Nach hause, oder mit ihr?

Er kommt mit ihr

Chapter 15 by gruetze

Julius sah sie an und spürte, wie die Dankbarkeit gepaart mit einer freudigen Erwartung in ihm aufstieg. "Du hast mich doch schon entführt. Ich komme gerne mit dir." Gestand er. Als sie schließlich das Gebäude verließen und in die kühle Abendluft traten, fühlte er sich verändert. Er war aufgeregt; er war ein Teil eines Geheimnisses, ein Gefangener von Geld, Stahl und Seide.
Ihr kleiner, weißer Fiat 500 schoss wie ein flinkes Insekt durch die nächtlichen Straßen der Stadt, die Reifen flüsterten über den Asphalt. Im engen Innenraum, der nach einer Mischung aus teurem Leder und Mayas Parfüm roch, wirkte Julius fast wie ein Passagier in einer anderen Dimension. Die Neonreklamen der Stadt zogen als verschwommene Farbbänder an ihnen vorbei, doch sein Fokus lag ausschließlich auf dem Profil der Frau neben ihm, deren Hände das Lenkrad mit einer Selbstverständlichkeit umschlossen, die ihn aus irgendeinem Grund sicher fühlen ließen. Nach etwa zehn Minuten glitten sie in eine ruhige Seitenstraße, wo die Gebäude eleganter und die Bäume dichter waren.
Maya führte ihn in ein Haus, das ebenso diskret war wie das *L’Éclipse*. Als sie die Tür zu ihrer Wohnung öffnete, trat Julius in einen Raum, der seine Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern sie fast schon übertraf. Nach dem Abend war er dennoch nicht überrascht wie sie sich das leisten konnte. Die Einrichtung war ein Statement aus moderner Kunst, weichen Texturen und einem minimalistischen Luxus. Es war ein Ort, der genau so war wie Maya selbst: raffiniert, ästhetisch perfekt und ein wenig geheimnisvoll. Obwohl die Uhr bereits tief in die Nacht zeigte und die Erschöpfung des aufregenden Abends eigentlich in seinen Gliedern steckte, spürte Julius keinen Funken von Müdigkeit. Sein Geist war hellwach, seine Sinne geschärft, und seine Augen suchten ununterbrochen den Kontakt zu Maya.
Ohne Umschweife, führte sie ihn direkt in ihr Schlafzimmer. Sie schien Julius verlangen zu teilen, den Abend noch nicht jetzt enden zu lassen. Das Licht war hier gedämpft, ein warmer Goldton, der die weichen Kanten des großen Bettes betonte. Maya, sie vor ihm ging, blieb abrupt stehen, drehte sich zu ihm um und legte ihre Arme um seinen Nacken. In dem Moment, als ihre Lippen die seinen berührten, fiel jegliche Distanz der Mentorin endgültig ab. Es war kein geschulter Kuss mehr, sondern ein Akt purer, ungefilterter Begierde. Der Kontext der Arbeit, der Hierarchie und der Maskerade war verschwunden; was blieb, war die elektrische Spannung zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig begehrten.
Julius antwortete auf den Kuss mit einer Intensität, die ihn fast erschrecken ließ. Er zog sie eng an sich, spürte die Wärme ihres Körpers durch den dünnen Stoff ihrer Kleidung und gab sich dem Gefühl hin, endlich angekommen zu sein. Die Welt außerhalb dieses Zimmers existierte nicht mehr. Während ihre Hände begannen, seine Kleidung mit einer fordernden Ungeduld zu lockern, spürte er, wie sein Herz gegen seine Rippen hämmerte, getrieben von einer Mischung aus Lust und der tiefen Sehnsucht. Der Cage wirkte abermals viel zu klein, fast schmerzhaft.

Doch bevor sie sich gegenseitig ganz auszogen, hielt Maya kurz inne. Sie sah ihn mit einem herausfordernden Blick an. In ihrer Hand hielt sie den kleinen, silbernen Schlüssel zu seinem Cage, der noch immer an der Kette um ihren Hals hing. „Ich will dich ganz“, flüsterte sie, und ein gefährliches Funkeln trat in ihre Augen. „Aber...darf ich dir den Cage danach auch wieder anlegen? Der Gedanke, dass ich den Schlüssel um meinen Hals trage... das macht mich unglaublich an.“

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Stimmt er zu?

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