Werden sie lange suchen müssen?
Es geht schneller als gedacht
Alex und Tom machten sich wie besprochen auf den Weg in den Wald, während ihnen mit leisem Surren eine von Pandoras Drohnen folgte. "Nach Fußspuren braucht ihr schon mal nicht zu suchen", hörten sie ihre Stimme im Ohr, "dafür ist Eidolon zu clever. Ich vermute mal, er wird sich ein Versteck gesucht haben, das nicht leicht zu umstellen ist. Haltet nach so was Ausschau."
"Er und ich haben so was zusammen trainiert", sagte Tom beiläufig, "ich hab also eine ganz gute Idee, was er machen könnte. Roadie, Augen vor allen Dingen nach oben richten. Wenn dir was auffällt, laut räuspern. Pandora schaut sich dann die Lage genauer an."
"Wie? Ich soll meine Technik hier riskieren, indem ich in irgendwelchen Baumwipfeln rumschwirre?" Pandora klang nicht begeistert. "Drohnen wachsen nicht auf Bäumen!"
Alex musste schmunzeln. "Wir auch nicht, Pandora. Was ist dir lieber, eins deiner Spielzeuge verlieren oder einen von uns?"
Eine verdächtig lange Pause später kam Pandoras Antwort. "Meinetwegen. Aber ihr gewinnt nur knapp gegen meine Drohnen, dass das klar ist!"
"Okay, dann von jetzt an Ruhe im Karton", sagte Tom etwas schroff. "Konzentration auf die Suche, keine Risiken eingehen. Pandora, nur melden, wenn wir auf Probleme zusteuern."
"Verstanden und aus." Ein leises Knacken in den Ohrstöpseln zeigte Alex, dass sie die Verbindung tatsächlich getrennt hatte, und er war wieder einmal erstaunt, dass sie Toms Befehle tatsächlich so widerspruchslos hinnahm. Es stimmte wohl, dass sie sich auch unterordnen konnte, wenn sie jemanden respektierte - auch wenn man sie nicht oft so erlebte.
Die beiden marschierten weiter in den Wald. Zwischen den Bäumen lag erstaunlich wenig Schnee, dafür eine Menge gefrorenes Laub, das unter ihren Schritten knackte und knirschte. Obwohl es hellichter Tag war, drang nur wenig davon durch die Wipfel, und es war fast ein wenig dunkel. Sicherlich keine schlechten Voraussetzungen für jemanden, der sich verstecken wollte, allerdings machte das die Suche natürlich auch nicht einfacher. Alex konnte nur hoffen, dass Toms Erfahrung und Intuition sie schneller zum Ziel brachten als die Leute von der Zarathustra-Einsatztruppe, die inzwischen mit Sicherheit auch unterwegs waren.
Eine gute halbe Stunde waren sie so schon durch den Wald gestapft, als sie auf einen der angelegten Wege trafen. Hier war wesentlich mehr Licht, auch lag mehr Schnee auf dem Boden, der allerdings bereits schon gut heruntergetreten war. Einzelne Fußspuren waren kaum auszumachen, und Tom war auch schon drauf und dran, den Weg wieder zu verlassen, als er bemerkte, dass ihnen in der Entfernung eine Person entgegenkam. Sie wirkte auf den ersten Blick nicht wie ein Polizist - andererseits, auch die konnten sich verkleiden, und verdächtig machen, indem sie im Unterholz verschwanden, das wollten sich Tom und Alex nun sicherlich nicht. Die beiden liefen also nun auf dem Waldweg entlang, der Person entgegen, die da kam.
Es handelte sich allem Anschein nach um eine Frau, vielleicht Mitte oder Ende zwanzig, das war nicht zu übersehen, die eine Vorliebe für rosa hatte - sowohl ihre Kleidung als auch ihr Haar waren in dieser Farbe gehalten. Sonderlich groß war sie nicht, und sie wirkte auch ansonsten nicht sehr auffällig, bis auf die interessierten Blicke, die sie den beiden zuwarf. Dann aber, als sie nur noch ein paar Meter entfernt war, blieb sie unvermittelt stehen und lächelte. "Du da bist Atlas", sagte sie zu Tom. "Dein Begleiter da sieht aber nicht nach Pandora aus."

"Ist er auch nicht", gab Alex misstrauisch zurück, "und wenn das irgendein Versuch sein soll, uns für ne Sekte oder so zu rekrutieren-"
"Hey, keine Sorge", gab die Frau zurück, "Eidolon sagte schon, dass ihr hier bestimmt bald auftaucht und ich hier nach euch suchen soll."
Auch Tom reagierte abweisend. "Sie verwechseln uns offenbar mit jemandem. Wir sind uns nie begegnet."
In den Ohrsteckern der beiden knackte es. "Hab sie gefunden", sagte Pandora. "Eine von unseren Informantinnen. Ihr Name ist-"
"Romy heiß ich", sagte die Frau im selben Moment und streckte ihm die Hand entgegen. "Und Eidolon meinte, ich soll euch sagen, dass Pandora weiß, wer ich bin."
"Hat sie eben auch", bestätigte Alex und entspannte sich etwas. "Wo ist Eidolon?"
Romy deutete mit dem Daumen in die Richtung, aus der sie gekommen war. "Bei mir zuhause. Hab nichts dagegen, wenn ihr ihn abholt."
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