidolon nachher. Ich wollte Sie nur einmal sehen. Die anderen wissen nicht, dass ich hier bin."
Dr. Arnim zog erstaunt die Augenbrauen hoch. "Was ist denn an mir so interessant?"
Dao wartete ein paar Sekunden, ehe sie antwortete. "Ich wollte wissen, wie der Mann aussieht, der aus mir eine Waffe gemacht hat."
"Eine-" Der Gesichtsausdruck des Wissenschaftlers war einen Moment verwirrt, dann wechselte er zu einem deutlichen Erschrecken. "Moment - sind Sie etwa Por-"
"Ich bin ihr Experiment mit dem Schwarzen Loch", fuhr Dao bitter fort. "Das, mit dem Sie die Welt zerstören können. Ich hab mich oft gefragt, wie jemand aussieht, der so was fertigbringt!"
Dr. Arnim schluckte. "Ich wusste nicht, dass sie hier sind. Sicherlich, man hat mir gesagt, dass Sie nicht mehr zur Verfügung stehen, und es gab Gerüchte, weswegen, aber-"
Steffen beugte sich über das Mikro. "Lass ihn nicht ausreden! Unterbrich ihn!"
"Warum?" fuhr Dao auf dem Bildschirm den Wissenschaftler an. "Warum haben Sie so was mit mir gemacht? Wer kommt denn auf so eine kranke Idee?"
"Nein, nein, das verstehen Sie völlig falsch!" Dr. Arnim hob die Hände abwehrend. "Wir waren noch lange nicht fertig mit Ihnen! Ihr momentaner Zustand, das sollte doch nicht das Ende der Forschungen sein!"
Erneut beugte sich Steffen vor. "Geh nicht drauf ein. Weiter anklagen!"
Dao atmete einmal tief durch. "Ist das alles, was ich für Sie bin? Ein Forschungsobjekt? Ich bin ein Mensch! Wer gibt Ihnen das Recht, so was mit mir zu machen?"
"Das ist-" Dr. Arnim biss sich auf die Unterlippe. "Schauen Sie, ich war nicht derjenige, der entschieden hat, dass Ihre besonderen Fähigkeiten Sie für ein Leben unter den normalen Menschen disqualifizieren. Wenn es nach denen ginge, würde man sie beseitigen. Leute wie ich hingegen, die wollen, dass Sie weiterleben. Ich will Ihnen eine Perspektive geben! Es muss doch nicht sein, dass man Sie-"
"Nachhaken!" befahl Steffen erstaunlich scharf. "Lass ihn das genauer erklären!"
Dao reagierte sofort. "Was soll denn das für eine Perspektive sein?" unterbrach sie Dr. Arnim. "In einer Zelle rumliegen und darauf warten, dass Leute immer weiter an einem herumexperimentieren? Wie soll das besser sein?"
Der Wissenschaftler atmete einmal tief durch. "Wir waren noch nicht am Ende mit den Forschungen", gab er zurück, "wie ich es schon sagte. Wir waren nur... an einem etwas schwierigen Punkt angekommen. Am Ende, da wäre ganz etwas anderes gestanden."
"Und was?" Daos Stimme war voller Hass. "Vielleicht eine Waffe, die nur die halbe Welt vernichtet?"
"Ich weiß nicht, wie Sie auf die Idee kommen, Sie hätten eine Waffe sein sollen", gab Dr. Arnim zurück. "Das war nie das Ziel bei Ihnen."
Dao lachte bitter auf. "Ich hab es doch selbst gehört, was die Leute erzählt haben, die mich in Ihre Apparaturen gesteckt haben." Sie begann, eine arrogante Fistelstimme nachzuäffen. "'Das da in ihr drin, das ist ein Schwarzes Loch! Es wird nur von ihren Kräften kontrolliert! Wenn das hier jemals auf der Erde freikäme, dann wäre alles hinüber, das würde den ganzen Planeten in Stücke reißen!'"
Dr. Arnim erblasste. "So was hat man in Ihrer Gegenwart gesagt?"
"Ja. Wahrscheinlich, weil die dachten, bei Ihren Betäubungsmitteln bekomme ich das nicht mit!"
"Aber das ist ein entsetzliches Missverständnis!" Der Wissenschaftler schüttelte den Kopf. "Die Singularität, das 'Schwarze Loch', von dem Sie sprechen, das kann gar nicht 'freikommen', wie Sie es denken!"
Dao verstummte einen Moment, und Steffen nutzte sofort die Gelegenheit. "Er soll dir sagen, was sie mit dir gemacht haben. Alles!"
Es war deutlich zu hören, wie Dao nervös schluckte. "Was haben Sie mit mir gemacht?" sagte sie schließlich. "Was soll das in mir sein, wenn nicht eine Waffe?"
"Es ist eine unglaubliche Chance", sagte Dr. Arnim. "Die Chance, eine vollkommen fremde Welt zu erforschen!"
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