Was antworte ich Jamal?

Er antwortet mir.

Chapter 7 by Rotstiftakrobat

Es ist gegen Mittag, als ich die Augen wieder öffne. Ich habe mich nach dem turbulenten Morgen ins Bett im Van zurückgezogen, um den Kater und die Gedanken etwas auszuruhen. Die Matratze ist bequem, das rosa Licht, das durch die Vorhänge fällt, wirkt fast beruhigend. Doch die Ruhe hält nicht lange. Mein Handy vibriert.

Jamal: Hey Kleine, das Video geht richtig durch die Decke. Das ist der Wahnsinn! Hier eine Auswahl von Kommentaren:

„Diese kleine deutsche Schlampe würgt so schön. Mehr davon!“

„BBC destruys innocent tourist. Classic.“

„Look at those tears. Perfect face for a cumdump.“

„She looks so pure and then takes it like a whore. Hot as fuck.“

„German girls are the best for first-time BBC humiliation.“

„Someone dox her. I want more of this tight little body.“

„The way she gags… pure gold. Post the full uncut version!“

„Tiny A-cup slut getting ruined. Love it.“

„Bet she goes home and cries while rewatching it. Pathetic and sexy.“

„Upload more. Make her a proper pornstar.“

Die Worte treffen mich wie Schläge. Jeder Kommentar fühlt sich an, als würde er mich öffentlich ausziehen und vor der ganzen Welt bloßstellen. Die Views sind gestiegen, die Scham und die Angst vermischen sich zu einem Kloß in meinem Hals. Tränen steigen mir in die Augen. Was, wenn jemand aus meinem Dorf das sieht? Was, wenn es weiterverbreitet wird?

Eine weitere Nachricht folgt kurz darauf:

Jamal: Du solltest dich jetzt entscheiden, ob ich es löschen soll.

Ich starre auf den Bildschirm. Mein Herz hämmert. Ein Teil von mir will schreien, ihn anschreiben, drohen, betteln. Ein anderer Teil – der Teil, der gestern auf den Knien war und trotz allem erregt war – starrt länger auf die Kommentare, als er sollte. Die Erniedrigung brennt, aber sie erzeugt auch dieses seltsame, verbotene Kribbeln.

Nach langem Zögern tippe ich:

Jette: Bitte lösch es. Sofort. Ich will das nicht online haben.

Die Antwort kommt relativ schnell:

Jamal: Ok. Ist weg. Aber die Screenshots und die Erinnerung bleiben. Falls du später doch mehr willst… du weißt, wo ich bin.

Eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung durchströmt mich. Das Video ist gelöscht. Die öffentliche Demütigung ist vorbei – zumindest für den Moment. Doch die Tatsache, dass er es hochgeladen und die Kommentare gesammelt hat, bleibt. Und die Screenshots existieren irgendwo.

Ich lege das Handy weg und atme tief durch. Draußen höre ich Mick und Liz in der Werkstatt. Es ist Zeit aufzustehen.

Ich koche für uns drei. Einfache Pasta mit Gemüse und etwas Hähnchen, das noch im gemeinsamen Kühlschrank war. Der Geruch erfüllt den Van und die Werkstatt. Mick und Liz setzen sich an den improvisierten Tisch. Mick lobt das Essen, Liz grinst. „Du kannst ja doch mehr als nur Van bauen und auf den Knien knien.“

Nach dem Essen, als Mick kurz weg ist, hole ich tief Luft. „Liz… ich muss dir was erzählen.“ Ich berichte von dem Link, dem Post, den Kommentaren und dass ich ihn gerade löschen lassen habe. Meine Stimme zittert. Liz hört ruhig zu, dann zuckt sie mit den Schultern.

„Shit. Das ist hart. Aber ehrlich? Solche Videos kursieren ständig. Die meisten schauen kurz und vergessen es. Du hast es löschen lassen – gut so. Und hey… du hast gestern was riskiert und bist damit durchgekommen. Manche würden das als Kompliment sehen.“ Sie legt mir die Hand auf den Arm. „Wenn er dich weiter nervt, sag Bescheid. Aber versuch, es nicht zu sehr an dich ranzulassen. Du bist in Australien. Hier passieren solche Sachen.“

Ihre Reaktion ist pragmatischer, als ich erwartet habe. Kein großes Drama, keine Panik. Das beruhigt und verunsichert gleichzeitig. Während wir aufräumen, kommen zwischendurch weitere kurze Nachrichten von Jamal:

Jamal: Gelöscht. Versprochen.

Jamal: Du hast trotzdem heiß ausgesehen.

Jamal: Falls der Job nicht klappt oder du Geld brauchst… ich kenn Leute.

Ich antworte nicht.

Am Nachmittag bereite ich mich auf das Vorstellungsgespräch vor. Liz fährt mich zur Bar am Bondi. Von außen sieht sie aus wie eine normale Beach-Bar mit großer Terrasse und Meerblick. Drinnen wird schnell klar, dass es mehr ist. Es ist ein Stripclub mit Bar. Die Tänzerinnen sind noch nicht da, aber die Atmosphäre, die Spiegel, die Bühne und die knappen Outfits der Bedienungen sprechen eine klare Sprache.

Die Managerin, eine Frau Mitte 40 namens Sarah, mustert mich von oben bis unten. „Liz hat dich empfohlen. Du bist klein, sportlich, süß. Das kommt an.“ Sie erklärt den Job: An der Theke und auf der Fläche bedienen, Drinks bringen, mit den Gästen flirten. Die Uniform ist ein knapper Bikini (oben und unten) plus High Heels. Trinkgeld ist der Hauptverdienst. Arbeitsbeginn morgen um 14:00 Uhr.

Ich schlucke. Ein Stripclub. In einem Bikini bedienen, während um mich herum getanzt wird. Die Scham über das Video und die Kommentare sitzt noch tief, und jetzt das. Doch ich brauche das Geld. Und ein Teil von mir – der Teil, der gestern die Blicke und die Erniedrigung gespürt hat – ist neugierig.

„Okay“, sage ich. „Ich mach’s.“

Sarah lächelt. „Gut. Dann bis morgen. Zieh dich anständig an… also unanständig. Du wirst sehen, die Jungs sind großzügig, wenn man freundlich ist.“

Auf dem Rückweg ist es still zwischen Liz und mir. „Du musst das nicht machen, wenn du nicht willst“, sagt sie irgendwann. Ich schüttle den Kopf. „Ich brauche das Geld. Und… vielleicht ist es okay.“

Abends sitze ich wieder im Van. Das Video ist gelöscht, der Job ist angenommen, der Van ist fertig. Die Scham ist nicht weg, aber sie hat sich verschoben. Ich schaue auf mein Handy, auf die alten Nachrichten von Jamal, und spüre die Unruhe. Morgen beginnt etwas Neues.

Ich schreibe kurz in den Chat:

Jette: Hab einen Job. Fängt morgen an. Erzähl später mehr.

Die Mädels antworten neugierig. Ich lasse Details weg.

Die Nacht ist unruhig. Ich denke an den Bikini, an die Blicke, an die Kommentare, die ich gelesen habe, und an das Video.

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